Socialmedia

Virtuelle Existenz
Soziale Netzwerke wie Facebook sind sehr beliebt. Wer von diesem ,,Internet-Virus” befallen ist, der achtet oft nur mäßig auf seine Privatsphäre und beim Ausstieg gibt es zahlreiche Hürden
eorg schreibt gerade einen Bericht über Social Media!” So oder zumindest so ähnlich könnte mein Status bei Facebook.com lauten. Facebook ist das bekannteste soziale Netzwerk im Internet, weitere sind u.a. MySpace.com, die vor allem in Portugal beliebte Seite hi5.com und Xing, das Portal für Geschäftskontakte. Gegründet im Jahr 2004 vom Studenten Mark Zuckerberg erlebte Facebook in den vergangen Jahren einen wahren Boom. Laut dem Marketingunternehmen Socialbakers.com, das auf Facebook spezialisiert ist, gab es im Januar weltweit bereits rund 600 Mio. Nutzer. In Deutschland waren ca. 13,4 Mio. und in Portugal knapp 3 Mio. Personen auf Facebook registriert. Dass die Verfilmung der Facebook-Geschichte in diesem Jahr beim Golden-Globes-Festival ausgezeichnet wurde, weist auf die große Beliebtheit hin. Die Idee, die hinter sozialen Netzwerken steckt, ist einfach. Nach einer simplen und kostenlosen Registrierung kann jeder Fotos und diverse Informationen online stellen. Um mit Personen in Kontakt zu treten, muss eine Freundschaftsanfrage geschickt werden.,,Freund” ist aber in diesem Zusammenhang vielleicht nicht der richtige Begriff. Manche haben 200, 300 oder gar mehr ,,Freunde” auf Facebook. Doch sind das auch Freunde im Leben abseits des Internets? Jimmy Kimmel, Komiker in den USA, hat deshalb den ,,Unfriend-Day” ins Leben gerufen. ,,Ich fordere alle dazu auf, sich auf Facebook von Freunden zu trennen, die keine echten Freunde sind. Von all den nervigen Leuten, die meinen, jeden anderen darüber informieren zu müssen, was gerade in ihrem Kopf vorgeht”, so Kimmel. Ein Blick auf Facebook reicht, um zu sehen, was der Komiker damit meint: ,,Thomas ist müde”, ,,Manuela kocht” oder ,,Klaus will heute nicht arbeiten”. Solche Meldungen blitzen ständig von der unverwechselbaren weiß-blauen Seite. Spätestens seitdem es für das iPhone eine FacebookApplikation gibt (siehe Infobox), kann von jedem beliebigen Ort aus, etwa vom Bus oder dem Badezimmer ein Status geschrieben und veröffentlicht werden. Da sich niemand sicher sein kann, wer die Informationen für was verwendet, ist hier absolute Vorsicht geboten. Vor allem sollte auf die Veröffentlichung von unseriösen Bildern, die einem etwa beim übermäßigen Alkoholkonsum zeigen, verzichtet werden. ,,Das Internet vergisst nie”, wird etwa unter www.datenparty.de mit einem Video ausführlich erklärt. Sind Bilder oder Informationen einmal veröffentlicht, ist es schwer bis unmöglich, diese gänzlich aus dem Netz zu verbannen. ,,Erst denken, dann posten”, so der Tipp dieser Webseite. Wer Facebook sinnvoll nützen möchte, kann andere auf interessante Berichte mittels Link und kurzem Text aufmerksam machen. Auch um Petitionen zu starten sind soziale Netzwerke ideal. Viele Firmen und auch Politiker erhoffen sich durch diese Seiten, mit ihren Kunden bzw. Wählern in Kontakt treten zu können. Faros Bürgermeister Macário Correia trat beispielsweise dem weltweiten Netzwerk bei, um einen direkten Draht zu den Bürgern zu bekommen. So gibt es die Möglichkeit, alle Fragen, Kritikpunkte und Vorschläge dem Rathaus via Facebook zu übermitteln. Regelmäßige Antworten sind sehr wichtig, denn wenn die User merken, dass eine Gruppe oder Person nur deshalb auf Facebook ist, um Werbung für etwas zu machen, blockieren sie diese. Um das zu vermeiden wurde sogar ein neuer Job geschaffen. Der so genannte Chief Social Media Officer analysiert und evaluiert die Bedürfnisse der Internetbenutzer. Was definitiv die Lust an der Beteiligung an sozialen Netzwerken bremst sind die immer wieder auftretenden Fälle von Datenmissbrauch. Anbieter von Facebook-Applikationen sollen Nutzerdaten weiterverkauft haben.
Im Januar gab Facebook bekannt, künftig selbst Adressen und Telefonnummern nach Zustimmung der Nutzer weitergeben zu wollen. Wer aus diesem oder einem anderen Grund sein Konto auf Facebook löschen möchte, wird auf Schwierigkeiten stoßen: Nach dem Klick auf ,,Konto deaktivieren” erscheinen zahlreiche Warnungen. Erstens werden Fotos und Freunde mit folgendem Text aufgelistet: ,,Christoph wird dich vermissen. Verena wird dich vermissen.” Außerdem ist es notwendig, einen Grund für die Deaktivierung zu nennen. Bei der Auswahl ,,Ich sorge mich um den Schutz meiner Privatsphäre” erscheint der Text ,,Du kannst deine PrivatsphäreEinstellungen verändern, um dich besser zu schützen.” Als andere Option kann angegeben werden: ,,Ich verbringe zu viel Zeit auf Facebook”, da erscheint dann der Text: ,,Eine Möglichkeit deine Interaktion mit Facebook zu kontrollieren besteht darin, die Anzahl der E-Mails, welche du von uns erhältst, einzuschränken.” Außerdem kann das Profil nicht gänzlich gelöscht, sondern lediglich deaktiviert werden. Digitalen Selbstmord zu begehen scheint hier die einzige Möglichkeit zu sein. Dafür gibt es die Webseite http://suicidemachine.org/. Mit der Eingabe von Benutzername und Kennwort werden automatisch alle Inhalte aus Facebook gelöscht und der User kann dabei noch zusehen.

Außerdem wird zum Schluss das Passwort so verändert, dass es keine Möglichkeit gibt, erneut mit dem selben Benutzernamen einzusteigen und somit mit den so genannten Freunden im Internet zu interagieren. Ganz nach dem Motto der Suicidemachine: ,,Mein Internetleben stirbt, mein reales Leben beginnt wieder.” Twitter ist ein weiteres soziales Netzwerk. Allerdings hat dieser Dienst eine andere Funktionsweise als Facebook. Internetuser können Nachrichten schreiben, die bei den ,,Freunden”, den so genannten Followern (Verfolger), auf der Pinnwand erscheinen. Es sind maximal 140 Zeichen zulässig, daher ist meist ein Link am Ende, der auf weitere Informationen oder Fotos verweist. Große Bedeutung kam Twitter während der Wahlen im Iran 2009 zu. Ohne vom Staat zensiert zu werden, konnten die Bürger Informationen in die ganze Welt verbreiten. Wie schnell dieses Medium ist, zeigte sich bei der Notlandung eines Flugzeuges am Hudson-River. In Twitter verbreitete sich die Nachricht rasend schnell, da konnten Massenmedien, die großteils auch Facebook und Twitter nützen, nicht mithalten. Bei sozialen Netzwerken verhält es sich ähnlich wie beim Alkohol: Auf die Dosis kommt es an!
Georg Partoloth

Auch die ESA ist auf Facebook vertreten. Unter facebook.com/ESAmagazin werden Sie auf die aktuellen Vorkommnisse in der Algarve aufmerksam gemacht.

 

Apps
Unter Apps versteht man kleine Anwendungsprogramme, der Name kommt von application. Die Bezeichnung wird vor allem für kleine Programme verwendet, die auf Smartphones (z.B.: iPhone) geladen werden können. Auch Spiele und andere Anwendungen auf Facebook werden als Apps bezeichnet. Algarve-Apps für das iPhone gibt es beispielsweise zur Planung des Urlaubs in der Region. Kostenlos ist ,,Algarve Golden Triangle”, ,,Portugal Travel guide” kostet einmalig 0,79 und ,,Merian scout Algarve und Alentejo” kann um 2,99 heruntergeladen werden. Eine Reiseroute erstellen und gleichzeitig Fotos von den Plätzen zu sehen, das funktioniert mit dem kostenlosen App ,,Portugalby”.

ESA 02/11

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