Alentejo – Kachelkunst im Konvent

Hitze schwebt über den blassen weiten Weizenfeldern. Sanfter wird dieses Licht erst im Herbst. Dann mischt Rotgold mit, und die Grüntöne von Schirmpinien, Olivenbäumen und die vielfarbigen Weinfelder finden sich in diesem Bild wie von Vincent van Gogh mit verinnerlichter Leidenschaft gemalt

Text: ROLF OSANG

Eine Fahrt durch dieses Land ist ein Genuss der besonderen, der stillen Art. Heute geht es zu einem Konvent in der Serra de Ossa nördlich von Monsaraz. Weil die 300-Kilometer-Reise selbst das Ziel ist, wollen unterwegs einige Schmankerl aufgesucht sein. Rasch ist man in Beja. Nun ostwärts nach Serpa. Von weitem zeigt sich dieses bauliche Juwel umringt von mittelalterlichen Stadtmauern. Die Burganlage weiß sich von Gassen durchwunden, alle beflankt von getünchten Hauswänden und betupft von bunten Hängepflanzen. Mehr oder weniger systematisch angeordnet sind die Gassen rund um die Praça da República. Stolze Gebäude, die meisten nach dem Erdbeben 1755 erbaut, stehen in Reih und Glied, nahezu alle verziert von Balkonen, die mehr als Zier denn zum Zeitvertreib gedacht sind. Schmiedekunst als kulturelles Erbe der maurischen Epoche. Irgendwo hört man vielleicht ein paar Männer ihre cantes singen, a cappella versteht sich. Die fremdartigen Klänge bewirken beim Zuhörer eine Gänsehaut. Besonders zauberhaft, fast mystisch wirken diese Töne, wenn man sich an einen der uralten Olivenbäume zu Füßen des grandiosen Aquädukts hinsetzt, auf dass die knorrigen Gewächse Geschichten aus 1001 Jahren herbei rascheln… Schlemmen in Serpa Serpa ist berühmt für seinen Käse aus Schafsmilch. Bauern bereichern die Molke mit Disteln, was dem Käse jene goldgelbe Farbe und diesen besonders weichen Geschmack vermittelt. Wo probieren? ,,Molhó Bico” heißt ein adegaartiges Restaurant, einen Steinwurf von der Praça entfernt. Hochbetrieb herrscht mittags wie abends, dem deftigen Schlemmen sind keine Grenzen gesetzt. Da es alle Gerichte auch in kleineren Portionen gibt (meia doce), wird der Gürtel in jeder Hinsicht geschont. Preiswert ist alles, selbst der süffige Hauswein. Leckere Tropfen gibt es auch in den vielen Kaschemmen und tascas, die jeden Abend zu einer Tour verführen, bei der man dem Pfarrer wie dem RathausPräsidenten begegnen mag. Von ,,ihrem” Serpa schwärmen sie verführerisch, als faszinierte die Wirklichkeit nicht schon genügend. Zur Übernachtung in Serpa bietet sich die Pousada ,,São Gens” an, viel origineller aber ist die neue ,,Residencial Zens”, die, wie könnte es anders sein, nur einen Steinwurf weit weg von 19 der Praça liegt. Ein vornehmes Stadthaus aus dem 18. Jahrhundert, von dem Künstler Vasco Zens in ein Hotel umgewandelt, in dem andere Kulturen, wie die japanische, mexikanische oder arabische in den individuell gestalteten Zimmern zur Geltung kommen. Der Frühstücksraum ist gleichzeitig eine Kunstgalerie mit beachtlichen Gemälden und Skulpturen. Senhor Zens zählt mit seinem Geschick und Engagement zu jenen jungen Alentejanern, die eine Aufbruchstimmung im Lande erzeugen ­ eine Charakteristika, die sich ansonsten im Weinbau mehr als in anderen Bereichen findet. Seenplatte im Herzen des Alentejo Moura ist der nächste Meilenstein, ein Provinzstädtchen, wo man durchaus mehrere Tage hängen bleiben kann, vor allem, wenn man die nähere Umgebung intensiver kennen lernen möchte. Und die hat sich in den letzten Jahren gewaltig verändert. Früher eine unendliche Weizenlandschaft, ist sie jetzt eine Seenplatte. Monsaraz oder Mourão und einige andere der über zwanzig Burganlagen der Umgebung spiegeln sich im himmelblauen Süßwasser. Dank des Damms von Alqueva entstand hier das flächengrößte gestaute Gewässer Europas (s. u.a. ESA 3/04, 2/07).

Wer sucht, findet im Alentejo die schönsten Ausflugsziele

Die Serra ist durchzogen von trilhos. Besonders schön ist der zum 569 Meter hohen Berg Alto do Pero Crespo. Hinter Reguengos geht es Richtung Estremoz zum nächsten Weinzentrum: Redondo. Hier gibt es neben den Adegas und der mächtigen Wein-Kooperative sieben Olarias, das sind Keramik-Manufakturen, wo die beliebten aletejanischen Teller, Tassen, Vasen und Schüsseln entstehen, im Haus gefertigt und von Hand bemalt. Wasser wird zu Wein Hinter Redondo tauchen die Berge der Serra de Osso auf. In ihrer Mitte liegt Aldeia da Serra an der einzigen größeren Straße, die diese Gegend durchquert. Gleich hinter dem Dorf findet sich die Einfahrt in den ,,Convento de São Paulo”. Der stattliche Konvent entstand in dieser Form Ende des 18. Jahrhunderts. Er geht zurück auf die Ordensgründung im Jahr 1182, ausgebaut wurde er um 1400 und vergrößert 1578 nach einem Besuch von König Sebastian. Der Konvent wurde an dieser Stelle erbaut, weil es hier über 70 Quellen gibt. Entsprechend üppig ist die Vegetation. Und weil der Orden sich dem kargen Leben nach Vorbild Jesus Christus dern zu erleben wie in Kirchen und Klöstern. Jedenfalls bietet der Konvent eine selten schöne Ansammlung für Liebhaber der Kachelkunst. Zeitlos Leben ins Leben brachten die Mönche auch mit den Symbolen christlicher Gesinnung nach den Jahrhunderten islamischer Cuisine: mit dem Verzehr von Schweinefleisch und dem Genuss von Wein, beides verpönt bei den Mauren. Die Mönche tatens mit Hingabe. Die Trauben aus den Feldern zu Füßen der Berge gaben den besten Rebensaft her ­ seit römischen Zeiten hatte man die Kunst des Kelterns verfeinert. Heute noch zeugen Lehmfässer (telhas romanas) und die Namen vieler Rebsorten von dieser Epoche. Nirgendwo auf der Welt gibt es eine so große Sortenvielfalt wie hier. Nach der Säkularisierung Mitte des 19. Jahrhunderts kam der Konvent in private Hände; 1993 in die eines Hoteliers, der je zwei Mönchszellen zu insgesamt knapp 40 schnuckeligen Suiten samt Schlafzimmer, Kaminzimmer und Bad verbinden ließ. Die Nische mit Steinsitz am Fenster ist vom Feinsten, man genießt die Aussicht und kann sich getrost der Phantasie übers ehemalige Leben in diesem Ambiente hingeben. Traditionelle chinesische Medizin und Meditationskurse runden das Angebot sinnvoll ab. Anheizen kann man die Phantasie auch mit einem Besuch der ehemaligen Kirche neben der Rezeption. Nach der Revolution 1974 stürmten über Kirche und Kommerz verärgerte Kommunisten den Bau und zerstörten ihn teilweise. Nach der Renovierung des Konvents beließ man jedoch das Gotteshaus in diesem Zustand. Wenn heutzutage Konzerte und Banketts in ihm stattfinden, hinterlassen die angeräucherten Fresken einen etwas makabren Eindruck. Wer es auf dem Rückweg eilig hat: Über Évora und Beja geht es rasch retour. Oder man lässt sich Zeit. Im Alentejo gibt es davon so unglaublich viel, dass man sie glatt vergessen kann. Versprochen!

PRAKTISCHES

Restaurant Molhó Bico, Rua Quente 1, Do geschl. Tel. 282 549 264 Olaria Borrego Rua dos Curtidos 42, Redondo Olaria Pirraça Tapada Municipal Lote 85, Redondo Hotel Zens Largo da Corredoura 10, 7863 Serpa Für 2 Pers. pro Nacht incl. Frühstück ab 60 Tel. 282 540 540 geral@grupo-zens.com Convento de Ossa 4-Sterne-Hotel, 7170 Redondo/Aldeia da Serra Tel. 266 989 160 Fax 266 989 167 hotelconvspaulo@ mail.telepac.pt Für 2 Pers. pro Nacht incl. Frühstück 200. Angebot: 3 Nächte für den Preis von 2 und 4 für 3 inkl. 1 Abendessen im Hotelrestaurant. Tipp fürs Menü: Als Vorspeise überbackene Crêpe mit Spinat und Käse. Hauptspeise Tornedo, Nachtisch, falls vorhanden, alentej. Käseplatte. Superbe Weine der Region zwischen 13 und 160. Klasse ist der rote ,,Terras do Cante” aus Granja, Jahrgang 1993 (!) aus Moreto-Trauben, voll und beerig, seltener Genuss für 18,70 Für die Erkundung der herrlichen Serra de Ossa gibt es in der Rezeption eine Broschüre über Wanderwege.

 

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