Verborgener Schatz im Herzen der Algarve

Die Barragem do Funcho ist einer der geheimnisvollsten der über 160 großen Stauseen Portugals. Stille Natur und endlos scheinende grüne Hügel sind ein wohltuender Kontrast zur sommerlichen Hektik an der Küste

Text und Fotos: ROLF OSANG

Wenige kennen diesen Stausee mitten in der Algarve. Er liegt also ,,vor der Haustür”, ist verlassen von Menschen, umrahmt jedoch von praller Natur. 2003 und 2004 wüteten auch in dieser Gegend die Flammen. Gnadenlos. Davon ist jetzt kaum noch etwas zu sehen. Es ist Montag, der 18. Juni 2007. Die für die Jahreszeit erstaunlich kühle Luft ist wie durchgewaschen. So klar ist sie, dass die Olivenbäume auf den Hügeln hinter Silves als Charakterköpfe aus dem Gruppenbild mit Eukalyptus hervorstechen. Die Bergkuppen werden abwechselnd vom Sonnenlicht und den dunklen Schattenteppichen bauchiger Wolken befleckt. Tiefe und ungeahnte Einsamkeit liegt über dieser Region ­ keine 30 km von der Küste entfernt. Von Silves in Richtung São Bartolomeu de Messines fahren, nach 7 km links abbiegend, dem Schild ,,Barragem do Arade” folgend. Diesen See kennt man ja. Hier gab es schon Water Parks und andere touristische Aktivitäten ­ doch fast alles ist eingeschlafen. Um dahin zu gelangen, fährt man hoch in Richtung Staudamm, biegt an einer T-Kreuzung links ab, blickt auf das Wasser und staunt: Rundherum ein steiniges Ufer, das der Hügellandschaft eine ockerbraune Gürtellinie verpasst. Oben die bekannte Welt. Unten das blaubemäntelte, ungewisse Dunkel eines tiefen Sees. Von wegen ungewiss: Wohin führt das Strässchen, wagt man sich statt nach links zum Damm nach rechs? Kein Hinweisschild hilft. Von Silves bis hierher zu diesem Kreuzungspunkt sind es nur 11 km, und schon steht man vor dem Einlass in eine versteckte Welt. Nur 4 km sind es bis Vale Fuzeiros, das von den konkurrierenden Dorfrestaurants Silva und Casa da Vinha zwei Pole erhält. In beiden lässt es sich übrigens ordentlich essen, Cataplana mit Tamboril (für 2 Pers. 28), auf Vorbestellung (Tel. 282 332 277) auch Wildschwein und Lamm, sind in letzterem besonders empfehlenswert. 200 m hinter Casa da Vinha biegt links eine unscheinbare Straße ab. Die Lettern auf dem Straßenschild sind verwittert, als wolle man verhindern, dass jemand hinauf ins Hügelland vordringt, hinauf zur Barragem. Es lohnt sich. Vorbei an rotem Sandsteinfelsen, aus welchen die Burganlage von Silves erbaut ist, schraubt man sich in menschenverlassenes Gelände hinein. Jetzt wird das Gestein schiefrig. Die Pinien am Wegrand sind in den vergangenen Jahren kaum gewachsen, denn dieses Hinterland ist trocken und heiß. Wilder Fenchel, Funcho, wächst unter ariden Verhältnissen gern und gut. Hier so gut, dass man einen See danach benannte. Er zeigt sich ganz plötzlich hinter einer der vielen Kurven: Breitet sich zwischen den Hügeln auf eine Art aus, wie es nur Stauseen können, füllt das Kurvige und Großzügige dieser Landschaft mit Wasser bis in jede Einbuchtung hin aus und betont damit den Charakter der geologischen Gegebenheiten. Sitzbänke und Grillplätze markieren den Aussichtspunkt, vor dem es links auf asphaltierter Bahn in Richtung Staumauer und rechts hinab zum Südufer des Sees geht. Auf einem sehr holprigen Weg. Immerhin ist er befahrbar. Besser aber das Auto abstellen, die Ruhe und die Gerüche verinnerlichen und 1 km weiter zu einem verlassenen, dem Verfall preisgegebenen Dörfchen gehen, das sich auf der Kuppe eines zur Halbinsel gewordenen Hügels ausdehnt. Läge sie in Südfrankreich oder Bayern, wäre diese Halbinsel ein Prunkplatz für mondäne Villen. Einen Geschmack davon erhält man, wenn man auf dem Holperuferweg etwa 2 km weiter geht oder fährt. Hier ragen eine Handvoll stattlicher, ins steile Ufergelände geschmackvoll integrierte Häuser auf. 1 km weiter östlich kann man auf einem Weg bis zum Ufer gelangen und baden. Biegt man oben an der Aussichtsstelle links ab, gelangt man rasch zu einer weiteren Kreuzung. Rechts führt die Straße hinab zur befahrbaren Staumauer. Geradeaus gelangt man zu einem weiteren Picknickplatz unterhalb der Staumauer, gelegen hoch über dem Arade-Stausee. Hier erkennt man deutlich, wie die beiden Stauseen als Sufen ins Hügelland eingepasst sind. Übrigens baute man erst in den letzten Jahren einen 8 km langen Tunnel vom FunchoSee zum neuen Stausee Odelouca am Ostrand der Serra de Monchique, um ,,den neuen” zusätzlich mit Wasser zu versorgen. Die Barragem do Funcho ist kein idealer Badesee. Es gibt nur wenige Stellen, wo man direkt ans Ufer gelangt; Schatten sucht man vergebens. Vielmehr ist er ein Ruhepol, ideal zum Wandern und Abschalten. Entdeckt man das herrliche Hinterland der Algarve, entdeckt man in diesem See eine Perle, die wie ein Schatz im scheinbar verschlossenen Landschaftskörper versteckt liegt. Man muss halt suchen. Dann findet man solche Perlen. Versprochen!

Technische Daten: Hauptwasserquelle ist der Rio Arade. Oberfläche: 200 qkm Volumen 47.000.000 qm erbaut von 1978-1993 Wasserhöhe 97 m Länge der Staumauer: 165 m Höhe 50 m

 

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