Unterwegs mit der ,,Santa Bernarda”

Eine Seefahrt ist nicht nur lustig, sie kann auch aufregend sein. ESA-Autor und Landratte Thomas Slowinski wagte sich am Hafen von Portimão an Deck der Caravelle ,,Santa Bernarda”, um entlang der Algarveküste auf Grottenexpedition zu gehen ­ nur fliegen ist schöner

Freudig wedelt Nero mit dem Schwanz. Er ist ein echter Portugiese: schwarzes Fell, eine freche, aber süße Schnauze. Er schwimmt wie eine Ente und taucht wie ein Tölpel. Nero ist ein Cão de Água-Mischling, ein Wasserhund mit einer süßen Prise Cockerspaniel, und das Maskottchen der ,,Santa Bernarda”. Als Erster tänzelt er an diesem Morgen auf das Mitteldeck. Hinter ihm ganz brav die vier köpfige Mannschaft und 40 Passagiere. Die hübsche Matrosin Maria, 42, klettert auf die Rehling und erklärt den Gästen die schicken, quietsch-orangen Schwimmwesten. Nur für den Notfall versteht sich. Die See ist heute ruhig und auch die Tabletten gegen die magenbittere Seekrankheit bleiben in der Schublade. ,,Largar da vant” befiehlt Kapitän Bernardo, 47. Matrose Leandro, 44, löst die vordere Leine. Der Törn kann beginnen, gemütlich tuckert der 115 Tonnen schwere und 345 PS starke Zweimaster vorbei am Fischereihafen den Rio Arade stromabwärts hinaus auf den Atlantik. Neugierig schauen sich Nero und seine neuen Freunde die bunt bemalten Hecktrawler an, die von Möven umschwärmt der ,,Santa Bernarda” entgegenkommen. Sie liegen tief im Wasser, haben jede Menge Sardinen geladen, sehr zur Freude der Restaurantbesitzer in Portimão und Feinschmecker aus aller Welt. Nachdem die ,,Santa Bernarda” die schützende Mole passiert hat, nimmt sie Fahrt auf, und gleitet mit 6,5 Knoten über die sanfte Dünung Richtung Osten. Der leichte Wind aus Südost verfängt sich in Neros Schlappohren, bringt Sand aus der Sahara und auch ein wenig Melancholie mit. Zwischen den zerklüfteten Kalksandsteinfelsen tauchen die Strände von Caneiros und Carvoeiro auf. Zwischen den skulpturellen Felsformationen von Algar Seco stehen einige waghalsige Männer mit ihren langen Angeln und winken uns zu. Kapitän Bernardo winkt und hupt zurück. Der hoch gewachsene Seemann ist stolz auf seine knapp 25 Meter lange und 5,50 Meter breite Caravelle. Seit dem Jahr 2000 fährt er mit ihr die Grottentouren. Fünf Jahre lang hat er das ehemalige französische Fischerboot neu konstruiert und wieder aufgebaut (s. ESA 7/99, S. 12). Ein Prachtexemplar aus Eiche, Cambala und Pinie, Marke PirateStyle, unverwüstlich, unverkäuflich. Nach einer dreiviertel Stunde haben wir den Leuchtturm von Alfanzina erreicht. José, 54, bringt das kleine Grottenboot bei, Matrosin Maria hilft den ersten zwölf Passagieren beim Umsteigen in das kleine Boot. Vorsichtig manövriert uns José mit dem Schwell in die erste Grotte. Ein riesiges Loch, Zeit und Naturgewalten haben am Felsen genagt, am Ende der Höhle bescheint die Sonne von oben sogar einen kleinen Strand, aber: Baden verboten. In der Schmugglergrotte wird es dann ziemlich beängstigend dunkel und eng. Ein paar Fledermäuse rauschen über unsere Köpfe hinweg. José hat wie immer einen Scherz auf den Lippen: ,,Vorsicht vor dem Grottenolm, der verwandelt gern unschuldige Touristen in knusprige Fischstäbchen.” Unser Lachen schallt als vielfaches Echo von den finsteren Wänden zurück. So schlängeln wir uns von einer Höhle in die andere. Überall bricht sich das Licht in den verschiedensten Farben, grün, türkis, dunkelblau, alles eine Frage der Tageszeit und des Sonnenstandes. Unheimlich gluckert das Wasser um uns herum. Eine wahrlich aufregende Expedition. Tiefes Durchatmen, als wir wieder das Tageslicht erblicken. Bei Armação de Pêra nimmt uns die ,,Santa Bernarda” wieder auf. Nero hat sich auf den Planken platt gemacht, hält seine niedliche Stupsnase in den Südwestwind. Den brauchen wir jetzt auch, denn auf der Rückfahrt will der Kapitän Segel setzen. Er entscheidet sich für das Gaffel-Großsegel, eines von sieben insgesamt. Behände klettert Matrosin Maria in die Wanten und dann zischen wir mit knapp sieben Knoten wieder Richtung Heimathafen Portimão. Die Gäste haben es sich jetzt an der Bar gemütlich gemacht, schauen den ,,Santa-Bernarda-Film” oder lassen sich vom Bordfotografen für eine individuelle Postkarte ablichten. Nach über drei Stunden wird die Caravelle am ,,Cais Vasco da Gama” festgemacht und Nero zeigt seinen Urlaubern den Weg zum nächsten Sardinengrill. 55

ESA 06/05

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