Zistrosen

Portugiesischer Name: Esteva, Estevão

Synonyme: Graubehaarte Zistrose, griechische Bergrose, Ladanum, Labdanum, Ladan

Wissenschaftlicher Name: Cistus incanus, Cistus salviifolius (Salbeiblättrige Zistrose), Cistus ladanifer subsp. Ladanifer (Lack-Zistrose), Cistus monspeliensis (Montpellier Zistrose), Cistus psilosepalus, Cistus crispus (Krause Zistrose), Cistus albidus (Weißliche Zistrose), Cistus populifolius (Pappelplättrige Zistrose), Cistus libanotis, Cistus ladanifer subsp. Sulcatus (Lack-Zistrose), Cistus laurifolius (Lorbeerblättrige Zistrose)

Familie: Cistaceae (Zistrosengewächse)

Botanik: Die immergrünen, aromatischen, stark verzweigten, buschigen Sträucher werden bis zu 130 cm hoch und sind mehr oder weniger stark harzig. Sie besitzen gegenständige Laubblätter ohne Nebenblätter. Die weiß, rosa oder purpurfarbenen Blüten sind manchmal am Grund gelb oder dunkelrot gefleckt sowie knittrig und kurzlebig.

Inhaltstoffe: Labdanum (Ladanum), Polyphenole, Harz, ätherische Öle, Borneol, Zineol, Eugenol, Ledol, Limonen, Phenol

Drogenbezeichung: Cisti incani herba (Zistrosenkraut)

Medizinische Verwendung: Es gibt zirka 20 verschiedene Arten in der Gattung der Zistrosen. Die größte Artenvielfalt befindet sich im westlichen Mittelmeerraum. Medizinisch ist bisher nur auf Cistus incanus näher eingegangen worden. Die in der Zistrose enthaltenen Polyphenole sind Pflanzenstoffe, denen eine zellschützende sowie antimikrobielle, entzündungshemmende und vor Krebsentstehung schützende Wirkung zugeschrieben wird. Sie wirken zudem krampflösend und schleimlösend, regulierend auf den Blutdruck, vermindern das Risiko für Schlaganfälle und Herz-Kreislauferkrankungen und schützen als Radikalfänger die Gefäße. Ihr Gehalt an antioxidativen Substanzen ist viermal höher als der von Rotwein und dreimal höher als der von grünem Tee. Sie unterstützen außerdem die antioxidative Wirkung von Vitamin C und E. Die Zistrose kann bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum (Zahnfleisch- und Mandelentzündung, Aphten etc.), sowie bei Halsschmerzen und auch in der Mundhygiene (bakteriell verursachten Mundgeruch) eingesetzt werden. Für die Anwendung bei Hauterkrankungen (Ekzeme, Neurodermitis, Akne, Lippenherpes etc.) ist die Zistrose schon seit Jahrhunderten bekannt. Bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (Gastritis, gestörte Darmflora, Krämpfe, Sodbrennen) kann es Linderung verschaffen und es bindet Schwermetalle im Darm (verursacht z.B. durch Rauchen, Amalganbelastung). Da es allgemein das Immunsystem stärkt, beugt es auch einer Infektion mit Viren und Bakterien vor. Zudem wurde in einem Zellkulturversuch mit dem durch Destillation gewonnenen ätherischen Öl aus Cistus creticus und Cistus incanus deutlich das Wachstum verschiedenster Bakterien, u.a. des Bakteriums Borrelia burgdorferi gehemmt. Der Versuch, die Krankheitssymptome der Lyme-Borreliose mit dem Cistus incanus Extraktes zu lindern, ist sicherlich sinnvoll. Es gibt jedoch keine wissenschaftliche Untersuchungen dazu. In der Algarve werden die Blütenknospen und Blüten des Cistus ladanifer als Tee bei Durchfallerkrankungen getrunken. Nebenwirkungen und Gegenanzeigen sind nicht bekannt. Wissenswertes: In Portugal wächst Cistus incanus nur sehr selten. Vereinzelt ist sie in der Algarve zu finden. Die Blütenkegel der Cistus ladanifer werden den Hauskaninchen eine Zeit lang vor dem Schlachten gefüttert, damit das Fleisch wie das von Wildkaninchen schmeckt. Die Blätter des Cistus ladanifer sollen außerdem vor Fußgeruch schützen, indem sie in den Schuhen (ohne Socken!) getragen werden. Zudem verraten die älteren portugiesischen Anwohner der Algarve, dass man mit den Blättern alte Pfannen wieder zum Strahlen bringen kann. Unter den Zistus-Arten enthält Cistus ladanifer am meisten des begehrten Labdanum, einem Harz, welches schon im alten Ägypten zur Schönheitspflege sowie als Heilmittel genutzt wurde. Heute wird Labdanum mit seinem balsamisch, lieblichen Aroma oft in der Parfümindustrie gebraucht. Noch vor nicht all zu langer Zeit wurde das Harz „geerntet“, indem man Ziegenherden in den Zistrosenbüschen weiden ließ und anschließend das klebrige Harz aus den Haaren der Tiere bürstete. Aus der Cistus populifolius stellen die Portugiesen ein Haarwasser her, welches gegen Haarausfall, Schuppen und anderen Kopfhautproblemen helfen soll.

Christina Steffens

ESA 03/14

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