Wilde Möhre

Portugiesischer Name: Cenoura

Synonyme: Eselsmöhre, Gelbe Möhre, Gelbe Rübe, Möhre, Mohrrübe, Morich, Mörle, Vogelnestchen, Wörtel, Wurzel

Wissenschaftlicher Name: Daucus carota

Familie: Umbelliferae (Doldengewächse)

Rezept

Moro‘sche Karottensuppe bei Diarrhöe im Kindesalter:

500g geschälte Karotten (handelsübliche orangefarbene Möhre Daucus sativus) in 1 Liter Wasser bis zu 1,5 Std. köcheln lassen, anschließend pürieren und den Brei mit Wasser auf 1 Liter auffüllen. Die Suppe mit 3g (ca. 1 gestrichener Teelöffel) Salz würzen. Über den Tag verteilt dem Kind löffelweise verabreichen. Täglich frisch zubereiten.

Botanik: Die zweijährige Pflanze besitzt eine weißliche, pfahlförmige, dünne Wurzel und wird mit einem aufrechten, steifhaarig gefurchten Stängel bis zu 150 cm hoch. Die Blätter sind fein gefiedert und die weißen Blüten wachsen in Dolden mit einer dunklen, fast schwarzen Blüte in der Mitte. Nach dem Abblühen zieht sich die Dolde nestartig zusammen und bildet stachelige Früchte.

Hauptinhaltsstoffe: Carotinoide, Provitamin A (Carotin), Vitamin B1, B2 und C, Flavonoide, ätherisches Öl , Polyine, Falcarinol, Mono- und Oligosaccharide, Mineralstoffe, Polysaccharide, Ballaststoffe

Drogenbezeichung: Herba dauci carotae (Möhrenkraut), Radix dauci carotae (Wurzel), Semina dauci carotae (Samen)

Medizinische Verwendung: Carotinoide sind Antioxidantien und sollen in der Lage sein, vor Krebs und Hauterkrankungen zu schützen, wobei das Beta-Carotin zunächst vom Körper zu Vitamin A verstoffwechselt werden muss, um das hohe antioxidative Potential freizugeben.

Die vor allem in der Wilden Möhre enthaltenen Polyacetylene besitzen eine nachgewiesene starke antikanzerogene Wirkung. Dadurch hat die Wilde Möhre für die Pharmaindustrie in den Bereichen der Krebsprävention und Krebstherapie an großem Interesse gewonnen. Da diese Polyacetylene einen bitteren Geschmack verursachen, werden sie zum größten Teil aus der Kulturmöhre herausgezüchtet. Der deutsche Kinderarzt Prof. Dr. Ernst Moro hatte 1908 in der Heidelberger Kinderklinik mit einer Möhrensuppe gegen akuten Durchfall einen so großen Erfolg erzielt, dass die Suppe seitdem in der Pädiatrie nicht mehr wegzudenken ist. Es ist herausgefunden worden, dass die in der Möhre enthaltenen Oligogalkturonsäuren die krankheitserregenden Darmbakterien daran hindern, an der Darmwand anzuhaften und so ausgeschieden werden können. Das erklärt auch die volksheilkundliche Anwendung bei Wurmbefall. Zudem wirkt sich die Möhre positiv auf die Sehschärfe aus, so dass das Dämmerungssehen verbessert wird. Das ätherische Öl in der Möhre wird in Kombinationen bei Bronchialerkrankungen im Säuglings- und Kleinkindalter eingesetzt. Volksheilkundlich setzen die Portugiesen einen Sirup aus Möhrenscheiben mit Honig oder Zucker an, um damit die Kleinsten bei Husten zu versorgen. Die Samen der Möhre wirken entwässernd und können bei Erkrankungen eingesetzt werden, wo eine Durchspülung der Harnwege angestrebt wird. Außerdem wirkt das Samenöl schmerz- und entzündungshemmend und kann als Rheumamittel versucht werden. Aufgrund der Signatur der Wurzel wird die Möhre seit dem Altertum als Aphrodisiakum versucht. In der Homöopathie werden Zubereitungen aus Daucus carota bei Konzentrationsstörungen, Antriebsschwäche, mangelnde Wachheit und Depressionen mit dem Fehlen der „inneren Mitte“ verordnet. Nebenwirkungen und Gegenanzeigen sind nicht bekannt. Wissenswertes: Die „Wilde Möhre“ ist die Urform der kultivierten Karotte und wurde im 17. Jahrhundert vermutlich von den Holländern zu der uns heute bekannten orangefarbenen Karotte mit dem hohen Beta-Carotin-Gehalt gezüchtet. Mittlerweile gibt es an die 500 verschiedene Karottensorten weltweit. Die Möhre wurde bereits in ihrer Urform von den germanischen Völkern, den Römern und den Griechen angebaut. Aus dem germanischen Namen „Morha“ = „Wurzel“ ist die heutige Bezeichnung „Möhre“ hervorgegangen und der Name „Karotte“ ist aus dem wissenschaftlichen Namen „carota“ abgeleitet worden. Die Wurzel der „Wilden Möhre“ ist im ersten Pflanzenjahr essbar. Sie sollte im Herbst oder nach dem ersten Frost geerntet werden. Sobald die Pflanze im zweiten Jahr die Kraft für die Blüte braucht, wird die Wurzel holzig.Wie bei der kultivierten Karotte ist auch das Kraut der „Wilden Möhre“ genießbar. Die Doldenblütler untereinander sehen sich auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich. Da es unter ihnen auch sehr giftige Arten (Hundspetersilie, Schierling u.a.) gibt, ist es wichtig zu wissen, dass nur die „Wilde Möhre“ in der Mitte der Dolde eine kleine, fast schwarze, gut sichtbare Blüte besitzt. In Portugal sind Daucus carota (und Unterarten), D. crinitus, D. muricatus und D. setifolius zu finden.

Christina Steffens

ESA 04/14

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