Wacholder

Botanik: Der immergrüne Baum oder Strauch erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 5 Metern und kann bis zu 1.000 Jahre alt werden. Die Borke ist längsrissig und graubraun bis rotbraun gefärbt. Die nadelförmigen Blätter haben zunächst eine graugrüne und später dunkelgrüne Farbe. Aus den kugelrunden, unscheinbaren Blüten entwickeln sich fast runde Beerenzapfen, welche zur Reife glänzend rotbraun erscheinen. In Portugal ist vor allem Juniperus phoenicea anzutreffen.

Hauptinhaltsstoffe: Ätherische Öle ( α- und β-Pinen, Sabinen, Limonen, Terpinen-4-ol, Borneol, Geraniol, Sesquiterpene), Flavonoide, Catechingerbstoffe, Proanthocyanidine, Diterpene

Drogenbezeichnung: Juniperi fructus (Wacholderbeeren), Juniperi aetheroleum (ätherisches Wacholderöl)

Medizinische Verwendung: Wacholderbeeren wirken harntreibend und werden zur Durchspülungstherapie bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der Harnwege angewendet. Schon Hippokrates, Dioskurides, Paracelsus und anderen Heilkundigen in der Geschichte der Medizin haben den Wacholder hierfür empfohlen. Die heutige Wissenschaft bestätigt diese Wirkung des Wacholders und begründet seine harntreibende Wirkung mit dem Inhaltsstoff Terpinen-4-ol. Allerdings wirken andere Verbindungen der ätherischen Öle auch nierenreizend. Daher sind entzündliche Nierenerkrankungen sowie eine Schwangerschaft von der Einnahme kontraindiziert! Die Kommission-E weist zudem auf positive Wirkung des Wacholders bei Verdauungsbeschwerden wie Aufstoßen, Sodbrennen und Völlegefühl und der äußerlich durchblutungsfördernden Behandlung bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises hin (z.B. Badezusatz). Bei lang andauernder Anwendung oder bei Überdosierung können Nierenschäden auftreten. (Allerdings wurden bei neueren Forschungen diese Nebenwirkungen schon wieder revidiert. Angeblich sollen minderwertige pharmazeutische Waren an der nierenreizenden bis -toxischen Wirkung schuld gewesen sein.)

Wissenswertes: Die Herkunft des Namens „Juniperus“ ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise stammt er von dem keltischen Wort „jenepru“ ab, welches „dornig, rauh“ bedeutet und sich auf die Blätter bezieht. Oder er stammt vom lateinischen „junior“ für „der Jüngere“ und „pario“ für „erscheine“ ab und beschreibt damit die jungen grünen Früchte, welche zusammen mit den älteren am Strauch wachsen. Der Name könnte sich aber auch von dem lateinischen Wort „juvensis“ für „jung, früh“ und „parere“ für „gebären“ ableiten, denn der Wacholder (auch Jungfernrosmarin und Mägdebaum genannt) wurde schon seit den Römern als Abortivum gebraucht. Der deutsche Name „Wacholder“ stammt vermutlich aus dem althochdeutschen „wehdal, wachal“ für „lebensfrisch, munter“ und „der“ vom „Baum, Strauch“ ab und beschreibt so den „immergrünen Strauch“. Mit dem antiseptisch wirkenden Harz des Wacholders wurde besonders im Mittelalter zu Pestepidemien geräuchert. Darum hat man ihn auch „unechten Weihrauchbaum“ genannt. Noch heute macht man sich die Wirkung zunutze und räuchert mit ihm Fleisch und Fisch. Auch die traditionellen Würste aus Monchique sind dafür bekannt, mit Wacholder und anderen Pflanzen geräuchert und somit haltbar gemacht zu werden.

Christina Steffens

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