Wermut

Die grüne Fee

Wermut, Artemisia absinthum, Absinto
In den schönen Terrassengärten im Monchique sind besonders viele Heilpflanzen, unter anderem der berühmte Wermut, zu entdecken

Schon im alten Ägypten wurde der Wermut zu Heilzwecken benutzt. Aufzeichnungen belegen die damalige Anwendung gegen Würmer. Diese Wirkung hat später im 16. Jahrhundert dem ,,Wermod” (altenglisch = Wurmholz) seinen Namen gegeben. Der wissenschaftliche Name ,,Artemisia” verweist auf die heilige Verehrung der Pflanze. Artemis ist die griechische Göttin der Jagd, des Waldes und Hüterin der Frauen und Kinder. Die Heilkundigen wussten schon damals um die menstruationsfördernde Wirkung des Krautes und verwendeten es vielseitig in der Frauenheilkunde. Säuglingen und Kindern wurde das stark aromatische ,,Wiegenkraut” gegen böse Geister und Albträume in das Bett gelegt (aber nicht verabreicht). Um die heilenden Eigenschaften des Wermuts wissend, kreierten im 17. Jahrhundert zwei Schwestern in der Schweiz aus Alkohol, Wermut, Anis und anderen Kräutern ein verdauungsförderndes Heilmittel, den Absinth, der dem Schwedenbitter nicht unähnlich ist. Die medizinische Wirkung des Getränks gelang jedoch vollkommen in den Hintergrund. Stattdessen suchten die Konsumenten den besonderen Absinth-Rausch, ausgelöst durch das im Wermut enthaltene Thujon. Dieses Elixier, ,,Bon Extrait dÁbsinthe”, entwickelte sich schnell zum europaweitem Kultgetränk und wurde im 19. Jahrhundert mit Namen ,,Fée Verte”, ,,Grüne Fee”, vermarktet. Häufig bedienten sich Künstler dieses berauschenden und äußerst süchtigmachenden Alkohols. Durch Absinthalluzinationen entstanden berühmte Kunstwerke des Expressionismus. Es wird vermutet, Van Gogh habe sich im Absinthrausch das Ohr abgeschnitten. Das im Wermut enthaltene ätherische Öl Thujon kann in Alkohol gelöst und in hohen Dosen zu irreparablen Schäden des Nervensystems führen. Heute ist der Thujongehalt im Absinthlikör von damaligen 80 mg/kg auf 35 mg/kg begrenzt worden. Anwendung findet der Wermut innerlich bei Verdauungsbeschwerden, vor allem bei solchen, die auf einer gestörten Galleproduktion in der Leber und einer gestörten Galleausscheidung der Gallenblase beruhen. Außerdem wirkt es unterstützend bei Leberleiden, Appetitlosigkeit, Blähungen, Blutarmut, Schwächezuständen, Rekonvaleszenz, bei schwacher oder unregelmäßiger Menstruation und bei Wurmbefall. Äußerlich kann der Wermut bei schlecht heilenden Wunden, Insektenstichen und Geschwüren helfen. Bei starker Überdosierung oder der Verwendung alkoholischer Extrakte (toxische Wirkung des Thujons) können Benommenheit, Erbrechen, Bauchschmerzen bis hin zu Nierenschäden und Störungen des Zentralnervensystems auftreten. Das reine, isolierte ätherische Öl darf aufgrund der neurotoxischen Wirkung des Thujons nicht medizinisch verwendet werden. Wässrige Auszüge enthalten im Gegensatz zu alkoholischen relativ geringe Mengen an Thujon. Nicht angewendet werden darf der Wermut bei Magen-Darm-Geschwüren und in der Schwangerschaft. ,,Was bitter dem Mund, ist dem Magen gesund” oder ,,bitter ist gut für das Herz”. Solche Merksätze finden sich viele. Zum Ausprobieren: ein Wermuttee am Besten 30 Minuten vor den Mahlzeiten trinken. Nicht süßen, denn die Bitterstoffwirkung beginnt schon im Mund. Gesüßt verlieren die Bitterstoffe an Wirkung. Pro Tasse heißem Wassers ca. 1/4 TL getrocknetes Wermutkraut zufügen und bedeckt max. 7 Minuten ziehen lassen. Bis zu drei Tassen Tee am Tag (entspricht ca. 3 g getrocknetes Wermutkraut) sind unbedenklich. Genießen Sie diesen bitteren Heiltee schluckweise und sparsam. Zur Geschmacksverbesserung können dem Tee auch andere Kräuter, wie Pfefferminze oder Zitronenverbene, zugefügt werden.

Der mehrjährige Wermut gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ist eine aromatisch riechende, ausdauernde, krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von bis zu gelegentlich 2 Metern erreichen kann. Die beidseitig dicht seidig behaarten Blätter sind 2- bis 3fach fiederteilig. Die gelben, fast kugeligen Blüten sitzen in kurz gestielten, hängenden Köpfchen in reich verzweigten Rispen.

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Heilpraktikerin, Phytotherapeutin und LnB Schmerztherapeutin www.algarve-heilpraktikerin.com Infos und Anmeldung unter: 917 135 306

ESA 08/10

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