Eisenkraut

Die Träne der Mondgöttin

Echtes Eisenkraut, Verbena officinalis, Verbena
In der Algarve wächst das zart wirkende Eisenkraut mit Vorliebe an offenen Wassergräben. Bevor es jedoch seine kleinen Blüten entfaltet, ist es auch für den geübten Blick kaum zu erkennen

Auf eine mehrere tausend Jahre lange Verehrung als Kult- und Heilpflanze kann das Eisenkraut nun schon zurückblicken. Im alten Ägypten wurde mit der ,,Träne der Isis” bei rituellen Anlässen geräuchert. Im Mittelalter wurde auf die Pflanze ein Schwur abgelegt, denn es hieß, wer sein Wort (lateinisch ,,verbum”) nicht hielt, der werde vom Teufel persönlich verfolgt. Der Name Eisenkraut verweist auf den Aberglauben, mit einem Pflanzenstängel in der Kleidung gegen Verwundungen durch Eisenwaffen geschützt zu sein. Tatsächlich hat ein Sud aus Eisenkraut bei Verletzungen durch Eisenwaffen geholfen, jedoch bleibt der Schutz vor Eisenwaffen eine Sage. Durch die im Eisenkraut enthaltenen Gerbstoffe wirkt die Pflanze entzündungshemmend, blutungs- und schmerzstillend. Schon Hildegard von Bingen hat um diese Eigenschaften wissend einen Tee aus dem Kraut bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum und bei Mandelentzündungen verordnet. Auch in der Frauenheilkunde wird das Eisenkraut schon lange verwendet. Wissenschaftlich nachgewiesen wurde die Anregung des Eisprungs, ebenso wie die Förderung der Menstruationsblutung. Aus diesem Grund eignet sich eine Einnahme der Eisenkraut-Tinktur in der ersten(!) Zyklushälfte zur Steigerung der Fruchtbarkeit. Interessant ist die traditionelle Verwendung des Tees in Portugal und Spanien bei Magen-Darmbeschwerden. Die enthaltenen Bitterstoffe regen die gesamte Verdauung an, stärken den Organismus nach schweren, kräftezehrenden Krankheiten und steigern das Wohlbefinden in stressigen, unharmonischen Zeiten. Eisen enthält das Eisenkraut übrigens nicht. Anwendung findet das Eisenkraut innerlich hauptsächlich als bitteres Tonikum bei Verdauungsstörungen sowie bei Kopfschmerzen, Erschöpfungen, leichten depressiven Verstimmungen, zur Rekonvaleszenz, als harntreibendes Mittel, bei Nieren- und Blasenbeschwerden, Rheuma und zur Anregung der Milchbildung in der Stillzeit. In der Volksmedizin finden sich außerdem Hinweise auf die Anwendungen bei Fieber, Husten, Halsschmerzen, Asthma, Leber- und Nierenbeschwerden, sowie bei Stoffwechselstörungen. Äußerlich hilft das Eisenkraut bei Mund- und Zahnfleischentzündungen und zur Reizlinderung bei verschiedenen Hautleiden und bei schlecht heilenden Wunden. Eine Überdosierung kann zu Übelkeit und Erbrechen führen. Vorsicht: Nicht in der Schwangerschaft anwenden! Sobald das Eisenkraut in Blüte steht, kann es gesammelt werden. Es werden nur die oberen 20 cm der Pflanze abgeschnitten und kopfüber in einem Sträußchen an einem schattigen Ort zum Trocknen aufgehängt. Das trockene Kraut muss dunkel und luftdicht gelagert werden, und hält sich dadurch ca. 1 Jahr. Teeaufguss: 1 TL mit 150 ml kochendem Wasser überbrühen, 7 Minuten ziehen gelassen. Der Tee hilft abgekühlt auch bei Wundreinigungen. Für die Hausapotheke empfiehlt es sich eine Tinktur aus Eisenkraut herzustellen. Dazu werden mehrere Hände voll des blühenden, frischen Eisenkrautes zu einem Pflanzenbrei verarbeitet, in ein Glas gefüllt und mit 50%igem Alkohol randvoll übergossen. Dieses Gemisch muss gut verschlossen unter regelmäßigem Schütteln an einem kühlen Ort gelagert, nach 5 Wochen durch ein sauberes Leinentuch abgefiltert und dann in einem dunklen Glas weiterhin kühl aufbewahrt werden. Ein Jahr ist dieser Alkoholauszug haltbar. Die Tinktur kann bei leichten depressiven Verstimmungen, nervöser Erschöpfung, ängstlichen Anspannungen, sowie bei Prüfungsangst 3 mal täglich bis zu 15 Tropfen eingenommen werden.

Das ,,Echte Eisenkraut” gehört zur Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae) mit weltweit 250 Arten. Die mehrjährige, krautige Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 70 cm. An einem vierkantigen, verzweigten, zähen Stängel wachsen gegenständig, grob gefiederte, gezähnte oder tief 3-teilige Blätter. Die blaßlila, jung rosalila, kleinen Blüten entspringen an dünnen, lockeren Ähren und werden ca. 3-5 mm lang.

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Heilpraktikerin, Phytotherapeutin und LnB Schmerztherapeutin www.algarve-heilpraktikerin.com Infos und Anmeldung unter: 917 135 306

ESA 07/10

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