Hirtentäschel

Das blutstillende Kraut

Hirtentäschel, Capsella bursa pastoris, Bolsa-de-pastor
Das Hirtentäschel prunkt nicht mit strahlend bunten Blüten oder strotzt durch eine auffällige Wuchsform. Nur die ungewöhnliche Herz-Form seiner kleinen Samen-Taschen lassen beim genauen Hinsehen eine außerordentliche Heilkraft erahnen

Früher trugen die Hirten lederne Taschen, die in der Form den Früchten des Hirtentäschels sehr ähnelten. Diese Ähnlichkeit hat sich bis heute in seinem Namen erhalten. Der Gattungsname ,,Capsella” leitet sich von dem Wort ,,capsa” = Kapsel ab und bezieht sich auf die taschenähnlichen Früchte, das Wort ,,bursa” kann mit ,,Börse” übersetzt werden und ,,pastor” ist der ,,Hirte”. Sein deutscher und sein portugiesischer Name sind eine wörtliche Übersetzung des wissenschaftlichen Namens. Archäologische Funde dieser namensgebenden Samen-Taschen lassen darauf schließen, dass das Hirtentäschel bereits seit dem Altertum medizinisch genutzt wird. Schon Hippokrates beschrieb das Hirtentäschel und verschrieb es als ,,Gebärmuttermittel”. Der später lebende Dioskurides bestätigte Hippokrates Aufzeichnungen und ergänzte sie, indem er über die abtreibende Wirkung der unscheinbaren Pflanze aufklärte. Danach wurde das ,,blutstillende Kraut” in allen nachfolgenden Kräuterbüchern immer wieder erwähnt. Aus Mangel an Arzneimitteln wurde das Kraut sogar im Ersten Weltkrieg als Mutterkornersatz und zur Blutstillung erfolgreich verwendet. Bis heute geben die Wirkungen des Hirtentäschels Rätsel auf. Noch sind nicht alle Inhaltsstoffe der Pflanze ausreichend erforscht. Der dominierende Inhaltsstoff ist ein Oxytocin ähnliches Peptid. Es bewirkt nachweislich, dass sich die Gefäßmuskulatur zusammen zieht. Dadurch verengen sich die Gefäße stark oder verschließen sogar ganz, was somit zum Stillstand einer Blutung führt. Beobachtet wurde außerdem eine tonisierende Wirkung auf die Gebärmutter, welche sich die Hebammen zunutze machen. Es wird in der Frauenheilkunde zur Geburtsförderung, Nachgeburtsförderung, bei übermäßigen Blutungen nach der Geburt oder bei Stauungen des Wochenflusses angewendet. Zudem konnte bei älteren Menschen eine ausgleichende und regulierende Wirkung des geschwächten Herzens beobachtet werden. Eine traditionelle Anwendung bei Blasenentzündungen ist aus Spanien und Portugal bekannt. Innerlich findet das Hirtentäschel Anwendung bei starken und verlängerten Menstruationsblutungen, Gebärmutterblutungen außerhalb der Menstruation, blutenden Hämorrhoiden, leichten Verstopfungen und Blasenentzündungen. Äußerlich hilft das Hirtentäschel bei Nasenbluten, Zahnfleischbluten (z.B. nach Ziehen eines Zahnes zu empfehlen) und oberflächlich blutenden Hautverletzungen. Wegen der Oxytocin ähnlichen Wirkung darf Hirtentäschel nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden. Eine innerliche Einnahme von Arzneipflanzen sollte immer mit einem Arzt oder Heilpraktiker besprochen werden. Zur äußerlichen Anwendung bei Hautverletzungen kann ein Tee angesetzt werden. Dazu werden 3-4 Teelöffel Hirtentäschelkraut mit ca. einer Tasse kochendem Wasser übergossen und 10 Minuten ziehen gelassen. Nach dem Abkühlen kann dieser Tee als feuchter Umschlag dienen; er hilft als Spülung oder Auflage bei Nasenbluten. Um das Hirtentäschel auch in den Monaten, in denen es nicht blüht, griffbereit zu haben, empfiehlt es sich eine Tinktur daraus anzusetzen: ein Glas locker mit dem klein geschnittenen Hirtentäschel-Kraut füllen, mit 40 %igem Alkohol bis zum Rand aufgießen und gut verschließen. Das Gemisch muss regelmäßig, am besten täglich geschüttelt werden. Nach zwei Wochen alkoholischen Auszug abfiltern und in dunkle Fläschchen abfüllen. Diese Tinktur ist ein Jahr haltbar und kann 1:1 mit Wasser verdünnt als blutstillende Auflage bei oberflächlich blutenden Hautverletzungen zum Einsatz kommen.

Das Hirtentäschel gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse und hat sich von Europa aus weltweit verbreitet. Die ein- bis zweijährige, unscheinbare Pflanze wächst bevorzugt an Wegrändern, Wiesen und Weiden. Aus einer grundständigen Rosette, mit unregelmäßig gezackten, fiederspältigen Blättern, entspringt ein bis zu 60 cm hoher Stängel mit weißen Blüten, aus dem sich die typischen 3eckigen, verkehrtherzförmigen, platten, vielsamigen, bis zu 1 cm großen Fruchttaschen bilden.

Entdecken Sie
ein Mal wöchentlich wandernd die Naturapotheke mit Christina Steffens

Heilpraktikerin/Phytotherapeutin www.algarve-heilpraktikerin.com Infos und Anmeldung unter: 917 135 306

ESA 04/10

Share.

Comments are closed.