Ringelblume

Die Sonnenbraut

Ringelblume, Calendula officinalis/-arvensis, Calêndula
Fast Jeder kennt die anspruchslose, goldgelbe Garten-Ringelblume. Ihre in Deutschland geschützte und dort äußerst selten anzutreffende ,,kleine Schwester”, die Acker-Ringelblume, ist an der Algarve überall zu entdecken.

Der lateinische Name Calendula spielt auf eine mehrere Monate lange Blütezeit an und bedeutet Monatserste. Albertus Magnus nannte sie Sponsa solis = Sonnenbraut, denn wie ein Wetterorakel wendet die Pflanze ihre Köpfchen dem Sonnengott Helios zu. Wenn ein Tag regenreich zu werden verspricht, öffnet sie ihre Blumenuhr nicht. Der deutsche Name Ringelblume beschreibt ihre ringelförmigen Samen. Hier in der Algarve wird sie auch die Wundervolle = maravilhas genannt. Aufgrund der langen Blütezeit und Vegetationskraft der Ringelblume, symbolisierte sie Fruchtbarkeit und Unvergänglichkeit in der Liebe. Schon im alten Ägypten wurde sie daher verschiedenen Liebestränken beigemischt. Im europäischen Kulturkreis haben die Frauen sie als Liebeszauberpflanze verwendet, indem sie die ,,Niewelkblume” in den Fußstapfen ihres Geliebten pflanzten. Seine Liebe sollte von nun an nie enden oder welken und immer neue Blüten treiben. Bereits Dioskurides beschrieb um 78 n. Chr. in seiner bekannten ,,Materia medica” die Ringelblume. Es wird davon ausgegangen, dass es sich bei den Aufzeichnungen um die Acker-Ringelblume (Calendula arvensis) handelt, denn die Pflanzenbeschreibungen ließen nicht eindeutig auf die Garten-Ringelblume (Calendula officinalis) schließen. Diese ist nicht wild wachsend anzutreffen, sondern wuchert nur angepflanzt in Gärten. Es ist daher anzunehmen, dass die Acker-Ringelblume schon seit langer Zeit medizinisch genauso wie ihre ,,große Schwester” genutzt wurde. Die zahlreichen Studien behandeln bisher nur die Garten-Ringelblume. Bereits Hildegard von Bingen (1098-1179) verschrieb die ,,Ringula”. Für die wundheilende Wirkung sind die Saponine, Triterpene und Flavonoide in der Pflanze verantwortlich; sie wirken entzündungshemmend und antimikrobiell. Extrakte der Pflanze fördern die Bildung von Granulationsgewebe und weisen immunstimulierende und östrogene Eigenschaften auf. Die Ringelblume zählt wegen ihrer guten Verträglichkeit zu den wichtigsten Wundheilpflanzen. Für die Hausapotheke lohnt es sich die Blüten zu einer Tinktur anzusetzen. Dazu ein Glas bis zum Rand mit frischen Ringelblumenblüten füllen und dieses mit 45 %-igem Alkohol auffüllen. Gut verschlossen und regelmäßig geschüttelt ruht dieses Gemisch drei Wochen und wird danach gut gefiltert in dunkle Tropfflaschen abgefüllt. Diese Tinktur hält sich ein Jahr und hilft 1:1 bis 1:5 verdünnt zur Wundreinigung, bei Wundverbänden, als Gurgelmittel oder bei Sonnenbrand. Die Blütenblätter können auch gegessen werden. Zum Einfärben von Reis, Kartoffeln, Fisch, Suppen, Milchgerichten und Kuchen kann die ,,Safranrose”( wie sie von den Persern und Griechen genannt wird) mitgekocht werden. Aber auch im Salat sind die gesunden Blütenblätter ein schöner Blickfang. In Butter vermengt (Blütenblätter in geschmolzener Butter 10 Min. schwenken, nicht kochen) ergibt sie nicht nur einen schönen farbigen Brotaufstrich, sondern hilft in dieser Form auch gleichzeitig bei Magen-Darmentzündungen und regt den Lymphfluss an. Diese Blütenbutter kann bei kleinen Verletzungen als Heilsalbe dienen und ist kühl gelagert 2 Wochen haltbar.
Christina Steffens

Äußerlich findet die Ringelblume Anwendung bei Entzündungen von Haut und Schleimhaut, Geschwüren, Ekzemen, Venenentzündungen, Hämorroiden, oberflächlichen Hautverletzungen, Wunden, auch mit schlechter Heilungstendenz, Ulcus cruris, Dekubitus, Akne, wunden Brustwarzen stillender Mütter, wunden Kinderpopos, Windeldermatitis, Verbrennungen (bis 2. Grades), Bestrahlungen nach Brustkrebs, Narbenpflege, Bindehautentzündungen, Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und zur Wundreinigung. Innerlich hilft die Ringelblume bei MagenDarm-Geschwüren und -Entzündungen, Gallenwegserkrankungen, Menstruationsstörungen und zur Anregung des Immunund Lymphsystems. Nebenwirkungen/Gegenanzeigen sind nicht bekannt. Trotzdem ist bei bekannter Allergie gegen Korbblütlern Vorsicht geboten.

Die Acker-Ringelblume gehört zur Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae) und stammt ursprünglich aus Nordwestafrika. Die einjährige, verzweigte Pflanze erreicht eine Höhe von 30 cm. Die weich behaarten, länglich-lanzettlichen, halbstengelumfassenden Blätter wachsen wechselständig und sind mittel- bis hellgrün. Die orange bis goldgelben, endständigen Blüten haben einen Durchmesser von bis zu 3 cm und besitzen 3-zähnige Zungenblüten und zwittrige Röhrenblüten im Korb. In jedem Körbchen entstehen 3 verschiedene, ringelförmige Fruchtformen, die als Kahn-, Haken- oder Larvenfrüchte bezeichnet werden.

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ein Mal wöchentlich wandernd die Hausapotheke der Natur mit Christina Steffens

Heilpraktikerin/Phytotherapeutin www.algarve-heilpraktikerin.com Infos und Anmeldung unter: 917 135 306

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ESA 02/10

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