Wegerich

König am Wegesrand

Spitz-Wegerich, Plantago lanceolata, Tanchagem
Die unscheinbare Blüte des Wegerichs kennt nahezu jedes Kind. Spielerisch geben Kinder das alte Wissen um die blutstillende Wirkung untereinander weiter, indem sie bei kleinen Schürfwunden ein Wegerichblatt zerreiben und auf die wunde Stelle pressen

Die ersten Wege der Menschheit dienten meist kultisch-sakralen Zwecken. Sie führten zu Tempeln, Heiligtümern oder zu einem heiligen Hain. An diesen Wegen wuchs der Wegerich und genoss dadurch größtes Ansehen. Schon damals fand der medizinische ,,Alleshelfer” bei Fieber, Wunden, Geschwüren, Lungenleiden, Erkrankungen der Harnwege, Kopfweh, Durchfall, Zahnschmerzen usw., vielseitigen Einsatz. Dass wir den Wegerich heute weltweit antreffen verdanken wir seinen Samen, die im feuchten Zustand klebrig werden und sich an Pfoten, Hufen, Wagenrädern und Fußsohlen haften und sich somit stark verbreiten. Der Gattungsname ,,Plantago” leitet sich vom lat. ,,planta” = Fußsohle ab. Der Artenname ,,lanceolata” stammt vom lat. ,,lanceo” = Lanze und beschreibt die Form der Blätter. Sein deutscher Name ,,Wegerich” kommt ursprünglich vom indogermanischen ,,-rich” und bedeutet ,,König”, wie das lateinische ,,rex”, das keltische rig und das portugiesische ,,rei”. Der Herrscher des Weges ­ ein mächtiger Name für eine starke Heilwirkung, wie Forschungen heute belegen. Durch die Kombination von Inhaltsstoffen zeigt der Spitz-Wegerich uns seine außerordentliche Fähigkeit als Lungenheilpflanze: Die Schleimstoffe wirken reizlindernd auf die Schleimhäute und sorgen so für eine bessere Durchatmung und lindern Hustenreiz. Die Gerbstoffe wirken zusammenziehend und dadurch austrocknend, blutstillend, keimhemmend und fördern die Wundheilung. Die Kieselsäure festigt das gesamte Lungengewebe. Antibakteriell wirkt das Aucubin in der frischen Pflanze. Zudem enthält der SpitzWegerich etwas Vitamin C und das wundheilende Zink. Als ,,Wiesenwundpflaster” findet der Wegerich Anwendung zur ersten Hilfe bei kleinen Verletzungen, wie Schnitt- und Schürfwunden, Insektenstichen und Brennnesselquaddeln. Dazu werden ein paar längere (saubere!) Blätter des Spitz-Wegerichs verknotet, in den Händen zerrieben und den daraus entstehenden Saft mehrere Male auf die betroffene Stelle aufgetragen werden. Juckreiz und Schwellungen verschwinden schnell. Eine Beschleunigung der Blutgerinnung ist medizinisch belegt. In der Wildkräuterküche lässt sich der Wegerich vorzüglich als Gemüse, Salat oder Suppe zubereiten. Die Blätter können das ganze Jahr über geerntet werden. Für den Salat sind die jungen, noch zarten Blätter vor der Blüte im Frühjahr zu empfehlen. Der Spitz-Wegerich schmeckt etwas herbbitter und als Suppe gekocht hat er ein leichtes Pilz-Aroma. Falls der Spitz-Wegerich mit dem Mittleren- oder mit dem Breit-Wegerich verwechselt werden sollte, macht das nichts. Diese sind im Geschmack lediglich kräftiger und in ihrer Heilwirkung nicht so stark. Der hier an der Algarve wachsende Krähenfuß-Wegerich wird sogar als Salat in Delikatessen-Läden angeboten. Wer die Heilkraft des Spitz-Wegerichs kennen lernen möchte, sollte nicht zögern und sich einen Sirup selber herstellen. Dazu werden die sauberen Blätter zirka 1 cm dick, abwechselnd mit Honig in ein Glas geschichtet. Das Glas sollte eine Nacht stehen bleiben, denn das Gemisch sackt etwas ein. Am nächsten Tag wird es bis zum Rand mit Honig aufgefüllt und anschließend mit mehreren Schichten Pergamentpapier bedeckt und mit Draht am Rand zugebunden. Nun muss das Glas zirka 30 cm tief im Boden vergraben werden. Durch die gleichmäßige Temperatur fermentiert der Honig zu einem erstklassigen Sirup. Nach 3 Monaten wird der Sirup abgefiltert, in dunkle Gläser abgefüllt. Der Sirup kann bei Husten, Heiserkeit und verschleimten Bronchien mehrmals täglich teelöffelweise eingenommen werden.
Christina Steffens

Der Spitz-Wegerich gehört zur Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae) mit ca. 220 Arten. Er wächst bevorzugt auf nährstoffreichen Wiesen und Wegrainen. Aus einem bis zu 60 cm in die Tiefe gehenden Wurzelstock treiben in einer grundständigen Rosette die bis zu 40 cm langen, lanzettlich-spitzen Blätter mit auffälligen 3-7 parallel verlaufenden Blattadern. An langen gefurchten Stielen befindet sich die walzenförmige Blütenähre, bräunlich und 1-4 cm lang, mit kleinen, unscheinbaren Zwitterblüten und ihren leicht beweglichen Staubblättern.

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Heilpraktikerin/Phytotherapeutin www.algarve-heilpraktikerin.com Infos und Anmeldung unter: 917 135 306

Innerlich findet der Spitz-Wegerich Anwendung bei Entzündungen im Mundund Rachenraum, Bronchitis, Husten (besonders bei Kindern) und Asthma. Äußerlich fördert er die Wundheilung, wirkt blutstillend, reizmildernd und abschwellend. Nebenwirkungen und Gegenanzeigen sind nicht bekannt.

ESA 01/10

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