Pinie

Der Lichtbaum

Pinie/Kiefer, Pinus pinea, Pinheiro
Die Pinie erinnert an die Zeit der Besinnlichkeit und Stille. Weihnachten steht vor der Tür und damit hat die Sonne ihre geringste Mittagshöhe über dem Horizont erreicht Botanik

An diesem Wendepunkt, in der Nacht vom 21.12. auf den 22.12., wird uns die längste Nacht des Jahres beschert und ab dann werden die Tage wieder länger. Die Wintersonnenwende symbolisierte bei verschiedenen Kulturen die Geburt des Sonnengottes. Mit dem Sonnenkind wird das Lebenslicht auf der Erde erneuert und ihm sind die heilkräftigen Kiefern und Tannen geweiht. Schon seit jeher haben unsere Vorfahren den Lichtbaum zu medizinischen Zwecken genutzt. Je nach Region wurden die dort vorkommenden Kiefernarten (Wald-, Berg-, Latschen-, Schwarz-, Mittelmeerkiefern, Schirmpinien oder Fichten) verarbeitet. Dioskorides verwendete im antiken Griechenland das Kiefernharz bei Geschwüren und schlecht heilenden Wunden und die Nadelspitzen innerlich bei Atemwegserkrankungen sowie äußerlich bei rheumatischen Beschwerden. Als wichtiger Rohstofflieferant diente dieser anspruchslose Baum den Harzsammlern: Sie ritzten die Bäume an und sammelten den klebrigen, aromatischen Baumsaft. Mit dem so gewonnenen ,,Pech” konnten Wagenräder geschmiert, Fässer abgedichtet oder als Brennstoff für Fackeln genutzt werden. Hierauf bezieht sich auch der lateinische Gattungsname ,,Pinus” der von dem Wort ,,pix” stammt und ,,Pech” bedeutet. Eine sehr alte Sage versucht die Namensherkunft so zu erklären: Es war einmal eine schöne Nymphe mit dem Namen Pinus oder Pitys. Sie wurde von dem Hirtengott Pan und dem Gott des Nordwindes, Boreas, sehr verehrt. Heimlich gehörte ihr Herz jedoch schon seit langem Pan. Als Boreas davon erfuhr, warf er Pinus zu Boden und tötete sie. Die Götter trauerten um die schöne Nymphe und verwandelten sie aus Mitleid in einem Baum, der fortan ihren Namen trug. Immer wenn der Nordwind stark an ihren Ästen riss, weinte sie harzige Tränen um die verlorenen Liebe. Volkstümlich wird das Wissen um die Heilkraft der Pinie schon seit Generationen weitergegeben. Noch heute finden sich an der Algarve einige Frauen, die sich und ihren Familien mit den jungen Pinienzapfen oder den Nadeln einen Sirup bei Erkältungen und Husten herstellen können. Nachweislich wirken die ätherischen Öle, Bitterstoffe, Flavonoide und Ascorbinsäure in der Kiefer schleimlösend und auswurffördend bei Bronchialsekretionen. Hilfreich ist auch der schwach antiseptische und durchblutungsfördernde Effekt des Nadelöls. Die Heilwirkung der Harztropfen findet sich heute vielseitig bestätigt. Zu Salben verarbeitet helfen sie durch Anregung der lokalen Abwehrkräfte bei Wundinfektionen. Innerlich findet die Pinie Anwendung bei katarrhalischen Infekten der Atemwege. Äußerlich hilft die Pinie bei rheumatischen Beschwerden, leichten Muskelschmerzen, Geschwüren und Wunden. Als Nebenwirkungen können Reizerscheinungen an Haut und Schleimhäuten auftreten. Nicht angewendet werden darf das ätherische Öl bei Keuchhusten und Asthma Bronchiale, weil Bronchspasmen verstärkt werden können. Bei Bluthochdruck, Herzbeschwerden und größeren Hautverletzungen sollte kein Nadelbad genossen werden. Bitte bedenken Sie grundsätzlich bei jeder Medikation die vorsichtige Dosierung bei Kinder! Bei Fragen wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Heilpraktiker. Traditionell werden an der Algarve die jungen, noch grünen Zapfen in Scheiben geschnitten und daraus ein Tee oder Sirup gegen Husten und Erkältungen zubereitet. Den Sirup kann sich jeder selbst herstellen, indem die Zapfenscheiben oder die grünen jungen ,,Blätter” der Pinie schichtweise mit Honig in ein Glas gefüllt werden. Dieser heilsamen Mischung werden in der Algarve auch manchmal Thymian, Oregano, Trockenfeigen oder Zwiebelhäute beigefügt. Nach zirka vier Wochen muss das Gemisch abgegossen und gefiltert werden. Dieser zähe und aromatische Hustensirup kann je nach Bedarf mehrmals täglich teelöffelweise eingenommen werden.

Die Schirmpinie gehört zur Familie der Kieferngewächse (Pinaceae) und ist leicht an der dichten, schirmförmigen Krone zu erkennen. Der Stamm besitzt eine graubraune Borke, die beim Abblättern rötliche Flecken hinterlässt. Die jungen Triebspitzen sind kräftig, kahl, graugrün und später braun. Die Knospen sind harzfrei. Die bis zu 20 cm langen, biegsamen, grünen Nadeln wachsen paarweise mit nach oben aufgerichteten Zähnchen, die nur mit einer Lupe zu erkennen sind. Die massiven, glänzenden Zapfen sind erst mit drei Jahren reif und bleiben lange geschlossen. Die geöffneten Zapfen sind fast rundlich und können 10 cm breit und 15 cm lang werden. Die Samen werden 2 cm lang, sind kaum geflügelt und besitzen eine dicke, harte Schale. Die ölhaltigen Samen sind als Pinienkerne oder Pinhão bekannt.

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ESA 12/09

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