Zwiebeln, Knollen und Rhizome

Unter den Rhizompflanzen sind wohl einige der üppigsten Blütenpflanzen zu finden. Sind sie erst aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht, so warten sie mit einer um so intensiveren Blüte auf, ganz als wollten sie sagen: Hier bin ich – das Warten hat sich gelohnt!

Bereits jetzt blühen die Narzissen und Hyazinten und geben uns einen Vorgeschmack auf den Frühling. Doch erinnern sie auch daran, andere Zwiebel- und Knollenpflanzen zu setzen, die uns dann im Sommer mit ihrer Blüte erfreuen. Beispiele hierfür sind Blumenrohr (Canna) Dahlien (Dahlia), Fackellilien (Kniephoffia), Fresien (Fresia), Gladiolen (Gladiolus), Lupinen (Lupinus) Madonnenlilien (Lilium candidum), Taglilien (Hemmerocallis), und Wunderblumen (Mirabilis). Viele davon eignen sich auch ausgezeichnet als Schnittblumen. Verglichen mit der nordeuropäischen Flora muß festgestellt werden, dass Versuche mit Krokussen, Schneeglöckchen und Tulpen hierzulande leider meist wenig erfolgreich enden. Von den Frühblühern bleiben also vor allem Narzissen, von denen frühe Sorten hierzulande allerdings schon im Januar in Flor gehen, Hyazinthen und Traubenhyazinthen. Um so besser hingegen wachsen Vertreter aus der Familie der Lilien (Lilium) und Schwertlilien (Iris). Ein weiterer Vorteil ist, dass das aufwendige Ausgraben und Einlagern frostempfindlicher Knollen wie Agapanthus, Amaryllis, Blumenrohr, Dahlien, Gladiolen und Begonien in der Algarve entfällt. Die Rhizome können über Winter im Boden belassen und im Frühjahr lediglich gedüngt werden. Allenfalls zum Vereinzeln und Gewinnen von Brutzwiebeln werden sie ausgegraben. Gerade unter dem Gesichtspunkt der Pflegeleichtigkeit, der sie in Nordeuropa zu einer exquitsiten Liebhaberei macht, rücken diese „Blühwunder“ im milden Algarveklima in den Vordergrund.

Pflege

Abgeblühtes sollte regelmäsig entfernt werden, um eine Nachblüte anzuregen. Ist die Blüte schließlich ganz vorbei, so sollte man trotzdem noch mit dem Abschneiden warten, bis das Kraut vertrocknet ist, damit die Pflanze genügend Zeit zum „einziehen“ hat, d.h. ihre Reservestoffe für die kommende Saison in der Knolle einlagern kann.

Pflanzung

Als Faustregel für die Pflanztiefe gilt: 2-3 mal die Dicke der Zwiebel. Eine Ausnahme stellen die Gladiolen und Begonien mit ihrer flachen scheibenförmigen Knolle da. Sie sollten 10-15 cm tief gepflanzt werden, um ausreichenden Halt für die üppigen Blüten zu haben. Auf stark lehmigen Standorten bietet es sich an unter der Knolle eine Drainageschicht aus lockerem, sandhaltigen Substrat einzubauen. Im Beet werden die Zwiebel- und Knollengewächse entsprechend ihrer Größe locker einzeln oder in kleinen Horsten zwischen den übrigen Beetstauden eingestreut. Niedrigwachsende Zwiebel- und Knollenpflanzen wie Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium), Blaustern (Scilla peruviana) und Traubenhyazinthe (Muscari) werden im Vordergrund entlang der Wege oder am Fuße größerer Gehölze gesetzt.

Markieren im Beet

Da Rizompflanzen in der Regel eine Ruhephase haben, in der weder Blüte noch Laub sichtbar sind, ist es sinnvoll die Stellen im Beet dauerhaft zu markieren. Im Handel gibt es als Platzhalter verschiedene Stacker, die am oberen Ende meist mit Garten-Motiven verziert sind. Ebenso kann man aber auch überall hinter der Pflanzstelle einen Feldstein oder Tongefäß plazieren. Wichtig ist eigentlich nur, dass man die Markierung wiedererkennt, um beim Durchhacken die Rhizome nicht zu beschädigen. Eine andere Möglichkeit ist – wie in dem Märchen von den zwei verwunschenen Liebenden, die sich nie zu Gesicht bekommen – zwei Zwiebelgewächse so zu kombinieren, dass immer eines wacht während das andere schläft. Beispiele für solche Paare wären: Narzisse und Gladiole, Hyazinthe und Dahlie, Traubenhyazinthe und Wunderblume. Als Besonderheit seien noch zwei Pflanzen erwähnt, die eine ganz besondere Stategie entwickelt haben um der Sommertrockenheit zu trotzen: Die Belladonnalilie (Amaryllis belladonna) und die Blutblume (Haemanthus coccineus). Im zeitigen Frühjahr treiben sie ihre Blätter, die dann im Sommer komplett absterben und auf der Höhe der Hitze, wenn alles ringsum vertrocknet, zaubern sie quasi aus dem Nichts und ohne jegliches Blattgrün die allerbetörendste Blüte hervor.

Tom Kaltenbach

ESA 02/14

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