Was wächst wo?

Böden der Algarve – teil 1

In der Algarve gibt es in jeder Hinsicht extreme Standorte, die die Flora an ihre Grenze bringen. Die folgende Artikelreihe beschäftigt sich mit den verschiedenen Standorten der Algarve.

Nicht jede Pflanze wächst an jedem Standort gleich gut. Es gibt Pflanzen mit einem besonders breiten Spektrum und ausgesprochene Spezialisten, die nur auf besonderen Böden gedeihen. Dazu sollen die drei meistverbreiteten Bodentypen genauer unter die Lupe genommen werden: Sandböden, Lehmböden und Kalkböden. Sandböden finden sich als Sedimente vor allem entlang der Küstenlinie und Flußebenen und sind gekennzeichnet durch eine sehr große Korngröße zwischen 0,063 und 2 mm. Die Folge ist ein leichter Boden mit lockerer Struktur. Die relativ großen Poren speichern Wasser und Nährstoffe nur sehr schlecht. Die mineralische Zusammensetzung von Sand wird dominiert von Quarz- und Silikat-Komponenten. Es handelt sich also nicht nur um sehr trockene, sondern zugleich um saure (nährstoffarme) Standorte. Unter natürlichen Bedingungen können auf solchen Standorten nur besonders anspruchslose Pflanzen überleben, zumal an der Küstenlinie oft noch eine besonders hohe Salinität hinzukommt. Pflanzen bilden in dieser Lage ein besonders weitverzweigtes Wurzelsystem um genügend Wasser und Nährstoffe zu erschließen und den nötigen Halt zu finden.Typisch für solche Gebiete sind verschiedene Zwergsträucher wie Mastix, Zistrose, u. a., aber auch Rhizombildner wie Affodill, Ismene oder Scilla. Die potentielle Klimaxvegetation wäre dominiert von Pinie. Oft begegnen wir an diesen Standorten jedoch sogenannten Neophyten, also Pflanzen, die vom Menschen eingeführt wurden und sich nun erfolgreich in die Wildnis ausgebreitet haben. Beispiele sind Agave, Mittagsblume (Hottentottenfeige), Mimose oder Pampasgras. Oft genug dominieren sie dort inzwischen ganze Landstriche und es ist ein enormer Aufwand erforderlich sie in ihre Schranken zu weisen.

Gärten auf Sand

1. Technische Massnahmen

Im Garten ist es auf diesen Böden wichtig, pH-Wert und Wasserspeicherkapazität zu erhöhen. Schon eine einfache pH-Messung gibt Aufschluß über das Potential Nährstoffe zu speichern. In besonders drastischen Fällen wirkt eine Kalkung mit mineralischem Kalk oder Marmormehl regulierend. Langfristig jedoch sollte daran gearbeitet werden Humus in Form von Mist oder Kompost in den Boden zu bringen. Die darin enthaltenen Huminstoffe stellen einerseits Nährstoffe bereit und können andererseits die Wasserspeicherkapazität um bis zu 20 Prozent erhöhen. Bei Neuanlagen ist es ratsam eine Fuhre lehmhaltigen Mutterboden einzuarbeiten um den Anteil an Feinporen zu steigern. Auch über Strukturierungsmaßnahmen kann an solch trockenen Standorten eine Menge erreicht werden. So eignen sich Nivellierungen und Terrassierungen, um Wasser in der Fläche zu halten. Dabei geht es nicht nur um Regen, sondern auch um die im Sommer so wertvollen Feinstniederschläge, die sich in Form von Tau auf die Erde senken. Wüstenvölker arbeiten seit jeher mit regelrechten Luftfallen um Kaltluftseen zu erzeugen, die dann bei ihrer Erwärmung Feuchtigkeit abgeben. Auch „Gießringe“ und -mulden sind in dieser Hinsicht hilfreich. Und schließlich kann nicht oft genug auf die feuchtigkeits- und närstoffspendende Wirkung von Mulch hingewiesen werden. Vor allem in jungen oder besonders exponierten Gärten kann zusätzlich Hydrogel in den Boden eingearbeitet werden. Dieser künstliche Wasserspeicher kann das 40-fache seines eigenen Gewichts aufnehmen und dann langsam an die Pflanzen abgeben, er zersetzt sich nach etwa fünf Jahren (also nach erfolgreichem Anwachsen) von selbst.

2. Auswahl der Pflanzen

Neben diesen technischen Massnahmen dürfte die zweite wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Anwachsen die gezielte Auswahl der Pflanzen sein: Grundsätzlich eignen sich für Sandböden besonders Vertreter aus der Gruppe der Sukkulenten, Kakteen und Wolfsmilchgewächsen. Beispiele wären Lampranthus, Delosperma oder Aloe. Auch die trockenheitsresistenteren Vertreter aus der Gruppe der Mediterranen Pflanzengesellschaft kommen in Frage: Kräuter wie Thymian, Rosmarin oder Currykraut (Helichrysum italicum), und Zwergsträucher wie Zistrose, Myrte oder Gamander (Teuricum fruticans), die auch wild im Küstenbereich der Algarve vorkommen. Daneben Pflanzen aus anderen Bereichen der Mediterranen Klimazone: „Alleskönner“ wie Gazanea, Wandelröschen oder Grevillea. Außerdem Pflanzen aus der Familie der Heidekrautgewächse, verschiedene Gräser, Seggen und Ginsterarten. Viele Rhizombildner wie Iris, Ismene oder Blaustern (Scilla peruviana) kommen ebenfalls sehr gut mit sandigem Untergrund zurecht. Bei der Pflanzung sollte man die Rhizome/Zwiebeln gegebenenfalls etwas tiefer setzen als andernrorts. An Bäumen kommen u. a. Schirmpinie, Kasuarinha, Zypresse, Olive, Steineiche, Silbereiche (Grevillea robusta) und verschiedene Palmenarten in Frage. Auch Zitrus ist – eine gewisse Düngung vorausgesetzt – gut auf Sandböden zu kultivieren, da hier nicht die Gefahr von Staunässebildung besteht.

Tom Kaltenbach

ESA 04/14

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