Was wächst wo?

Böden der Algarve – teil 2

Was zeichnet einen kalkhaltigen Boden aus? Welche Pflanzen eignen sich am besten? Kann ein Kalküberschuss zur Erkrankung der Pflanzen führen?

In weiten Teilen der Algarve liegt dem Boden Kalk als Ausgangsgestein zugrunde. Die „Kalkalgarve“ oder Barrocal sind Schlagworte, die das zum Ausdruck bringen. Als Überbleibsel urzeitlicher Korallenriffe gehören diese Böden zu den Ablagerungsgesteinen und bestehen überwiegend aus Calciumcarbonat. Oft kann man sogar noch Muscheln und andere Fossilien im Kalkgestein entdecken. Da Kalk zu Lehm verwittert, ist die Gesteinsschicht in der Regel von einer mehr oder weniger dicken Lehmdecke überlagert. Weil Kalk sich leicht in Wasser löst, ist er in dieser Deckschicht meist ausgewaschen. Deshalb weist sie einen deutlich niedrigeren pH- Wert (neutral bis schwach sauer) auf als die darunterliegende Schicht aus verwitterndem Kalkgestein. Die Stärke dieser Lehmschicht ist deshalb wesentlich bestimmend für die Vegetationszusammensetzung darüber und eben auch dafür, was gepflanzt werden kann, denn viele Pflanzen reagieren empfindlich auf zuviel Kalk. Dies schließt also auch kleinstand- örtliche Faktoren mit ein. Ist das Gestein von einer dicken Lehmschicht überlagert, so kommen niedere, flachwurzelnde Pflanzen unter Umständen gar nicht mit dem Kalk in Berührung. Ist aber auch der Oberboden stark mit Gesteinspartikeln durchsetzt oder steht das Gestein hoch an, so sollte man bei der Auswahl der Pflanzen kalkliebende („kalkstete“) Sorten auswählen. Natürliche Klimaxgesellschaft wäre für diese Gebiete immergrüner Hartlaubwald mit Steineiche als Leitbaumart. Da jedoch der mediterrane Raum einer der ältesten besiedelten Gebiete unseres Planeten ist, sind davon meist nur noch Rudimente zu sehen. Alte Kulturbaumarten des traditionellen Trockenfrucht-Anbaus wie Johannisbrot, Feige und Mandel sowie die Olive dominieren das heutige Landschaftsbild. Kalkböden sind in der Regel trockene und relativ nährstoffarme Standorte. Selbst wenn im lehmigen Oberboden recht viel Wasser gespeichert wird, ist es in den Feinporen doch so stark gebunden, dass es von den Pflanzenwurzeln nicht erschlossen werden kann. Typisch für solche stark tonhaltigen Lehmböden ist ein Aufquellen bei Feuchtigkeit und Schrumpfen bei Trockenheit, was oftmals mit Rissbildung einhergeht. Wichtig für den Gärtner ist also, die Bodenstruktur aufzulockern, was durch das Einarbeiten von feinen und mittleren Sanden geschehen kann. Außerdem sollte Humus in Form von Kompost oder reifem Mist eingebracht wer- den, um die Konsistenz sowie den Wasserspeicher und Nährstoffgehalt zu verbessern. Auf keinen Fall jedoch sollte frischer Mist verwendet werden, da durch die Bildung von Bicarbonat dieser Prozess noch verstärkt werden kann. Bei Neuanlagen besteht die Möglichkeit, durch das Einbringen von Mutterboden die Deckschicht über dem Kalkgestein aufzufüttern, um so die Bandbreite der möglichen Pflanzen zu erhöhen. Da in kalkdominierten Gebieten jedoch auch das Gießwasser meist sehr „hart“ ist, macht es dennoch Sinn, von vorneherein mit einer Mehrzahl kalktoleranter Pflanzen zu arbeiten. Hilfreich kann unter Umständen sein, Regenwasser in einer Zisterne aufzufangen und dem Gießwasser beizumischen. Symptom einer Kalküberschusserkrankung ist die Kalkchlorose: als Chlorose wird die Gelbfärbung der Blätter bezeichnet. Ursache hierfür ist bei der Kalkchlorose, dass nicht genügend Chlorophyll gebildet werden kann, weil Eisen und Mangan wegen des hohen pH-Wertes chemisch im Boden gebunden bleiben und von den Pflanzen nicht aufgenommen werden können. Zuerst sind meist die jüngeren Blätter befallen. Typischerweise bleiben die Blattnerven anfangs noch dunkelgrün. In schweren Fällen beginnen die Blätter von außen nach innen zu vertrocknen. Bei Fortschreiten der Erkrankung kann sogar die ganze Pflanze absterben. Daher die Redewendung, der Kalk „verbrenne“ die Pflanzen. Kurzfristig kann hier mit Spurennährstoff-Düngern gegengesteuert werden, die die fehlenden Nährstoffe in chelatisierter Form enthalten, also sofort von der Pflanze aufgenommen werden können. Unter Umständen kann auch eine Blattdüngung sinnvoll sein. Auch das Aufbringen einer frischen Kiesschicht aus Kalkstein kann unter Umständen kurzfristig eine solche Chlorose auslösen, da im Kies häufig viel Kalkmehl enthalten ist. Die Symptome sollten sich allerdings in diesem Fall nach dem Auswaschen wieder legen.

Tom Kaltenbach

ESA 05/14

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