Was wächst wo?

Böden der Algarve – Teil 3

Der letzte Teil der Miniserie beschäftigt sich mit Lehmböden auf Tonschiefer, wie sie vor allem im Hinterland der Algarve und dem Baixo Alentejo zu finden sind

Lehm ist ein „Mischboden“, der sich aus Bestandteilen drei verschiedener Korngrößen zusammensetzt: Enthalten sind Ton-, Schluff- und Sandanteile in unterschiedlicher Zusammensetzung. Wie bereits in der letzten Ausgabe beschrieben, sind Lehmböden auch als Deckschicht über Kalk zu finden, aber auch über Tonschiefer. Aufgrund des Ausgangsgesteins weisen diese Böden meist einen hohen Tonanteil auf, der mit Schieferpartikeln verschiedener Größen durchsetzt ist. Die Ionenverfügbarkeit dieser Böden ist meist nicht allzu schlecht, der ph-Wert liegt im neutralen bis leicht basischen Bereich. Die Wasserspeicherkapazität ist wegen des Tongehalts recht hoch, wobei ein großer Teil des Wassers jedoch in den Feinporen sitzt und somit nicht für die Pflanzen erschließbar ist. Tonschiefer zählen morphogenetisch zu den klastischen Sedimentiten, d.h. sie sind aus Ablagerungen anderer verwitterter Gesteine entstanden, die unter Druck und erhöhter Temperatur verdichtet wurden. Die typische Sieferung kommt dadurch zustande, dass Risse, die in Folge der Tektonik senkrecht zu den einwirkenden Kräften auftreten, von neuen Tonmineralien besetzt werden, die dort auskristallisieren und so die Oberfläche der Fugen versiegeln. Unter (semi-)natürlichen Bedingungen, wie sie im Hinterland in weiten Teilen der Serra zu finden sind, wächst an diesen Standorten der Kork-Montado, immergrüner Hartlaubwald mit Korkeiche als Leitbaumart. Als Mischbaumarten sind Erdbeerbaum, Steineiche und Iberische Eiche (Quercus faginea) mit von der Partie sowie im Unterstand Sträucher wie Baumheide, Mastix, Myrte und Zistrose. Für verschiedene Sukzessionsstadien ist ein Matagal mit Schopflavendel, klebrigem Alant und verschiedenen Zistrosensorten typisch. Charakteristisch für Lehmböden ist das sogenannte „Quellen und Schrumpfen“, also ein Auftreiben durch Feuchtigkeit und Abmagern beim Austrocknen, was mit Rissbildung einhergehen kann. Wie für die Lehmböden auf Kalk dient zur Bodenverbesserung das Einbringen von organischem Material in Form von Humus. Ob auch Sand zur Auflockerung eingearbeitet werden sollte, richtet sich nach dem Anteil von gröberen (makroskopisch wahrnehmbaren) Bodenpartikeln. Bei einer ausreichenden Heterogenität kann darauf verzichtet werden. Wenn er entsprechend aufbereitet wurde, eignet sich toniger Lehm grundsätzlich als Ausgangsmaterial für eine recht große Bandbreite an Pflanzen. Durch ihre Feinporigkeit und den hohen Tongehalt können Lehmböden sehr leicht verdichtet werden. Dadurch lassen sich einerseits gut Stauseen (Barragens) anlegen. Andererseits ist aber auch die Gefahr von Staunässebildung gegeben. Auf Lehmböden kommt es immer wieder vor, dass Pflanzen ertrinken. Erste Anzeichen dafür sind dem Vertrocknen nicht unähnlich und daher für den Laien nicht leicht zu unterscheiden. Die Blätter vergilben und fallen nach und nach ab. Oft ist die Folge, dass der besorgte Gartenbesitzer nun noch mehr gießt und damit die Problematik noch verstärkt. Bei stark verdichteten Böden, wie etwa in der Umgebung einer Baustelle, sollte deshalb vor der Bepflanzung eine tiefgründige Auflockerung durchgeführt werden. Auch das Einbauen von Drainagen ist auf solchen Böden sehr zu empfehlen. Dies gilt besonders für ebene Areale, in denen nach einem Regen schon oberflächlich Wasser ansteht (Pfützen, die nicht binnen weniger Tage einziehen, etc.). Zur besseren Durchlüftung müssen die Beete auf Tonböden immer wieder – beispielsweise mit der Gartenkralle – aufgelockert werden, damit sie oberflächlich nicht verbacken. Auch eine Mulchschicht kann hier helfen. Erstens hält sie den Boden deutlich länger frisch, zweitens werden dem Boden Nährstoffe zugeführt, und schließlich nützliche Bodenorganismen angelockt, die dem Gärtner die Arbeit abnehmen. Wechselfeuchte Zonen, wie die oben beschriebenen, also mit Staunässebildung im Winter und Trockenfallen während des Sommers, gehören zu den besonders problematischen Standorten. Nur wenige Pflanzen können hier gedeihen.

Pflanzen für wechselfeuchte Standorte:  Filipendula rubra ‚Venusta‘ (Rosa Spierstaude), Hemerocallis Hy- bride (Taglilie), Iris sibirica (Sibirische Wieseniris), Ligularia Hybride ‚Zepter‘ (Greiskraut), Miscanthus sinensis (Weißbuntes Chinaschilf), Ranunculus acris (Gefüllter Hahnenfuß)

Tom Kaltenbach

ESA 06/14

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