Nachhaltig gärtnern

Eine Annäherung

Bio-Garten, Permakultur, nachhaltiger Garten: drei Konzepte für das Anlegen eines umweltfreundlichen Gartens

Wir hatten uns erst vor kurzem an das Wort und an das Konzept Bio-Garten gewöhnt, als auch schon ein neues Wort auftauchte – Permakultur. Steckt dahinter dieselbe Idee? Ja und nein. Beide Konzepte haben viel Gemeinsames, aber es gibt auch Unterschiede. Nun hat ein neues Wort den Durchbruch in der Gartengestaltung – und auch in anderen Bereichen des Lebens – geschafft. Ein Wort, das ebenfalls die Sorgen der modernen Gesellschaft mit der Umwelt spiegelt: Nachhaltigkeit. Aber wie viele Menschen verstehen wirklich, was all dies bedeutet.
Nachhaltig gärtnern bedeutet in Harmonie mit der Natur und mit dem Klima des Standortes zu leben. Dieses Gleichgewicht erlaubt es, unseren Wunschgarten anzulegen, ohne dabei auf äußere Einflüsse angewiesen zu sein oder auf weitere Materialien zurückgreifen zu müssen.
Klingt zu idealistisch? Keineswegs. Mit wenig Aufwand kann ein nachhaltiger Garten angelegt werden, in dem man einheimische Pflanzen nutzt, die indigene Insekten begünstigen, sodass man die perfekte biologische Vielfalt erreicht, die sich praktisch von alleine weiterentwickelt, ohne dass viel Wasser oder Dünger nötig sind.
Permakultur ist ein Konzept, das auf die Schaffung von dauerhaft funktionierenden, nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen zielt, beispielsweise durch die Nutzung von Abfällen des Komposthaufens, um der Erde die nötigen Nährstoffe zu liefern. Es geht darum, mit einem Minimum an menschlichem Zutun, Wasser und Abfällen so viele Lebensmittel oder Pflanzen wie möglich zu erzeugen. Ziel ist ein extensiver und sich selbst aussäender Garten. Licht, Blätter und Wind werden genutzt, um Energie zu erzeugen und ein für Menschen, Tiere und Pflanzen gesundes Umfeld zu schaffen.
Ein Bio-Garten ist etwas anders. Die biologische Bewirtschaftung sollte sicher weiterhin gefördert werden, doch tatsächlich ist man dabei stark von äußeren Einflüssen, wie organischen Düngern und Saatgut abhängig, will man einen maximalen Ertrag erzielen. Hinzu kommt, dass durch die Ernte die Schlüsselphase der Bodenanreicherung durch Mulch wegfällt. Nach dieser kurzen Erklärung möchte ich sagen, dass die Wahl egal welcher der genannten Konzepte definitiv der richtige, umweltfreundliche Weg für den Garten ist.
Und wie legt man seinen eigenen nachhaltigen mediterranen Garten nun an? Zuerst muss die Nutzung von Geräten, die Kraftstoffe, Strom oder Chemikalien benötigen, eliminiert oder zumindest auf ein Minimum beschränkt werden. Das gilt auch für die eigene nicht effiziente Arbeit. Was wir damit meinen, ist der Verzicht auf Rasenmäher, Motorsense, chemische Dünge- und Reinigungsmittel, überschüssige Bewässerung, Wasserpumpen und die physische Energie, die zur Nutzung dieser Maschinen und Produkte nötig wäre. Dies bedeutet unweigerlich, dass ein üppig grüner Rasen nicht Teil des nachhaltigen Gartens sein wird, da seine Pflege bei weitem seinen ökologischen Sinn überwiegt.
Man muss wassersparend vorgehen. Regen-wasser sammeln, Solarpumpen, Schwerkraftbewässerung und das Verhindern von Wasserverdunstung – all das sind ausgezeichnete Methoden, um Wasser effizient zu nutzen. Den Boden mit organischem Mulch abzudecken, Nützlinge und Pflanzen frei wachsen zu lassen und kontinuierlich Schichten von Kompost anzuwenden, wird nicht nur zur Ernährung des Bodens beitragen, sondern auch die Wurzeln der Pflanzen im Sommer kühl halten. Was natürlich wiederum weniger Bewässerung bedeutet.

Einheimische Pflanzen sind ein weiterer Schlüsselaspekt zur erfolgreichen Nachhaltigkeit. Erkun-digen Sie sich über die einheimischen Pflanzen und Bäume in Ihrer Umgebung. Sie werden oft all die -harte Arbeit im Garten übernehmen, während Sie schlafen. Der Johannisbrotbaum (Alfarrobeira) absorbiert beispielsweise mehr Kohlendioxid als jeder andere Baum im Mittelmeerraum. Es geht nicht nur darum, wie er aussieht, wie viel Schatten er spendet oder welches Produkt er liefert. Akazien, obwohl eine invasive Pflanze, sind natürliche Stickstofffixierer für den Boden. Mandeln, Feigen-, Oliven- und Granat-äpfel wachsen und gedeihen prächtig hier im Mittelmeerraum und das, ohne dass sie viel Aufmerksamkeit oder Bewässerung benötigten. Sie übernehmen alles selbst, liefern viel Nahrung und sind zudem eine Bereicherung für den Komposthaufen.
Apropos Komposthaufen – oder Wurmkompostierung. Diese sind unentbehrlich in einem nachhaltigen Garten. Ihr Nebenprodukt liefert Nährstoffe für den Boden und je größer die erzeugte Biomasse ist, umso üppiger wird Ihr Garten sein. Dies wird im Gegenzug zu einer vielfältigeren Tierwelt und somit zur Harmonie im Garten führen.
Erlauben Sie es Ihren Pflanzen Freundschaften zu schließen. Finden Sie heraus, welche Pflanze sich mit welcher verträgt, wie zum Beispiel Basilikum und Tomaten, Borretsch und Erdbeeren, Kohl und Oregano oder Knoblauch und Pfirsich.
Idealerweise sollte es in jedem nachhaltigen Garten etwas Essbares oder Duftendes geben sowie etwas, aus dem Öle hergestellt werden können. Mit der Zeit kann sich der Garten zur eigenen Hausapotheke entwickeln. Immer mehr Menschen sind davon überzeugt, dass sämtliche Beschwerden mit natürlichen Produkten behandelt werden können.
Ein nachhaltiger Garten ist positiv für alle: für die Erde, die Pflanzen, die Tierwelt und nicht zuletzt für unser Wohlbefinden, für unsere Gesundheit und selbst für unsere Seele. Die Verlierer sind dabei die Stromanbieter, die großen Mischkonzerne und vielleicht einige Unwissende. Aber Ihr kleiner Schritt in Richtung Nachhaltigkeit, Permakultur oder Bio-Garten wird Sie in mehr als einer Hinsicht bereichern.

Text und Foto: Justin Wride, Mediterranean Gardening and Outdoor Living Magazine
In ESA 04/16

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