Landschaften gestalten

Interessante und vielseitige Bepflanzung

Viele der Anwesen in Süd-Portugal stammen aus kleinbäuerlicher Tradition und die Fläche der Grundstücke sind vielmals größer, als der bloße Hausgarten.

Meist verbleibt in der Peripherie des Grundstücks ein Teil, der zunächst oft ungenutzt liegen gelassen wird. Dieser Bereich, mehr oder weniger wildnisartig von einzelnen alten Bäumen und Büschen durchsetzt, liegt nun im Dornröschenschlaf und wartet darauf erschlossen zu werden. Die Fläche soll also an den Hausgarten angeschlossen werden, ohne dabei ihren natürlichen Charme zu verlieren. Dabei geht es in der Regel um die Abrundung des Bildes, als um eine tägliche Nutzung. Gefragt ist daher eine eher extensive Erschließung, die zwischen Garten und der umgebenden Agrarlandschaft vermittelt. Hierzu gibt es prinzipiell zwei Varianten:

Mediterrane Gestaltungsform

Je nachdem, was schon vorhanden ist kann die bereits bestehende Flora mit integriert werden. Oft finden sich alte Oliven-, Johannisbrot-, und Mandelbäume oder Eichen/Pinien, die nach einem Pflegeschnitt ein völlig neues Bild abgeben. Ist das Gelände erst einmal gesäubert, so kann man dieses Grundgerüst durch Pflanzungen ergänzen. Oliven- und Johannisbrotbäume aber auch Medronheiros lassen sich sehr gut auch in fortgeschrittenem Alter verpflanzen. Schon zwei bis drei Jahre nach der Umpflanzung wirken die Bäume, als seien sie schon immer dort gewachsen. Doch auch mit Jungpflanzen, die in das mediterrane Umfeld passen, können bestehende Lücken gefüllt werden. Eine Baumart, die recht schnell in die Höhe wächst ist die Zypresse. Auch Obstbäume passen in die Algarve-Kulturlandschaft. Akzente können beispielsweise mit Findlingen und antiken Gartenrequisiten wie Pflug, Wasserrad oder Mühlstein gesetzt werden.

Parkartige Gestaltungsform

Parkartige Landschaften sind gekennzeichnet durch einen nahezu lichten Baumbestand in einer sonst überwiegend offen gehaltenen Landschaft. Diese Gestaltungsform ist abwechslungsreicher als die erste und lässt der Phantasie mehr Spielraum. Neben bereits vorhandenen Gewächsen können auch Zierbäume und -gehölze gepflanzt werden, die mit einer spektakulären Blüte aufwarten oder für einen bunten Herbst sorgen. In Teilbereichen, beispielsweise entlang der Wege, sind auch Unterpflanzungen denkbar. Hierbei sollten allerdings nicht zu viele verschiedene Arten und Farben verwendet werden, einerseits um ein harmonisches Gesamtbild zu wahren, andererseits um auch von Weitem zu wirken. Einzeln oder inselartig eingestreute Sträucher können die Parklandschaft bereichern. Künstliche Gestaltungselemente, wie Skulpturen, Amphoren, Brücken, etc. vervollständigen das Bild. Wie weit dieses im einzelnen vom natürlichen Landschaftstyp abweicht, hängt zum einen vom bereits vorhandenen Bestand, zum anderen von den gewählten Arten ab. Infrage kämen etwa: Araucarie (Araucaria araucana), Brachychiton (Brachychiton spp.), Chorysie (Chorysia speciosa), Erdbeerbaum (Arbutus unedo), Grevillee (Grevillea robusta), Jacaranda (Jacaranda mimosifolia), Lagunaria (Lagunaria pattersonii), Indischer Flieder (Lagerstroemia indica), Melia (Melia azedrach), Pfefferbaum (Schinus molle), Pinie (Pinus spp.) und verschiedene Palmenarten.

Vorgehensweise

Gelände: Je nach Ausgangssituation können Vorarbeiten im Gelände notwendig werden. Beispielsweise können zu steile Gefälle entschärft, oder Drainagen gezogen werden.

Wegesystem: In einem semi-natürlichen oder parkartigen Ambiente wird in der Regel mit leicht geschwungenen Wegen gearbeitet, die sich den bestehenden Verhältnissen und Geländebedingungen anpassen. Zunächst gilt es zu überlegen, welche Materialbeschaffenheit der neue Weg haben soll. Calcada (Kalkstein-Pflaster) beispielsweise ist in der Anschaffung deutlich teurer, dafür aber besser begehbar und später in der Unterhaltung pflegeleichter, als ein Schotterweg. Bei großen Parzellen wird aus Kostengründen die Überlegung aufkommen, ob überhaupt ein Wegbelag notwendig ist, oder die Streckenführung nur durch eine Natursteinfassung vorgegeben wird. Sodann muss für einen sinnvollen Anschluss an das bestehende Wegenetz gesorgt werden. Ändert sich der Wegbelag, so kann die Überleitung eventuell durch eine Stufe, einen Torbogen, oder im Anschluss an ein Rondell erfolgen. Auch über eine etwaige Beleuchtung, sollte man in diesem Zusammenhang nachdenken. Einerseits der Weg selbst, andererseits können einzelne Bäume oder Skulpturen angestrahlt werden und den Gartenteil nachts in Szene setzen. In diesem Zusammenhang sollte man sich die Bedeutung der Sichtachsen vergegenwärtigen. Gartenbereiche, die vom Haus aus einsehbar sind eignen sich besonders für Licht- und sonstige Effekte und sollten auch bei der Pflanzung besonders berücksichtigt werden.

Pflanzung

Ob Park- oder mediterrane Landschaft: am wichtigsten ist, nicht zu dicht zu pflanzen, denn Freiflächen machen eine Landschaft abwechslungsreich und interessant. Da es sich hier vor allem um Gehölze handelt sollte man sich unbedingt vergegenwärtigen, welche Endgröße diese einmal bekommen. Nur mit genug Freiraum können die Bäume einen solitären Wuchs ausbilden, die ihnen eine besondere Note verleiht. Wenn kein Rasen geplant ist reicht in der Regel eine einfache Bewässerungslinie um die Neupflanzungen zu erschließen, da nur mit einer relativ geringen Pflanzendichte gearbeitet wird.

Extra-Features

Und schließlich stellt sich die Frage nach dem „quo vadis“. Sicherlich kann es schön sein, auf dem eigenen Grundstück einfach nur zu lustwandeln. Interessanter aber ist es, wenn der Weg auch ein Ziel hat, oder verschiedene Stationen, an denen er vorbeiführt. So kann ein Teich, oder sonstige Wasserspiele zu einem Besuch einladen. Rosenbögen und verwunschene Ecken können zum Entdecken, Pavillons und Lauben zum Verweilen einladen.

Tom Kaltenbach

ESA 01/14

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