Gemüse im Ziergarten

Auf den Monatsmärkten werden bereits vorgezogene Sämlinge angeboten. Tomaten, Paprika, Zwiebel, Salat und Co. warten nur darauf, in die Erde zu kommen, und wer verspürt da nicht das Kribbeln in den Fingern?

Wer auch noch über wenig Erfahrung im Gärtnern verfügt, gerät leicht in Verlockung, erste Versuche zu wagen. Warum nicht einfach eine dúzia (Dutzend) Pflänzchen mitnehmen und einpflanzen? So leicht wie in der Algarve wird es dem Einsteiger nur an wenigen Orten gemacht. Der Ziergarten gewinnt durch die Beimischung von „Nutzpflanzen“ nicht nur an Vielfalt, sondern auch an Attraktivität. Einerseits sind gerade die fruchttragenden Gemüsesorten oft sehr dekorativ. Man denke nur an knallrote Tomaten, schwarz glänzende Auberginen oder orangene Hokkaidos. Andererseits locken sie den Gärtner sicherlich öfter als zuvor in den Garten, sei es, um seinen Schützlingen beim Wachsen zuzusehen oder später zum Ernten. Der Garten gewinnt einfach eine neue Qualität, wenn er nicht nur zum Angucken, sondern auch zum „Aufessen“ da ist. Für Gartenbesitzer, die nicht gleich einen extra Nutzgartenteil anlegen wollen, gibt es zwei Möglichkeiten, die Gemüsepflanzen in den bestehenden Ziergarten einzubauen: Entweder am Beetrand oder aber einzeln eingestreut zwischen dem schon vorhandenen Grundgerüst aus Zierpflanzen.

1. Gemüse als Beetrand-Begrenzung

Diese Form der Pflanzung bietet die Möglichkeit, kleinere Mengen von Nutzpflanzen in den Ziergarten zu integrieren. Einerseits ist eine klare, räumliche Trennung gegeben, andererseits kann man die Nutzpflanzen, die ja oft ein höheres Maß an Pflege (jäten, nachdüngen, etc.) brauchen, jederzeit gut erreichen. Eine Reihe Salat beispielsweise eignet sich ausgezeichnet als Beetbegrenzung. Hübsche Effekte lassen sich erzielen, wenn man grüne und rote Sorten im Wechsel pflanzt. Überhaupt sind rotblättrige Gemüsesorten wie Mangold und Rote Bete sehr dekorative Gartenpartner. Und schließlich gibt es Sorten wie Romanesco, die speziell wegen ihres Aussehens gezüchtet wurden.

2. Einzelne Zwischenpflanzung

Diese Möglichkeit der Integration eignet sich vor allem für Pflanzen, die zu hoch für den Beetrand sind. Tomaten wären hierfür ein Beispiel. Prinzipiell jedoch können auch kleinere Pflanzen einzeln in den Ziergarten eingestreut und so bestehende Lücken gefüllt werden. Man sollte nur darauf achten, dass die Pflänzchen trotzdem genug Sonne zum Wachsen bekommen. Ein Teil- oder Wanderschatten kann sogar von Vorteil sein, vollschattige Standorte jedoch sind für eine gute Entwicklung zu dunkel. Nun ist ein oft anzutreffendes Problem, dass viele Gartenbesitzer nicht ganzjährig in der Algarve leben. Und natürlich lohnt es sich nicht zu säen, wenn man nicht ernten kann. Für dieses Problem gibt es ebenfalls zwei Lösungen:

1. Die Auswahl von Pflanzen mit kurzer Kulturzeit, beispielsweise Radieschen oder Salat und

2. die Pflanzung von „Dauergemüse“, also mehrjähriger oder ausdauernder Sorten, die man dann vielleicht im nächsten Jahr ernten kann. Hier gibt es durchaus Sorten, die recht dekorativ sind. Beispiele hierfür wären die Artischocke mit ihren leuchtend lilafarbenen Blüten, grüner Spargel, roter Mangold oder die gelben Blüten der Topinambur (Erdbirne). Der portugiesische Baumkohl, bekannt durch die „caldo verde“, ist ebenfalls ein solcher Dauerbrenner, der, wenn auch nicht gerade hübsch, so doch etwas Besonderes ist und vor allem den Vorteil bietet, dass er durchgehend geerntet werden kann. Auch die Chuchu (Sechium edule) treibt immer wieder neu aus. Man pflanzt sie am besten am Fuße eines Baumes, den sie dann mit ihren Früchten schmücken kann. Kapuzinerkresse und Ruccola hingegen säen sich immer wieder selbst aus. Nicht als Gemüse im engeren Sinne, aber doch als sehr attraktive Nutzpflanzen seien noch Piripiri und Tulbaghia (Zimmerknoblauch) genannt; letztere wird in der Algarve meist wegen ihrer hübschen, fliederfarbenen Blüte angepflanzt, kann aber auch als Schnitt-Knoblauch genutzt werden. So können überall im Garten verteilt und in einer permakulturähnlichen Gemeinschaft mit den übrigen Beetpflanzen Nutzpflanzen integriert werden, die man nur zu ernten braucht, wenn die Zeit reif ist. Das „schwarze Gold“ des Gärtners ist vielleicht das wichtigste „Geheimnis“ des erfolg- reichen Gärtners ist ausreichend Mist. Kein noch so gutes Substrat kann diesen ersetzen. Natürlich gibt es Unterschiede im Hinblick auf Tierart und Haltung, vor allem aber sollte er gut abgelagert sein, d. h. voll zersetzt, wohlriechend und tiefschwarz. Wer eine gute Quelle für dieses schwarze Gold hat, dem ist ein Erfolg fast sicher.

Tom Kaltenbach

ESA 03/14

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