Naturgarten Teil 2

Garten, …Natur, …Naturgarten Teil 2

Nachdem der Dipl. Forstwirt Tom Kaltenbach in der vergangenen Ausgabe einige Charakteristika, die für den Naturgarten kennzeichnend sind, beschrieb, bringt er uns nun Elemente des Naturgartens wie Hecken, Trocken- und Feuchtbiotope näher

Elemente des Naturgartens

Im Naturgarten wird versucht, eine naturnahe Landschaft auf begrenztem Raum zu schaffen oder zu erhalten. Zufolge der Mosaik-Zyklus Theorie ist dabei die Artenvielfalt um so höher, je mehr verschiedene Biotoptypen in einem Verbund (Mosaik) vergesellschaftet sind. So dient vielen Tierarten eine Wiese beispielsweise als Nahrungs- und Jagdraum, die angrenzende Hecke als Schlaf-Refugium und der Teich als Trink­wasser-Quelle. Dennoch sollte man in kleineren Gärten nicht versuchen um jeden Preis möglichst viele verschiedene Biotoptypen hineinzubekommen, sondern dann lieber ein Hauptthema auswählen und die anderen unterordnen, um Verwirrung zu vermeiden. Im folgenden sollen verschiedene Biotoptypen kurz vorgestellt werden:

Die Wildwiese ist wohl eine der extensivsten Formen, sein Land zu bewirtschaften. Mit ein oder zwei Schnitten im Jahr ist der Pflege genüge getan. Nach einer spektakulären Blüte im Frühjahr gleicht die Algarve-Trockenwiese im Sommer einer wüsten Einöde. Doch der Schein trügt – bei genauerem Hinsehen finden sich jede Menge Kleinlebewesen. Wenn das Gras nach der Mahd regelmäßig abgerecht wird stellt sich ein Magerrasen ein. Er ist die Heimat von Arten wie Johanniskraut, Tausendgüldenkraut und verschiedenen Orchideen. Bleibt der Schnitt als Mulchdecke liegen wird der Boden dadurch gedüngt und beschattet. Kräftigeres Wachstum ist die Folge, und es siedeln sich mit der Zeit anspruchsvollere Arten an. Von einer Anreicherung mit handelsüblichen Saatgut-Mischungen wie Schmetterlings- oder Bienenweide sei abgeraten. Da die meisten Mischungen aus Nordeuropa stammen vergehen die Pflanzen in der Regel ohnehin recht schnell wieder und machen einheimischen Arten Platz. Wer gezielt Schmetterlinge anlocken will kann statt dessen im Beetbereich Buddleja (Sommerflieder), Pfefferminz, Karden oder Tauben-Skabiose pflanzen.
Einzelne eingestreute Bäume wie Mandel, Feige, Olive und Alfarroba spenden Schatten und erhöhen die Biodiversität der Wildwiese. Dies wäre das Pendant zur nordeuropäischen Streuobstwiese. Die Hecke dient als Strukturelement, bietet Sichtschutz und fungiert als ökologischer Korridor, entlang dessen sich die Tierwelt ausbreiten kann. Sie dient als Rückzugs- und Brutraum für viele Singvogelarten, die dort zugleich einen reich gedeckten Tisch finden. Hier sei angemerkt, dass auch herkömmliche beispielsweise Myopora- oder Lantana-Hecken schon von einer Vielzahl von Lebewesen bewohnt werden. Die Naturhecke unterscheidet sich von diesen durch eine normalerweise gemischte Arten-Zusammensetzung und dadurch auch höhere strukturelle Variabilität wodurch eine noch größere Vielfalt von öko­logischen Nischen entsteht. Heimische Arten für Wildhecken in der Algarve / dem Alentejo sind: Arbutus unedo (Erdbeerbaum), Crataegus monogyna (Weißdorn), Daphne gnidium (Seidelbast), Lonicera implexa (Geißblatt), Myrtus communis (Myrte), Phillyrea spc. (Steinlinde), Pistacius lenticus (Mastix), Rosa canina (Heckenrose), Viburnum tinus (Lorbeer-Schneeball). Eine Sonderform der Hecke stellt die sogenannte „Benjes-“ oder Knüppel-Hecke dar. Diese ist zunächst einmal keine lebende Hecke im engeren Sinn, sondern aus Schnittgut und Reisig aufgeschichtet. Schnittabfall, der zu fein für die Verwendung als Brennholz ist findet hier seinen Platz. Ein vorher definierter Bereich wird mit Pfosten abgesteckt, zwischen denen die Äste und Zweige dann aufgeschichtet werden können. Der Gedanke dahinter ist, dass sich der Wall aus Zweigen nach und nach zersetzt und dabei Humus für die neue Vegetation bildet. Das Saatgut dafür wird durch die Tiere, die in der Hecke leben und den Wind eingetragen. So erfüllt die Knüppel-Hecke eine doppelte Funktion: erstens als Schnitt- „Abfall“ Platz und zweitens als Grundlage für neues Leben. Auch Totholz hat ja eine wichtige Funktion im Garten. Schon nach kurzer Zeit wird die Hecke von verschiedensten Lebewesen besiedelt werden, darunter zahlreiche Nützlinge wie Schlupfwespen, Igel und verschiedene Reptilien.

 

Trockenmauer, Natursteintreppe und Feldsteinhaufen

Diese Trockenbiotope eignen sich hervorragend zur Strukturierung des Gartens und schaffen zugleich eine gewisse Plastizität. Sie passen wunderbar in die Algarve-Landschaft und unterstreichen den mediterranen Charme eines Gartens. In den offenen Fugen ist jede Menge Platz für Kleintiere wie Eidechsen und Geckos und speziell angepasste Pflanzen. Das Abfangen von Hängen mit Natursteinmauern und die damit einhergehende Reduzierung des Gefälles fördert das Einsickern des Regenwassers in den Boden und hilft Erosion zu vermeiden. Schon ein simpler Feldsteinhaufen am richtigen Platz kann die Drei-Dimensionalität eines Gartens erhöhen und eine neue ökologische Nische schaffen.

Der Gartenteich

Das „Feuchtbiotop“ ist wohl das i – Tüpfelchen eines jeden Naturgartens. Die Bandbreite reicht von der vorgefertigten Kunststoff-Wanne, über den einfachen Folienteich bis hin zum luxuriösen Schwimmteich. Ein Gewässer bringt einen völlig neuen Aspekt in den Garten, indem es schon auf recht kleinem Raum die Ansiedelung einer gesonderten Flora und Fauna erlaubt. Man muß sich allerdings von vorne herein darüber im klaren sein, dass diese Fauna teils recht lautstark auf sich aufmerksam macht. Daher sollte der Teich mit ausreichend Abstand zum Haus angelegt werden. In einer Gegend, wo Wasser im Sommer zum kostbarsten Gut wird, dient der Gartenteich auch verschiedensten Wildtieren als Trinkwasserquelle. Doch auch kleine Gesten werden schon dankend angenommen: wem ein Teich zu viel Aufwand ist, der kann der Tierwelt schon mit einer Vogeltränke einen wertvollen Dienst erweisen.

Tom Kaltenbach
ESA 8/13

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