Naturgarten, Teil 1

Garten, …Natur, …Naturgarten

Vielmals belächelt oder gar verspottet hat sich der Naturgarten inzwischen doch einen festen Platz in jeder Gartenchronik gesichert und immer mehr Gartenfreunde lassen zumindest einen Teil ihres Gartens „verwildern“. Auch in der Algarve hat sich dieser Trend – aufgrund relativ großer Flurstücke bei limitiertem Wasserangebot – durchgesetzt

Gleich zu Beginn sei darauf hingewiesen, dass man den Naturgarten nicht mit Wildnis verwechseln darf. Zwar sind im Naturgarten die Pflegeintervalle in der Regel größer als im herkömmlichen Garten und auch die Intensität der Eingriffe oft milder, doch bleibt es trotz allem ein Garten, also ein künstlich angelegter und regelmäßig gepflegter Bereich. Der Naturgarten verbindet Naturgenuß und Erholung mit einer Naturschutzfunktion. Die einheimische Flora und Fauna soll erhalten und gefördert werden. Während der konventionelle Gärtner voller Stolz seine oftmals exotischen Pflänzchen hegt, nimmt der Naturgärtner die Perspekive eines Forschers ein, der gespannt beobachtet was die Natur von selber schafft und greift nur hier und dort regulierend ein. Eine einheitliche Definition für den Naturgarten existiert bisher nicht, wohl haben sich aber im Laufe der Zeit einige Charakteristica entwickelt, die kennzeichnend für ihn sind:
1) Es sollten verstärkt einheimische Arten eingesetzt werden. Das müssen nicht unbedingt regionale, also „autochtone“ Pflanzen sein – sogar eingebürgerte Arten finden Verwendung. Wie streng man nun bei der Interpretation dieser Richtlinie vorgeht muß letztendlich jeder Gartenbesitzer selbst entscheiden. Ein hoher Anteil an Mittelmeerpflanzen wäre jedoch wünschenswert. Oft können auch bereits vorhandene Pflanzen integriert werden. Ein Beispiel hierfür wäre etwa die alte Olive, die – nach einem dezenten Pflegeschnitt – zum Hausbaum wird. Auch Zistrose (besonders Cistus albidus/salvifolius) und Schopflavendel, Mastix und Myrte eignen sich hervorragend als Gartenpartner. Um dieses schon bestehende Grundgerüst herum können dann andere robuste Arten angesiedelt werden.

2) Damit kommen wir zum nächsten Auswahlkriterium, der Standortgerechtigkeit. Die Pflanze, wenn sie auch nicht einheimisch ist, sollte dem Standort möglichst gut angepasst sein, also nach erfolgreichem Anwachsen auch ohne weiteres Zutun überleben können. Beispiele hierfür wären Schwertlilie, Wildrose oder Zypresse. An dieser Stelle kommt nun auch der Boden ins Spiel: Handelt es sich um einen sandigen, gut drainierten Boden in Strandnähe, oder um einen schweren Tonboden? Für viele Pflanzen ist Kalk ein ernstes Problem, besonders wenn er hoch ansteht, also nur von einer dünnen Lehmschicht überlagert wird. Andere wiederum, wie der Johannisbrotbaum lieben ihn geradezu. Vor der Pflanzung sollten also unter Umständen ein paar Probegrabungen gemacht und erst dann die Pflanzen sorgsam ausgewählt werden. Hier kann fachkundige Beratung hilfreich sein.

3) Und schließlich sollten die Pflanzen nicht invasiv wachsen, oder zur sogenannten Florenverfälschung beitragen. Dies schließt wiederum solche Pflanzen aus, die hier zwar wunderbar zurechtkommen, aber leider dazu neigen sich in die Wildnis auszubreiten oder einzukreuzen und dort die einheimische Flora zu verdrängen, wie dies beispielsweise bei Mimose, Pampasgras oder Bambus der Fall ist. In den Beeten arbeitet der Naturgärtner gerne mit langlebigen Wildstauden und Kleingehölzen. Da bei diesen die Blüte oft dezenter ausfällt, als bei hochgezüchteten Zierpflanzen sollten sie in kleineren Gruppen eingestreut werden um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Da der Naturgarten selbst „wilder“ und somit unübersichtlicher ist, als herkömmliche Gärten, ist es besonders wichtig eine klare Gliederung anzustreben. Der Garten, oder auch einzelne Teilbereiche brauchen gewissermaßen einen Rahmen, um den Blick aufzufangen. Dieser wird durch Strukturelemente wie Hecken oder Natursteinmauern geschaffen. Auch ein Pavillon, ein solitärer alter Baum oder große Felsblöcke können strukturbildend wirken. Bauarbeiten werden vorrangig mit Naturmaterialien – möglichst aus der näheren Umgebung – ausgeführt, beispielsweise Natursteinmauern und -beläge, die ohne Bindemittel verbaut werden, um den Boden nicht zu versiegeln. Wege werden in der Regel leicht geschwungen angelegt, damit sie sich möglichst natürlich in das Gartenambiente einfügen. Auch Holz ist ein gerne verwendeter Baustoff. Eine neuere Art der Bauweise ist der Laubenbau, bei dem lebende Gehölze zu einem Flechtwerk verwoben werden.
Neben den klassischen Mittelmeerkräutern kommen unter anderem folgende Arten gerne im Naturgarten zum Einsatz: Anagallis monellii (kleinblättriger Gaucheil), Centaurea sphaerocephala (Flockenblume), Cistus albidus/creticus (weißliche und kretische Zistrose), Coronilla spc. (Kornwicke), Digitalis purpurea (roter Fingerhut – Vorsicht giftig!), Gladiolus illyricus (illyr. Siegwurz), Gynandriris sisyrinchium (Mittags- Schwertlilie), Hypericum perforatum (echtes Johanniskraut), Phlomis spc. (Brandkraut), Ruscus aculeatus (stechender Mäusedorn), Scilla peruviana (Peru- Blaustern), Teuricum fruticans (strauchiger Gamander) Selbstverständlich sollten die Pflanzen nicht aus der Wildnis entnommen werden!

Tom Kaltenbach
– Dipl. Forstwirt
Baumpflege / Garten- &
Landschaftsgestaltung
Grundstücksservice
Mob.: 934 973 250
www.wood-land.net

ESA 7/13

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