Palmenrüssler

Es brodelt in der Palme

Ein Problem für jeden stolzen Gartenbesitzer in der Algarve ist der Palmenrüssler. Er hinterlässt die Ruinen einst stattlicher Phoenix-Palmen – Wahrzeichen des „sonnigen Südens“ – wie die Säulen einer untergegangenen Kultur

Der Übeltäter „Rhynchophorus ferrugineus“ ist inzwischen flächen­deckend selbst in küstenfernen Lagen verbreitet und gerade jetzt im Hochsommer ist die Population auf dem Höhepunkt. Für unbehandelte Palmen ist es tatsächlich nur eine Frage der Zeit, bis sie von dem Käfer entdeckt und befallen werden. Hauptsächlich werden Palmen der Gattung „Phoenix canarensis“ ange­flogen. Gelegentlich auch andere Exemplare der Gattung Phoenix-, oder Was­hingtonia. Andere Palmen hierzulande offenbar nur in Ausnahmefällen.Das Weibchen legt seine Eier (rund 300 Stück pro Gelege) zwichen die Rindenschuppen oder in Wunden ab, von wo aus sich die geschlüpften Larven nach innen fressen. Dort wachsen sie auf etwa Fingerdicke an und fressen sich in den Wedeln nach oben, wo sie sich in einem Kokon aus Palmfasern verpuppen. Nach 80 Tagen schlüpft die nächste Generation, und der Zyklus beginnt von Neuem. Die Hauptflugzeit ist März bis Mitte Dezember, was 3-4 Generationen pro Jahr bedeutet. Durch Fallenfänge konnte allerdings eine ganzjährige Präsenz des Käfers in der Algarve bestätigt werden. Das Hauptproblem bei der Behandlung ist die rechtzeitige Diagnose: in der Regel sieht die Palme selbst in fortgeschrittenen Stadien noch sehr vital aus, da zuerst das Herz und damit die innersten Wedel befallen werden. Man sollte also seine Palmen sehr genau beobachten. Sobald ein Wedel schrägsteht oder herabhängt ist Grund zur Besorgnis gegeben. Differentialdiagnostisch muss vor al­lem zur podridão rosa (Nalanthamala vermoesenii ) abgegrenzt werden, einer agressiven Pilzerkrankung, bei der die Wedel ringförmig von außen nach innen absterben. Was aber tun? Vieles wurde schon versucht, angefangen von Hausmitteln wie Schmierseifen/Petroleum – Mixtur über biotechnische Mittel bis hin zu Insektizidcocktails. Für welchen Weg man sich auch entscheidet: Wichtig ist, dass die Tiere vernichtet werden, bevor sie in die Umgebung streuen können. An biologischen Mitteln stehen zwei Varianten zur Verfügung: Ein Nematode (Fadenwurm), der auf dem Rüsselkäfer parasitiert und ihn schließlich abtötet (Firma Biorend). Leider trocknet das Gel, das der Nützling zum Überleben braucht im Sommer sehr schnell aus, so dass dieses Mittel gerade in der Haupt- Flugzeit nur eine sehr kurze Schutzdauer gewährleistet. Duftstoff-Falle, die die Käfer (v. A. Männchen) mittels Sexuallockstoffen (Pheromonen) anlockt und unschädlich macht. Die Praxis zeigt jedoch, dass die Falle keinen vollständigen Schutz gewähr­leist. Sie dient eher zu Monitoring-Zwecken und muss unbedingt in ausreichendem Abstand zur Palme aufgestellt werden, weil sie ansonsten eher noch zusätzlich Tiere anlockt. Den sichersten Schutz bietet eine dauerhafte Prophylaxe mit Insektiziden. Seriöse Preise hierfür schwanken zwischen e 25 und e 35 pro Behandlung (evtl. plus Anfahrt). Das A und O ist dabei die Regelmäßigkeit. 1 x monatlich ist nach bester fachlicher Praxis anerkanntes Minimum um eine grundlegende Sicherheit zu gewährleisten. Werden tote oder sterbende Käfer im Bereich der Palme beobachtet, oder ist ein massiver Befall in der Nachbarschaft vorhanden, so sollte der Zyklus vorübergehend auf 14-tägig erhöht werden. Dies aber bedeutet aufs Jahr gerechnet runde 300 anfallende Kosten und permanent Gift auf dem Grundstück. Beides Faktoren, die zum Nachdenken anregen.Klar, dass da nach Alternativen gesucht wird. Wird die Phoenix-Palme einerseits mehr denn je zum Statussymbol, so bieten sich andererseits auch neue Möglichkeiten. Zunächst einmal stellt sich oftmals heraus, dass die entstandene Lücke eigentlich „gewonnener Platz“ ist. Dann steht ein enormer Fundus an Bäumen zur Verfügung, die in allen Farben blühen und so den leeren Raum mit Farbe füllen können. Pavillon oder Laube stellen ebenfalls eine hübsche Variante der Schattenoase da. Und schließlich kann auch die einheimische Flora so wieder verstärkt Einzug in die Gärten halten, denn Johannisbrotbäume, Oliven und Medronheiros können auch problemlos noch als größere Exemplare verpflanzt werden und so schnell wertvollen Schatten spenden.

Tom Kaltenbach
Dipl. Forstwirt
Baumpflege, Garten- & Landschaftsgestaltung
Grundstücksservice
Mob.: 934 973 250
www.wood-land.net

ESA 9/13

 

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