Der Olivenbaum

Die Charakterpflanze der mediterranen Vegetation

Der Olivenbaum, der zur Gattung der Ölbäume gehört, ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt. Es gibt rund zwanzig verschiedene Arten. Der Olea europaea ist die Art, die am häufigsten vorzufinden ist. Auffällig sind die außergewöhnliche Wuchsform mit den lanzettförmigen silbrig-graugrünen Blättern sowie der im Alter oft knorrige Stamm. Olivenbäume sind an der Algarve durch das mediterrane Klima sowohl in der Landschaft als auch in den Gärten ein fester Bestandteil. Hier herrschen optimale Lebensbedingungen. Sie wachsen und gedeihen allerdings sehr langsam, dafür können sie aber bei richtiger Pflege mehrere hundert Jahre alt werden und bis zu zwanzig Meter in die Höhe wachsen.

Pflanzung und Pflege
Bei der Pflanzung der Olivenbäume ist es wichtig, dass der Bodenaushub um einiges größer ist als der tatsächliche Pflanzungsbereich. Nicht zu vergessen ist, unterhalb der Wurzeln eine Drainage mit porösem Untergrund anzulegen, damit sich später keine Staunässe bilden kann. Es empfiehlt sich eine Ergänzung des Bodens mit Pflanzensubstrat, damit der Baum von Anfang an ausreichend mit Nährstoffen versorgt ist.
Olivenbäume sind sonnenhungrige Pflanzen und mögen es daher gern, den ganzen Tag der Sonne ausgesetzt zu sein. Allerdings mögen sie es nicht, dicht mit anderen Baumarten zusammenzustehen. Beim Olivenbaum handelt es sich um eine immergrüne Pflanze, das heißt, der Baum verliert und erneuert das ganze Jahr über kontinuierlich seine Blätter – unabhängig von der Jahreszeit. Die Blütezeit der Olivenbäume ist Ende April bis Anfang Juni. An einer Rispe sind zehn bis vierzig Blüten zu finden.
Alle zwei Jahre sollte man den Olivenbaum auslichten und beschneiden, um ein bestmögliches Wachstum zu erzielen. Hierzu werden alte, abgestorbene Äste und Seitentriebe mit einer scharfen Schere oder Säge entfernt. Für das Schneiden eignet sich das Frühjahr am besten, sodass der Baum dann bei steigenden Temperaturen wieder austreiben kann. Olivenbäume eignen sich auch hervorragend für die Ausführung eines Formschnitts, beispielsweise in Form einer Kugel.
Ein Olivenbaum, der bereits angewachsen ist, benötigt nicht viel Wasser. Im Sommer, bei niedrigem oder ohne Niederschlag, versorgen sich die Olivenbäume durch ihre bis zu sechs Meter tiefen Wurzeln mit Wasser aus dem Boden. Diese Fähigkeit ermöglicht es Olivenbäumen, auch auf kargem Boden zu gedeihen.

Von der Frucht zum Öl
Die ersten Früchte können nach vier bis zehn Jahren geerntet werden. Die durchschnittliche Olivenernte pro Baum und Jahr erbringt ungefähr zwanzig Kilogramm Oliven. Das entspricht etwa drei bis vier Litern Olivenöl. Um eine größere Ernte zu erzielen, kommen zunehmend Bewässerungssysteme zum Einsatz.
Die Olivenernte ist oft noch Handarbeit. Die Frucht ist sehr empfindlich und darf bei der Ernte nicht verletzt werden; dies würde zu einer Minderung der Qualität des Olivenöls führen. Für die Ernte wird eine Art Rechen benutzt – der aber meist nur für den unteren Teil des Baumes verwendet wird. Für die oberen Äste wird ein Stock benutzt, mit dem die Früchte vom Baum geschlagen werden, sodass sie auf ein zuvor gespanntes feinmaschiges Netz fallen. Zwischen der Ernte der Früchte und deren Pressung sollten nicht mehr als drei Tage vergehen, da sonst die Qualität des Öls leidet.
Der Erntezeitpunkt ist meist dann, wenn sich die grüne Farbe der Frucht in einen violetten, fast schwarzen Farbton ändert. In der Regel liegt die Erntezeit zwischen Oktober und Februar – abhängig von Art und Standort des Olivenbaumes sowie natürlich von den Wetterbedingungen. Der Reifegrad der Früchte ist entscheidend für die Qualität der Oliven und des Öls und ist daher genau abzupassen. Der Geschmack des Olivenöls ergibt sich aus der Olivensorte, der Mischung und dem Reifegrad.

Text: Jan Steenken; Foto: Anabela Gaspar
In ESA 01/16

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