Bambus im Garten

Als eine der wichtigsten Pflanzen der fernöstlichen Gartengestaltung hat sich der Bambus auch in Europa längst einen festen Platz erobert. Gerade in Portugal finden sich für viele der 1447 Bambusarten wegen des milden Klimas ideale Bedingungen

Taxonomisch gesehen gehört der Bambus zur Familie der Süßgräser und damit zu den einkeimblättrigen Pflanzen. Mit seinem immergrünen Laub eignet er sich sowohl für Einzel- als auch Gruppenpflanzung. Ob im Topf, als einzelner Horst oder im Hintergrund als immer- grüne Hecke gibt der Bambus stets eine gute Figur ab. Die schlanken, fein beblätterten Halme wirken grazil und vermitteln besonders in modernen Gärten eine schlichte Eleganz. Auch in sogenannten „grünen Gärten“, die sich durch das Fehlen bunter Blüten auszeichnen, ist der Bambus sehr beliebt. Größere Exemplare dienen als Schattenspender und vermitteln ein fast urwaldartig anmutendes exotisches Flair. Ausserdem zählt Bambus zu den „sonoren Pflanzen“. Wenn der Wind durch die Blätter streicht, entsteht ein charakteristisches Rascheln, das dem Garten eine zusätzliche, akustische Komponente gibt. Daher empfiehlt sich der Anbau von Bambus auch in der Nähe von Straßen etc., um unerwünschten Verkehrslärm zu verbergen. Farblich varriiert vor allem die Farbe der Halme – von leuchtendem goldgelb über gras- grün bis tiefschwarz. Für Liebhaber von Kontrasten stehen auch gemusterte Sorten und solche mit meliertem Laub zur Auswahl. Es gibt Bambus in jeder nur denkbaren Größe. Angefangen von Nana-Sorten, die nur wenige Zentimeter hoch werden, bis zu Dendrocalamus brandisii mit einer Endhöhe von 38 Metern. Entsprechend unterschiedlich sind die Nutzungsformen. Für konstruktive Zwecke kommen vor allem größere Sorten in Frage, die in ihren Zellwänden viel Lignin anreichern. Auch hochwertige Furniere werden aus Bambus gewonnen. Schlankere Sorten wurden traditionell für Werkzeug- und Pfeilschäfte verwendet und sind im Garten als Anbinder unersetzlich. Schon allein deswegen kann es sinnvoll sein, eine (mittelgroße!) Bambusstaude zu pflanzen. Zur kulinarischen Verwendung hingegen sind besonders größere Exemplare der Gattungen Bambusa, Dendrocalamus und Phyllostachys geeignet. Gerade bei größeren Sorten ist es jedoch unbedingt notwendig, ihnen von Anfang an genug Platz einzuräumen, damit sie später die übrige Vegetation nicht bedrängen. Eine chinesische Gartenweisheit besagt, Bambus sei in der Lage, den Grundwasserspiegel zu heben. Ob dem so ist oder nicht – viele Bambussorten bevorzugen frische Standorte, auf keinen Fall jedoch Staunässe. Ein gut angewachsener Bambus kommt in der Regel auch ohne zusätzliche Bewässerung aus – wobei er kleine Wassergaben während der heissesten Zeit dankbar annimmt und entsprechend weniger Laub abwirft. Ideal geeignet sind gut drainierte, lehmig-sandige Böden mit leicht saurem bis neutralem ph-Wert. Auch sollte der Platz nicht zu windexponiert sein. Im Feng Shui wird Bambus dem Yang zugeordnet und die Eigenschaft zugeschrieben, gute Energien in den Garten zu holen. Seine Charakteristika sind Schlankheit, Geschmeidigkeit und Stärke. Konfuzius geht so weit, ihn mit einem echten Gentle­ man zu vergleichen, der sich im Wind biegt, ohne dabei zu brechen.

Tom Kaltenbach

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