Australier in unseren Gärten

Australier in unseren Gärten:

Kangaroo Paws und Guinea Flowers
Was hat, abgesehen vom Anfangsbuchstaben, Algarve mit Australien gemeinsam? In einigen Regionen dieses vielseitigen Kontinents herrschen Klimaverhältnisse, die mit denen der Algarve durchaus vergleichbar sind
von MARIE GIERING

Wer bei Australien in erster Linie an Eukalyptus denkt, befindet sich im wahrsten Sinne auf dem Holzweg, aber auf dem richtigen. Eukalyptus stammt in der Tat von dort, über 700 Arten der immergrünen Baumfamilie gibt es. Nicht nur der Koalabär weiß sie zu schätzen. Als Kulturpflanzen sind sie weltweit verbreitet, vor allem in den trockenen tropischen und subtropischen Regionen Südamerikas, Afrikas, Indiens und Vorderasiens. Sie wachsen, auch auf nährstoffarmen Böden, rasch in die Höhe und liefern Schatten, Nutz- und Brennholz und aromatisches Öl. Andererseits ist zu beklagen, dass ausgedehnte Eukalyptuspflanzungen die traditionelle Flora und damit auch Fauna verdrängen und insgesamt das ökologische Gleichgewicht stark verändern können. Der in Portugal angebaute Eukalyptus globulus wurde als erste Art der Gattung Eukalyptus nach Europa und Nordamerika eingeführt. Die Triebe mit den noch rundlichen, wachsartig bläulich bereiften Jugendblättern wirken in Schnittblumenarrangements äußerst attraktiv und werden vom Blumenhandel gern dafür geordert. Die Rinde des Baumes wird jährlich abgestoßen, wobei alte und neue Rinde ein kontrastreiches Muster bilden. Wer die manchmal bizarre Statur dieser Bäume bewundert und sich deshalb ein Exemplar in seinen Garten holt, muss sicherlich kein schlechtes Ökogewissen haben. Er muss nur genügend Platz haben. Eukalyptus globulus kann bis zu 60 Meter hoch werden und einen Stammdurchmesser von zwei Meter erreichen. Solche prächtigen Eukalyptusriesen sind selten anzutreffen, da die Mehrheit der Artgenossen ja zwecks Gewinnerzielung regelmäßig abgeschnitten wird. Eine kleinere Alternative ist der Purpureukalyptus Eucalyptus ficifolia, ein bis zu zehn Meter hoher Baum, der in Gebieten mit regenreichen Wintern im späten Frühjahr mit spektakulären scharlachrotorangen Blütenbüscheln aufwartet.

Marie Giering, Landschaftsarchitektin, lebt in Monchique und gibt regelmäßig Tipps für die ESA-Leser. Kontakt: Tel. 282 912 630

Doch hat Australien noch weit mehr Spezies für die Algarve zu bieten. Einige davon sind auch in hiesigen Gärtnereien zu finden. Westringia fruticosa beispielsweise, auch ,,australischer Rosmarin” genannt. Diese Bezeichnung ist etwas übertrieben; zwar verfügt Westringia über nadelartig geformte Blätter wie Rosmarin, allerdings ohne den herrlich würzigen Duft, der für Rosmarin das Charakteristische ist. Wir haben es hier mit einer sehr gutmütigen Pflanze zu tun: sie findet sich in fast allen Lagen und Bodenverhältnissen zurecht, solange sie ihre Wurzeln in gut durchlässiges Substrat versenken kann. Obwohl sie nichts gegen einen Schluck Wasser hat, nimmt sie auch ausgedehnte Trockenperioden hin. Man kann Hecken mit ihr gestalten, denn sie lässt sich jeden Schnitt gefallen; ihr graues Laub mit den kleinen hellblauen oder weißen Blütchen harmonisiert mit allen benachbarten Blüten- oder Blattfarben. Ein weiterer guter Bekannter aus Australien ist Callistemon, der,,Flaschenbürstenbaum” oder ,,Zylinderputzer”, wie er aufgrund der Form seiner Blüten genannt wird. In Australien locken die nektarreichen, auffälligen roten Blüten kleine Papageien an. Callistemon citrinus mit dem etwas steiferen Habitus wurde als eine der ersten Arten in Kultur genommen. Seine zerriebenen Blätter verströmen einen leichten Zitronenduft. Der wuchskräftige Strauch erreicht in der Regel schnell eine Höhe von drei Meter und bleibt dann dabei. Sein Kollege Callistemon viminalis, der weidenartige, dessen weichfallende hängende Zweige in der Tat etwas an eine Trauerweide erinnern, kann bis zu neun Meter hoch werden. Bei beiden erscheinen die Blüten in mehreren Wellen vom Frühjahr bis in den Herbst. Leichter Rückschnitt nach der Blüte verhindert die Ausbildung von Samenkapseln und bestärkt damit den buschigen Wuchs und die Blüte. Melaleuca, die Myrtenheide, ist übrigens ein Verwandter des Callistemon. Wenn man Melaleuca armillaris mit den weichen Nadelblättern nicht zu kastenförmigen Heckengebilden zurechtstutzt, wie dies meistens geschieht, um Gärten und ihre Einwohner neugierigen Blicken zu entziehen, sieht man die Verwandtschaft. Darf Melaleuca zu voller Baumgroße heranwachsen, hat sie Gelegenheit, ihre interessant strukturierte Rinde und die hübschen weißen Blütenähren zu präsentieren, die ebenfalls wie Flaschenbürsten geformt sind. Ein richtig großer Australier bei uns ist die australische Silbereiche, Grevillea robusta. Sie stammt aus den subtropischen Regenwäldern der Ostküste Australiens und wird bis zu 30 Meter hoch. Im Frühjahr ,,erfreut” sie den Gärtner mit enormen Mengen abgeworfenen Laubes, um allerdings danach gleich mit einer Fülle goldgelber langer Blütenstände zu begeistern. Das unbeschreibliche Blau der Jacaranda und das Goldorange der Silbereiche nebeneinander ­ beide blühen zeitgleich ­ ist ein beeindruckender Anblick. Die Gattung Grevillea ist außerordentlich vielseitig, unter ihren etwa 250 Arten finden sich die unterschiedlichsten Formen, vom Baum bis zum kriechenden Bodendecker. Allen gemeinsam ist die lange Blütezeit und exotisch geformte, spinnenbeinige Blüten. Grevillea rosmarinifolia, ein dichter, bis zwei Meter hoher Strauch mit glänzenden Nadeln, die zwar unangenehm pieken, entschädigt aber durch scharlachrote Blüten im Winter. Außerdem respektieren unsere Gartengenossen der Gattung Hund diese Blattnadeln. Etwas weicher gibt sich Grevillea juniperina, bei der australische Züchter für verschiedene Blütenfarben von goldgelb bis aprikosenfarben gesorgt haben. Grevillea lanigera schließlich bleibt bescheiden am Boden, oder auch gerne im Topf, und bildet dort cremefarbene Blütenbüschel. Grevilleen sind robuste, krankheitsunanfällige Gartengenossen, solange man ihnen Wärme und gut drainierten Boden bietet. ,,Kangaroo Paws” dürfen natürlich nicht fehlen, wenn es um Australien geht. Es heißt, die Röhrenblüten von Anigozanthos seien an der Spitze wie die Vorderpfote eines Känguruhs geformt. Die immergrüne Staude mit den riemenartigen Blättern hat sehenswerte Blüten in allen Rot- und Gelbtönen, die von Vögeln bestäubt werden. Anigozanthusarten sind sehr wärmeliebend und gehören nicht zu den wassersparenden Zeitgenossen, sie müssen reichlich gegossen werden, damit sie sich gut entwickeln. Bei der Benennung der Pflanzen ist man in Australien überaus fantasiereich: Guinea flowers verdanken ihren Namen den runden Blüten, die gelb wie eine goldene Guineamünze leuchten. In der Algarve kann man gelegentlich Hibbertia scandens finden, die rankende Kletterpflanze, die den ganzen Sommer über ihre goldgelben Blütenmünzen produziert. Außer Frost toleriert sie fast alles, sogar Salzluft und sandige Küstengärten, wir sollten jedoch auch ihr regelmäßige Wassergaben zukommen lassen. Was macht nun aber Franziska Gräfin von Hardenberg auf dem Fünften Kontinent? Sie ist die Namensgeberin der Hardenbergia, eines immergrünen Kletterers mit wunderbaren blauen Blüten, auch ,,wilde Wisteria” genannt. War es eine wilde Gräfin oder eine wisterialiebende Blaublütige, die die Blütenstände der australischen Art mit der von ihr geschätzten Rankpflanze verwechselte? Australien birgt noch viele Rätsel; und noch viele weitere Pflanzenarten, die sich auch in der Algarve Zuhause fühlen, vielleicht auch in Ihrem Garten?

Grevillea robusta

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ESA 09/07

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