Grüne Vorsätze

Grüne Vorsätze

Alljährlich zu Jahresbeginn ist man wider besseres Wissen besonders geneigt, jene ,,von jetzt an”-Beschlüsse zu fassen. ,,Nimm di nix vör, denn sleit di nix fehl”, pflegte meine norddeutsche Großmutter dann zu bemerken. Doch das neue Jahr verlangt nach neuem Anfang, frischem Elan, Veränderungen

Also, auf zu neuen Ufern. Aber nicht die üblichen, typischen gute-VorsatzThemen ,,weniger Essen”, ,,nicht mehr Rauchen”, keine dies und nie mehr das. Sondern Neues schaffen, planen, träumen und Visionen entwickeln. Wo? Natürlich im Garten. Der Jahresanfang ist ein idealer Zeitpunkt, um im Garten eine gründliche Inventur vorzunehmen. Am besten wandern Sie frühmorgens, frisch und aufnahmebereit, mit Block und Bleistift durch Ihr privates Grün und halten fest, was stört, wie geändert werden sollte, wo Schneiden Not tut, was umgesetzt werden könnte, welche Ecke einer totalen Überholung bedarf und wo das bestehende Arrangement grundsätzlich überdacht werden muss. Stehen Sträucher so eng Schulter an Schulter, dass sie sich nicht mehr entfalten können? Gibt es Lücken im Sichtschutz zur Straße? Könnte man die Hunderennbahn vielleicht etwas umlenken? Schreiben Sie alles wild durcheinander auf, was Ihnen in den Sinn kommt. Geordnet wird später. Gibt es Pflanzenleichen zu beklagen oder zeigen gilbende Blätter, ärmliche Belaubung, Rostflecken, Welkeerscheinungen, dass hier etwas kränkelt? Dann wäre es gut, die Ursache herauszufinden, um Ansteckungen zu vermeiden und dem Übel im wahrsten Sinn des Wortes an die Wurzel zu gehen. Die chemische Industrie bietet für fast jedes Pflanzenwehwehchen ein probates Mittel, aber nicht jede Blattlaus muss gleich mit der chemischen Keule bekämpft werden. Immer richtig ist es jedoch, befallene Pflanzenteile zu entfernen und nicht auf den Kompost zu werfen. Pilzkrankheiten könnten sich dort ausbreiten. Kleine Mengen dürfen in den Müll, bei größeren Gebinden hilft eventuell ein genehmigtes Feuer oder der fachgerechte Abtransport durch eine Gartenbaufirma. Erinnern Sie sich auch daran, wie alles im letzten Sommer aussah. Wo wirkte die Bepflanzung zu schütter, wo hätte der Blütenflor etwas üppiger sein können? Wie war es mit der Beschattung am Sitzplatz? Vielleicht könnte ein grünes Laubdach wohltuend wirken, das im Sommer Schatten spendet, im Herbst sich aber seiner Blätter entledigt, sodass die Sonne dann ungehindert ins Haus scheinen kann. Oder man entscheidet sich für eine Pergola, ein Sonnensegel. All diese Veränderungen ziehen dann wiederum kleinere Umgruppierungen in der Umgebung nach sich, die auch bedacht sein müssen. Fantasie und Vorstellungsvermögen sind gefragt. Pflanzen in Poolnähe sind ein heikles Thema. Wer selbst für die Reinigung seines Planschbeckens sorgt, weiß das. Es ist schön, beim Schwimmen ins Blätterwerk zu sehen, aber Blätter und Blütenstände, die ins Wasser abgeworfen oder vom Wind eingetragen werden und den Skimmer zum Husten bringen können, sind der Frust des Reinigungspersonals. Sind Ihre Pflanzen am Pool sauber? Verschiedene Phormien, Strelizien, Zwergpalmen und Hibiskus sinensis können reizvoll mit Sukkulenten kombiniert werden, auch Sträucher wie Westringia, Coprosma und eine große Anzahl der mediterranen Pflanzen benehmen sich durchaus stubenrein. Von Bougainvilleen kann man das nicht behaupten, sie verstreuen ihre abgeblühten, papierartigen Hüllblätter großzügigst. Andererseits gehören sie zum Süden wie Sonne und Meer, und ihre leuchtenden Farben sind Inbegriff des Sommers. Sie erhalten einen Platz an der poolabgewandten Seite des Hauses. Begeistern Sie sich für ein neues Pflanzenthema! Es gilt zum Beispiel, die Vielfalt der Zwiebelpflanzen zu entdecken, die in hiesigen Klima- und Bodenverhältnissen besonders gut gedeihen. Lassen Sie die verdienstvollen, aber sattsam bekannten Tulpen/Lilien/Narzissen fürs erste beiseite und suchen Sie nach unbekannteren Arten, die mit ganz anders geformten, nicht weniger reizenden Blütenständen überraschen und, in Gruppen gesetzt, ein anspruchsloses, pflegefreies Dasein fristen: Babiana (Kapknolle), Ipheion (Frühlingsstern), Ixia (Klebschwertel), Kniphofia (Fackellilie). Zwiebeln, Knollen und Rhizome kann man sehr gut bei spezialisierten Händlern per Versand erwerben, Adressen lassen sich im Internet finden. Ein klassischer Rosengarten? Rosenneupflanzungen gedeihen am besten, wenn sie im Herbst/Winter angelegt werden und noch einen ordentlichen Schwung Winterregen und kühlere Witterung als Startkapital bekommen. Kräuter? Ein Thema wie geschaffen für die Algarve. Vorsicht, dass Sie dabei nicht die Sammelleidenschaft packt. Es gibt 900 Salbei-, 300 Thymianarten, und zu den schon bekannten zahlreichen Minzen, Rosmarin, Basilikumsorten werden immer neue Züchtungen hinzugefügt. Zwar findet man in den Gärtnereien der Algarve nur ein kleines Spektrum davon, es wird aber von Jahr zu Jahr größer, und für Sammler bieten sich auch hier einschlägige Versandfirmen an. Wer im neuen Jahr gerne etwas für die Gesundheit tun möchte, der sollte sich dem Obst und Gemüse zuwenden, das ja bei allen Ratgebern zum Thema ,,richtige Ernährung” immer ganz obenan steht. Bekanntlich hat das Supermarktgrün aus Massenpflanzenhaltung nur noch einen Bruchteil der Nährwerte, den die Gewächse früherer Zeiten ihrem Esser mitlieferten, als sie noch ohne Wachstumsförderung, ungenormt und mit äußerlichen Schönheitsfehlern gedeihen durften. Um dieses Defizit wettzumachen, haben clevere Marketingstrategen die neue Verkaufsidee ,,Nahrungsergänzungsmittel” erfunden. Produzieren Sie sich Nahrung, die nicht ergänzt werden muss! Heutzutage sind alte Obst- und Gemüsesorten der wahre Luxus. Und das Aroma einer frisch vom Strauch gepflückten Tomate ist schlicht unbezahlbar. Die eigenhändige Bestellung und Pflege der Beete sorgt gleichzeitig für gesunde Bewegung, und das Erfolgserlebnis Ernte liefert positive Glückshormone. Wer seinen Corpus noch zusätzlich in Gang bringen möchte, kann sich seinen eigenen Fitnessparcours im Garten schaffen, oder er legt sich eine Boulebahn zu, wo, je nachdem, eine ruhige Kugel geschoben oder ein heißer Wettkampf ausgetragen wird. Wenn Sie schließlich all Ihre Einfälle geordnet und aufeinander abgestimmt haben, ihr Budget befragt und das Machbare nach den Kriterien ,,sofort” und ,,erst später” sortiert haben, dann gilt, frei nach Goethe: Ideen sind genug gesammelt, lasst uns nun endlich Taten sehen!

,,…und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…”, bestätigt Hermann Hesse in seinem Stufengedicht, in dem er für ein stetiges Fortschreiten und gegen Gewohnheit und Stagnation plädiert

ESA 01/07

Marie Giering, Landschaftsarchitektin, lebt in Monchique und gibt regelmäßig Tipps für die ESA-Leser. Kontakt: Tel. 282 912 630

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