Feng Shui in der Algarve

Feng Shui in der Algarve

Der Mensch und die Umwelt sind eins, sagt ein altes chinesisches Sprichwort. Feng Shui ist das zusammengetragene reiche Erfahrungswissen des Fernen Ostens für ein Leben im Zusammenklang mit der Umwelt. Gesundheit, Glück und Wohlstand sind die Folge, wenn die Harmonien der sichtbaren und der unsichtbaren Welt vereint werden können
“Das Sichtbare, das Seiende gibt dem Werk die Form. Das Unsichtbare, das Nichts gibt ihm Wesen und Sinn”, sagt Lao Tse. Dieses Wissen ist universell und kann an allen Plätzen der Erde angewandt werden. Im Fernen Osten sind große architektonische Vorhaben ohne Feng Shui-Berater undenkbar, inzwischen ist aber auch im Westen das Interesse an dieser Lehre erwacht, und die Regeln des Feng Shui für die Gestaltung von Innen- oder Außenräumen finden immer mehr Beachtung. Der Hausgarten wird aus Sicht des Feng Shui als erweiterter Körper des Menschen und seines Wohnhauses betrachtet, er hat schützende, nährende und inspirierende Aufgaben. Diese Funktion des Gartens wird vernachlässigt, wenn er nur die Bedeutung eines zierenden, pflegeleichten Abstandshalters zum Nachbarn hat. Feng Shui lehrt den Umgang mit der unbegrenzt zur Verfügung stehenden Lebensenergie Chi, die sich in allem befindet, was uns umgibt. Energie ist immer in Bewegung, das ist ein Naturgesetz. Es ist deshalb wichtig, die Umgebung so zu gestalten, dass Chi, gute Energie, frei strömen kann. Es gilt aber auch, die zerstörerische Energie des Sha Chi zu neutralisieren. Von scharfkantigen Ecken, langen Geraden, spitzen Formen gehen aggressive Energieströme aus, die Unruhe und Schwächung verursachen, während weiche, sanfte Strukturen gute Energieflüsse ermöglichen. Sha Chi Ströme können mit entsprechend positionierter Bepflanzung und gegebenenfalls kleinen baulichen Massnahmen abgewehrt werden: der pfeilgerade Weg wird durch einen Rosenbogen unterbrochen, die scharfe Hauskante durch eine Rankpflanze gemildert. Aber nicht nur Pflanzen sorgen für zusätzliche gute Energien, auch Gartenaccessoires wie Steine, Wasser, Beleuchtung, Klangspiele, Skulpturen helfen dabei. Nach chinesischer Tradition richtet sich das ganze Universum nach zwei gegensätzlichen und sich gleichwohl ergänzenden Prinzipien aus Yin und Yang. Die Aufgabe besteht nun auch im Garten darin, die verschiedenen Ausformungen der beiden Aspekte so zu integrieren, dass ein harmonischer Zusammenklang erreicht wird. Ein überwucherter, düsterer Garten (zuviel Yin) braucht Licht und Wärme (Yang), er sollte also ausgelichtet und mit warmen Blütenfarben gefüllt werden. Einem leergeräumten, kahlen Garten (zuviel Yang) hingegen fehlt Geborgenheit und Schutz (Yin), was durch entsprechende Bepflanzung bewirkt werden kann. Offene und dicht bewachsene Gartenbereiche, Bewegungszonen und Ruheplätze sollten sich ergänzen, Nadelgehölze mit Laubpflanzen kombiniert werden, Stacheliges mit Weichblättrigem, Aufragendes mit Ausladendem, Bodendecker mit Hochgewachsenem. Ein gut ausbalancierter Garten ist ein Ort der Kraft, an dem man sich wohlfühlt. Aber nicht nur Yin und Yang, auch die Elemente ­ nach chinesischer Tradition sind es fünf: Feuer, Erde, Metall, Wasser, Holz ­ sind in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen, damit der Garten wirklich als harmonisch empfunden wird. Nach dieser Lehre ist jedes Lebewesen, einschließlich der Pflanzen, jedes Material, jede Form und jede Farbe einem Element zuzuordnen. Pflanzen des Elements Feuer sind feuerfarben, flammenförmig, wie etwa Feuerlilie, Sonnenblume, Löwenmäulchen; Pflanzen des Elements Wasser sind beispielsweise Lavendel, Fingerhut, Weigelie. Neben den Elementpflanzen gibt es noch eine eigene Gruppe von Pflanzen, die keinem der fünf Elemente zugeordnet werden, sondern sich mit ihren speziellen Eigenschaften in das große Ganze fördernd einfügen. Rosen gehören zu dieser Spezies, Efeu, manche Obstbäume und Gemüsearten, Kräuter. Die Elemente können sich gegenseitig beeinflussen, weshalb die genaue Kenntnis ihrer jeweiligen Eigenschaften und Wirkungsweisen erforderlich ist: Feuer löscht Wasser, kann aber seinerseits Metall zum Schmelzen bringen. Metall wiederum schneidet, in Form einer Axt oder Säge, Holz. Holz durchdringt mit seinen Wurzeln die Erde, die wiederum als Damm das Wasser begrenzen kann. Anzustreben ist eine gegenseitige Ergänzung der Elemente: Holz nährt Feuer, dieses hinterlässt Asche, also Erde. Am kalten Metall kondensiert Wasser, welches vom Holz zum Wachstum benötigt wird. All diese Aspekte in Einklang zu bringen, ist nicht unkompliziert. Um versteckte oder gestörte Energien zu eruieren, arbeitet die Lehre des Fen Shui mit einem Raster, dem Bagua, das den zu gestaltenden Bereich in drei mal drei gleich großen Abschnitte teilt. Die Begriffe ,,Wissen, Karriere, Freunde, Familie, Kinder, Reichtum, Ruhm, Partnerschaft, TaiChi (Zentrum)” entsprechen in genau festgelegter Reihenfolge je einem der Teilbereiche. Ist eine der Baguazonen verwahrlost oder ungünstig gestaltet, können die Energieströme hier nicht frei zirkulieren, so deutet dies auf ein mögliches Defizit im betreffenden Lebensbereich hin. Grundlage für dieses Vorgehen ist die Überzeugung, dass das äußere Erscheinungsbild immer auch einen Hinweis für eine innere Veranlagung oder momentane Befindlichkeit bietet, nichts ist rein zufällig so, wie es ist. Das Bagua soll als Spiegel der Persönlichkeit Stärken und Schwächen aufzeigen, sodass noch zu entwickelnde Lebensbereiche festgestellt und gezielt verbessert oder gestärkt werden können. Die Wissenszone beispielsweise sollte Ruhe und Stabilitärt ausstrahlen, um Ablenkungen zu vermeiden und dadurch das geistige Potential zu steigern. Ein von Hecken abgeschirmter, behaglicher Sitzplatz zum Entspannen und Meditieren wäre hier das Richtige. Da die Elemente Erde und Feuer die Wissenszone aktivieren, sind entsprechende Pflanzen und Accessoires bei der Gestaltung bevorzugt einzusetzen. Der ideale Feng Shui Garten ist ein Garten der Sinne, in dem sämtliche Wahrnehmungsebenen ­ Sehen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken ­ angesprochen werden und das Chi ungehindert fließen kann; er belebt und inspiriert und gibt gleichzeitig Raum zum Entspannen und Träumen. So vereint und integriert er alle Gegensätze unseres Lebens.

,,Aus nassem Ton werden Gefäße geformt. Jedoch die Leere darin ermöglicht erst das Füllen der Krüge.”
Lao Tse

Marie Giering, Landschaftsarchitektin, lebt in Monchique und schreibt in regelmäßigen Abständen für die ESA. Kontakt: Tel. 282 912 630

ESA 02/05

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