Citrina: Grazile Zitrus-Zierbäumchen

Eine der größten Produktionsstätten von Zitrus-Zierbäumchen in Europa liegt in Paderne im Bezirk Albufeira. Die Algarve-Bäumchen sind die neue Tendenz im zeitgenössischen Innendesign

Kim, Lara, Lisa, Leila, Lyvia, Ophelia und Oriana: Frauennamen, die die verschiedenen kleinen, eleganten Zitrusbäumchen bezeichnen, die im Hinterland der Algarve produziert werden und derzeit vor allem in Nordeuropa für Furore sorgen. Sie fallen wegen ihrer üppigen, kräftig grünen Blätter und ihrer bunten Früchte auf und können sowohl als Zier
element im Haus oder zur Produktion von kleinen, essbaren Früchten dienen.
Auf der 30 Hektar großen Produktionsfläche des Unternehmens Citrina wachsen jährlich zirka eine Million Pflanzen. Herbizide werden nicht verwendet und auch andere Chemikalien, um Schädlinge zu bekämpfen, werden vermieden. Dank dieser umweltfreundlichen Methoden wurden die Früchte der Zierpflanzen von Citrina international als essbar und gesund zertifiziert. 99 Prozent der Produktion werden vom firmeneigenen Verteilerzentrum in den Niederlanden in 30 Ländern exportiert. In Paderne hat das Unternehmen 70 Angestellte, in den Niederlanden fünf weitere; das jährliche Geschäftsvolumen beträgt im Durchschnitt vier Millionen Euro. „Nicht schlecht für ein Unternehmen, das bei Null begann“, berichtet Citrina-Direktor Nick Henley Welch.

Wie alles begann
Begonnen hat alles Ende der 1960er Jahre noch während der Salazar-Diktatur, als Andrew Welch 
Henley, Gründer des Unternehmens und Nicks Vater, Portugal besuchte. „Ich kam auf Einladung der portugiesischen Regierung, die damals ausländische Investoren anlocken wollte“, erzählt der Gründer in fast perfektem Portugiesisch. In den 1970ern erkannte das junge Paar aus der englischen Grafschaft Essex dann in der Algarve das Potenzial, um Orangen und Zitronen zu produzieren. Mit knapp 20 Jahren zogen Andrew und Lindsey Welch in den Süden Portugals und wählten Paderne als Standort. Sie kauften das zehn Hektar große Grundstück, auf dem sich noch heute der Hauptsitz des Unternehmens befindet, und pflanzten die ersten Setzlinge: fünftausend Zitronen- und Orangen-Bäume. Für Letztere wählten sie die Sorte Valencia Late, eine alte portugiesische, wuchsstarke Süßorange, die den ganzen Sommer gepflückt werden kann. „Im Sommer gab es wenig Orangen, die Nachfrage aber war groß und daher waren sie fast so viel wie Gold wert!“, erzählt Andrew. „Andere Landwirte sahen unseren Erfolg und wollten Bäume von uns kaufen. Ich eröffnete die Baumschule Viveiros do Foral und belieferte somit meine spätere Konkurrenz“, erzählt er gut gelaunt weiter. „Wir haben -alles von Null an aufgebaut und selbst gemacht. Vom -Setzen der Bäume bis zum Pflücken der Früchte.“ In den 1980ern waren sie bereits die größten Zitrus-früchte-Lieferanten auf dem portugiesischen Markt.

Die Metamorphose der Zitrusfrüchte
Andrew ging immer gerne Risiken ein und suchte Produkte, die es ihm ermöglichten, neue und vielversprechende Märkte zu erobern. Daher entschied er sich nach einigen Experimenten, Zier-Zitrusbäumchen zu produzieren. „Wir beschlossen erneut, bei Null anzufangen und die gesamte Produktion umzustellen. Statt Viveiros do Foral heißt das Unternehmen seit 2015 Citrina. Wir haben ein neues Image entwickelt und wollten einen Namen, der einfach auszusprechen ist und der das neue Produkt repräsentiert“, erklärt Nick, der das Unternehmen von 
seinem Vater übernahm.
„Hier in der Algarve haben wir das ganze Jahr über Sonne, aber im Ausland ist die Nachfrage nach Zierpflanzen für das Haus sehr groß, vor allem in Nord-
Europa, wo die klimatischen Bedingungen für diese Bäume nicht günstig sind“, so Nick. Die Kunden seien vor allem Menschen, „die etwas Exotisches, Farbenfrohes, Duftendes und Typisches“ haben möchten, das sie an die Algarve erinnert.
Mit der wachsenden Nachfrage nach Zitrus-
Zierpflanzen stieg auch die Bekanntheit des Unter-nehmens auf internationaler Ebene. Mittlerweile werden Citrinas Zierpflanzen aus der Algarve, mit Zwischenstopp in den Niederlanden, vor allem nach Skandinavien, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Russland und in weitere osteuropäische Länder exportiert. Um die Marke Citrina noch weiter bekannt zu machen, nimmt die Familie Henley-Welch stets an internatio-nalen Messen teil wie der Internationalen Pflanzenmesse in Essen (IPM ESSEN), die als Weltleitmesse des Gartenbaus gilt, oder der 
FloraHolland-Messe in den Niederlanden.

Wissenschaft, Forschung und Innovation
Die Bäume brauchen zirka zweieinhalb Jahre, um die für die Vermarktung nötige Größe zu erreichen. Zusammen mit dem Institut Valenciano für Agrar-
wissenschaften (IVIA) entwickelt Citrina neue Sorten von Zier-Zitrusbäumen. „Durch Kreuzungen  verschiedener Sorten produzieren wir neue, verbesserte Sorten. Es ist ein langwieriger Prozess, der Jahre dauern kann“, erklärt Nick. Doch Innovation spielt eine entscheidende Rolle im Unternehmen. Daher entwickelt Nick derzeit auch eine Software, die es ihm ermöglichen wird, die gesamte Produktion über sein iPhone zu kontrollieren. Mit dem Programm will er unter anderem genau feststellen können, wie viele Setzlinge an einem Tag gepflanzt wurden oder wie viele Personen beim Umpflanzen der Bäume involviert waren sowie die dafür aufgewendete Zeit. Die Qualitätskontrolle spielt ebenfalls eine wichtige Rolle und auch in diesem Bereich nutzt Nick modernste Technik: Mithilfe eines Scanners weiß Nick nicht nur genau, welche Größe und Form jeder Zierbaum hat, sondern sogar wie viele Früchte er trägt. „Für anspruchsvolle Kunden wie den multinationalen Einrichtungskonzern IKEA müssen wir bestimmte Kriterien erfüllen. Alle Bäume müssen 35 Zentimeter groß sein, eine runde Form haben und mindestens zehn Früchte tragen“, 
berichtet Nick.

Auf dem portugiesischen Markt
Bezeichnend ist, dass diese Algarve-Pflanzen hierzulande praktisch nicht im Handel sind. Deswegen hat Citrina seit Kurzem einen Online-Shop. Interessenten können zwischen den verschiedenen Pflanzensorten wählen und sogar die Farbe des Blumentopfes aussuchen. Die zur Verfügung stehenden Sorten sind: Kumquat (Kim), Limonella (Lara), Meyer-Zitrone (Lisa), Kaffern-limette (Leila), Limequat (Lyvia), Nagami Kumquat (Ophelia) und Orange (Oriana). Sie sind in drei verschiedenen Größen erhältlich, kosten zirka 20 Euro plus Versandkosten und werden zur gewünschten 
Adresse geliefert. Auf der Webseite sind zudem Videos abrufbar, die Tipps zur Pflege der jeweiligen Pflanzen geben, sowie Informationen zu Herkunft und Blütezeit, leckere Rezepte rund um die kleinen Früchte und Innendesign-Vorschläge, um die perfekte, duftende Atmosphäre zu schaffen.

Text: Sara Alves

Für Informationen
zu den verschiedenen
Pflanzen, Online-Shop
und Rezepte siehe
www.citrina-plants.com

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