Ein ideales Paar – Clematis und Kletterrose

Ein ideales Paar

Clematis, die ,,biegsame Ranke”, so ihr wörtlich übersetzter Name, und die Kletterrose. Die beiden sind wie füreinander geschaffen, sie haben ähnliche Standortansprüche und ergänzen sich in ihrer Verschiedenheit wie gut eingespielte Ehepartner
Die Kombination von Kletterrosen mit der dazu farblich abgestimmten Clematis ist auch in der Algarve möglich. Die beiden sind allerdings nichts für den Trockengarten, sondern sollten in dem Gebiet siedeln, das für ,,die Pflanzen mit der extra Wasserration” vorgesehen ist. Wie sich aus dem deutschen Namen Waldrebe unschwer erkennen lässt, stammt Clematis ursprünglich aus der Waldvegetation, also aus eher feuchtschattigem Ambiente. Sie mag es deshalb nicht ganz trocken, sie liebt die Wurzeln im Kühlen und den Spross in der warmen Sonne. Eine dicke Mulchschicht zusammen mit niedrigen Sträuchern verschaffen ihr das nötige schattige Unterfeld. Ihre rankenden Stengel winden sich dann gerne an allen zur Verfügung stehenden Stützen empor ­ zum Beispiel auch an einer benachbarten Kletterrose.

Solche Kletterkombinationen kommen mit äußerst wenig Gartenfläche aus, sie liefern ein Maximum an Show-Effekt mit einem Minimum an Quadratmetereinsatz, vorausgesetzt der Weg nach oben ist offen. Stabile Rankhilfen sind ebenfalls unerlässlich, denn Kletterrosen können nicht klettern. Sie verfügen nicht über Haftwurzeln wie Efeu oder rankende Triebe wie Blauregen, ihr einziger Halt sind ihre Stacheln, die sich beim Aufstieg ineinanderhaken. Deshalb bedarf die Kletterrose einer führenden Hand, die regelmässig dafür sorgt, dass ihre Triebe in die richtige Richtung umgelenkt werden. Denn Rosen üben auf ihre Art ein horizontales Gewerbe aus: je waagerechter die Führung, desto mehr Seitentriebe entwickeln sie, die dann den reichen Blütenflor produzieren. Wer also nicht möchte, dass seine Rose nur ,,in weiter Ferne ganz oben” blüht, sollte die Triebe immer wieder horizontal oder zumindest schräg binden. Wir unterscheiden zwei verschiedene Arten von Kletterrosen. Climberrosen sind großblütige, oft auch in Dolden blühende Rosen mit starken, dicken Trieben, deren Länge zwei bis drei Meter und mehr betragen kann. Da es sich um neuere Züchtungen handelt, blühen sie mehrmals im Jahr. Die Urahnen der Ramblerrosen hingegen waren kletternde Wildrosen, weshalb sie sich auch durch besondere Robustheit auszeichnen. Sie sind die Lianen unter den Rosen, wachsen extrem stark und erreichen mit ihren relativ dünnen Trieben ungeahnte Höhen. Ihre reiche Blüte mit ganzen Büscheln kleiner Blüten ist in jeder Hinsicht einmalig. Die begleitende Clematis kann so ausgewählt werden, dass sie die Rosenblüte farblich passend untermalt, oder sie sorgt später für Farbe, wenn der Blütenrausch etwa einer ein Mal blühenden Ramblerrose bereits vorbei ist. Wenn es sich machen lässt, sollte man der Rose einen zeitlichen Startvorsprung von ein paar Jahren geben. Beide wünschen sich liebevolle Versorgung in puncto Nährstoffe, Wasser und Windschutz. Auch beim Thema Schnitt finden sich Kletterrose und Waldrebe in liebevollem Gleichklang. Ramblerrosen müssen überhaupt nicht zurückgeschnitten werden, es sei denn, man möchte ihre Wuchshöhe begrenzen. Da auch bei Clematis ein Schnitt keineswegs zwingend ist, hat sich hier ein pflegeleichtes Paar gefunden. Besonders die frühblühenden Arten der Waldrebe, die ihre Blüten am letztjährigen Holz bilden, sind ganz dankbar, wenn man sie in Ruhe lässt. Öfterblühende Climberrosen hingegen sollten mit sommerblühenden Clematis verkuppelt werden, denn die nehmen es nicht übel, wenn sie im Spätherbst oder Winter bodennah abgeschnitten werden, damit die Pause in der Umarmung beider Kletterer genutzt werden kann, um der Rose die nötigen erziehenden Massnahmen mit Schere und Bindfaden zukommen zu lassen.

200 Arten Waldreben existieren weltweit, die Sorten in allen Größen, Farben und Schattierungen füllen Kataloge. Es gibt Wildformen einerseits und großblumige Hybridzüchtungen andererseits. Die Qual der Wahl scheint unbegrenzt, doch ein Kriterium mag helfen: 80 Prozent der im Frühjahr blühenden Hybriden haben später mit der gefürchteten Clematiswelke zu kämpfen. Dieser Pilz befällt die Pflanzen in der warmen Jahreszeit am Stängelgrund, verstopft die Leitungsbahnen und führt zum raschen Welken und Absterben der Blätter und Triebe. Zwar treibt die Clematis wieder durch, doch nur, um gleich wieder abzusterben. Solcherart befallene Pflanzen haben manchem Clematis-Enthusiasten schon die Lust auf seine Lieblinge verdorben, denn eine nachhaltige Bekämpfung dieses Pilzes ist bis jetzt noch nicht gelungen. Wildformen dagegen sind robust und werden fast niemals welk. Widerstandsfähiger als frühjahrsblühende Züchtungen erweisen sich auch die sommerblühenden Hybriden. Der Grund: ein blutauffrischender Seitensprung, denn die italienische Wildform Clematis viticella wurde eingekreuzt. Je mehr wilde Italienerin die Züchtung im Blut hat, desto gesünder ist die Sorte. Die Clematis viticella sollte sich in der Algarve wie zu Hause fühlen. Sie ist im Mittelmeerraum schon seit weit über 400 Jahren in Kultur. Ihre blauen bis purpurvioletten Blüten sind zwar etwas kleiner, aber überaus anmutig; sie erscheinen mehrere Monate hindurch ab etwa Mai. Die Farben der Sorten decken das ganze Farbspektrum von weiß über rosa bis blau und rot bis tiefviolett ab. Übrigens wächst sie auch willig im beschränkten Ambiente eines Kübels, was nicht alle Clematis schätzen. Aufgrund ihrer ausdauernden Blühfreudigkeit ist sie die ideale Gefährtin von Rosen, deren Blüte sie anfangs begleitet, um dann das Szepter allein zu übernehmen. Wie wär es also mit einer solchen Heiratsvermittlung im eigenen Garten? Clematis und Kletterrose sind wirklich ein ideales Paar.

Welkheit unempfindliche Clematis-Wildarten:
Clematis alpina – früh blühend mit laternenartigen blauen Blüten Clematis macropetala – violettblaue Blüten im Frühjahr/Frühsommer, schwachwüchsig Clematis montana – blüht weiß, starker Kletterer Clematis orientalis – besonders zierliche Blätter, blüht hellgelb bis in den Herbst Clematis tangutica – glockenartige gelbe Blüten von Mai bis Frühherbst Clematis viticella – s. Text

ESA 05/08

Marie Giering, Landschaftsarchitektin, lebt in Monchique und gibt regelmäßig Tipps für die ESA-Leser. Kontakt: Tel. 282 912 630

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