Die Zwergdommel

Ixobrychus minutus – Garça-pequena (pt.) – Little Bittern (engl.)

Nach jahrelangen Bemühungen endlich ein voller Erfolg: die seltenen Zwergdommeln, die in der Randvegetation von Gewässern, im Schilf und Rohrkolben sehr versteckt leben, kamen ins Freie und ließen sich ausgiebig fotografieren

Die Zwergdommel, eine sehr kleine Reiherart und Verwandte der Großen Rohrdommel, ist in Mitteleuropa schon sehr selten geworden und gilt auch in der Algarve als nicht mehr häufig. Das sicherste Gebiet, sie noch anzutreffen, ist der künstliche See San Lorenço am Golfplatz von Quinta do Lago. Dort und am Lagoa dos Salgados habe ich in manchen Winterhalbjahren zwar hin und wieder einzelne Zwergdommeln gesehen, aber meist waren sie entweder für Fotos zu weit entfernt oder verschwanden schnell zwischen den dichtstehenden Halmen der Rohrkolben. Obwohl als Zugvogel bekannt, der bis ins tropische Afrika zieht, überwintern in der Algarve doch einige, denn Ende 2013 konnte ich in der dichten Ufervegetation beim See San Lorenço ein Weibchen entdecken und ein recht gutes Bild machen. Beinahe hätte ich den Vogel sogar übersehen, denn er schaute unbeweglich aus dem Rohrkolbendickicht heraus. Mit etwas Glück ist die Art also ganzjährig in der Algarve zu beobachten. Bei vielen internationalen Ornithologen, die speziell zu Vogelbeobachtungen in die Algarve kommen, steht die Beobachtung einer Zwergdommel hoch im Kurs, denn sie ist zusätzlich zum seltenen Vorkommen noch ein Meister der Tarnung. Glaubt sie sich in Gefahr, nimmt sie, wie von der Großen Rohrdommel sprichwörtlich bekannt, eine „Pfahlstellung“ ein, wobei der Hals und Kopf extrem nach oben gereckt wird. Manchmal bewegt sie sich sogar ein wenig mit dem Köper hin und her und imitiert die schwankenden Röhrichthalme. Außerdem befinden sich am langen Hals bräunliche Längsstreifen, die zwischen den Halmen der Umgebung völlig verschwimmen. Letzten März war es dann soweit: Zuerst sah ich eine männliche Zwergdommel, die sich langsam durch das Dickicht des Röhrichts bewegte, nur zeitweise sichtbar. Sie flog schließlich in ein anderes Dickicht; das war bereits ein besonderes Ereignis. Als ich später den See verlassen wollte, kam es noch besser! Ich sah eine geringe Bewegung im Rohr ganz in der Nähe. Da trat eine weibliche Zwergdommel am Rand des Röhrichts erstaunlicherweise fast ganz ins Freie und ließ sich oftmals ablichten. Als sie einmal glaubte, in Gefahr zu sein, nahm sie sogar die bekannte Pfahlstellung ein. Das waren unvergessliche, einmalige Begegnungen mit dieser Vogelart.

Dr. Manfred Temme

ESA 05/14

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