Die Pfuhlschnepfe

Limosa lapponica – Fuselo (pt.) – Bartailed Godwit (engl.)

Obwohl die Pfuhlschnepfe in der Algarve nicht sehr häufig zu beobachten ist, soll sie hier vorgestellt werden. In der Algarve tritt sie als Langstreckenzieher nur kurzzeitig im zeitigen Frühjahr und Herbst in kleinen Gruppen auf. Im Mai dagegen bildet sie riesige Schwärme im Wattenmeer der Nordseeküste

Pfuhlschnepfen legen als Langstreckenzieher ungeheure Entfernungen von mehreren tausend Kilometern zwischen ihrem Winterquartier an der Atlantikküste Südafrikas und ihren Brutgebieten zurück. Diese befinden sich in der gesamten feuchten arktischen Tundra, vom nördlichen Rand der Waldzone in Lappland über Nordrussland bis nach Alaska. Bis im hohen Norden der Permafrost verschwindet, legen Pfuhlschnepfen eine Zugunterbrechung im nahrungsreichen Wattenmeer an der Nordseeküste ein. Sie sind dort bis Ende Mai zu tausenden zu beobachten. Bei Flut werden zunächst viele Individuen durch das langsam auflaufende Wasser in Richtung der Vorländereien der Küste „gedrückt“. Dadurch ist die Schar in ständiger Bewegung, wobei die fast taubengroßen Vögel im höher steigenden Wasser weiter nach vorn laufen oder fliegen und dem Beobachter am Ufer stetig näher kommen. Bald ist auch die unterschiedliche Gefiedergärbung unter den Individuen deutlich zu erkennen: die nicht zur Brut schreitenden, jüngeren Vögel sind noch gräulich, die mit der rotbraunen Brust sind Männchen im Brutkleid. Die Weibchen sind unscheinbarer gefärbt und deren leicht nach oben gebogene Schnabel ist etwas länger als bei den Männchen. Die äußerst fluggewandten und rasanten Flieger können spektakuläre Flugmanöver zeigen. Sie stürzen sich sogar fast senkrecht aus großer Höhe herunter und landen zwischen den Artgenossen. In der Algarve halten sich Pfuhlschnepfen zu beiden Zugzeiten nicht lange auf. Während dieser Unterbrechung suchen sie Nahrung auf sandigen oder schlickigen Flächen von Meeresbuchten und Flussmündungen. Mir begegneten im April 1995 im Arade-Delta einige, die sich einem nach Norden weiterziehenden Schwarm von Regenbrachvögeln angeschlossen hatten. Es lohnt sich sicher, im Naturpark Ria Formosa im Frühjahr und Herbst intensiver nach ihnen zu suchen. Sie dürfen aber nicht mit den nächsten Verwandten – den Uferschnepfen – verwechselt werden, die hier im Gegensatz zahlreich anzutreffen sind.

Dr. Manfred Temme

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