Die Pfeifente

Anas penelope – Piadeira (pt.) – Eurasien Widgeon (engl.)

Dass Enten quaken können ist weitläufig bekannt. Es gibt aber auch eine Art die sehr gut pfeifen kann; zumindest die Männchen (Erpel). Die dementsprechend so benannte Pfeifente ist im Winterhalbjahr besonders zahlreich in der Ostalgarve, dem Sotavento, zu finden

In der Algarve ist die Pfeifente ausschließlich ein Wintergast. Die Brutgebiete befinden sich im hohen Norden von Europa, bis hin zum arktischen Gürtel. Ähnlich wie viele Menschen wollen oder müssen sie den Unbilden des Winters entfliehen und wandern nach südlich gelegenen großen Seen oder an verschiedene eisfreie Meeresküsten. So ist es nicht verwunderlich, dass auch in der Algarve an manchen Stellen, wie in der Ria Formosa (bei Faro) und weiter östlich im Reserva Natural de Castro Marim e de Vila de Santo António äußerst große Schwärme angetroffen werden können. Der Grund dafür ist, dass hier großflächige Wasserstellen, wie Lagunen, Wattblänken, Salzwiesen und auch Salzpfannen existieren, wo ein reiches pflanzliches Nahrungsangebot besteht. Bei entfernt fliegenden Trupps helfen die großen weißen Flügelspiegel dem Experten diese Art zu erkennen. Aus der Nähe betrachtet sind insbesondere die Erpel besonders hübsch gefärbt und gezeichnet. Die gelbliche Stirn fällt schon von Weitem auf und kontrastiert mit dem rotbraunen Kopf. Das graublaue Rücken- und Seitengefieder zeigt sehr feine wellige Streifen. Daneben kann immer wieder der melodische Pfiff gehört werden, der in Fachbüchern mit „wiiju“ wiedergegeben wird. Weniger vernimmt man die leiseren „Schnarchlaute“ der Weibchen, diese sind wie so oft in der Vogelwelt, nicht so auffällig gefärbt. Ihnen obliegt hauptsächlich die Brut; und wer lange auf einem Nest verharrt muss gut getarnt sein, damit es nicht entdeckt wird. Ganz bewusst wurde diese Entenart für die Februarausgabe der ESA ausgewählt, damit interessierte Leser sich noch aufmachen können, den Wintergast zu beobachten. Am einfachsten ist es westlich vom Flughafen Faro vor dem privaten Estate „Ludo“ auf der rechten Seite über die Wasserflächen zu schauen. Dort sah und hörte ich neulich in der Mehrzahl Pfeifenten, es befanden sich unter ihnen aber auch einige Spießenten, Krickenten und vor allem Löffelenten. Beim genaueren Hinsehen entdeckt man weitere Vogelarten wie Bläßhühner, Teichhühner und in den entfernten Bäumen befinden sich einige besetzte Storchennester. Je nach Gezeitenlage, bei Ebbe, können sich dort aber auch nur wenig Enten aufhalten, weil die Pfeifente als Pendler dann zu den Nahrungsgründen wechselt, die zwischen flachen Meerwasser- und Wattblänken zu finden sind. Als Nahrung verzehrt die Pfeifente nämlich nicht nur Seegras, sondern kann – wie ihre größeren Verwandten, die Gänse – auch auf Rasenflächen oder Salzwiesen Grün abrupfen.

Dr. Manfred Temme

ESA 02/14

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