Die Mittelmeermöwe

Larus michahellis – Gaivota-de-patas-amarelas (pt.) – Yellow-legged Gull (engl.)

Die Mittelmeermöwe ist in der gesamten Algarve sehr häufig und kann daher nicht übersehen werden. Viele Jahre haben die verschiedenen sich sehr ähnelnden europäischen Großmöwen den Ornithologen wegen ihrer Artzugehörigkeit Rätsel aufgegeben. Noch in den 1990er Jahren wurde sie nur als Unterart der nördlichen Silbermöwe angesehen

Die Mittelmeermöwe ist für alle Menschen an der gesamten Algarveküste die bekannteste Vogelart. Da sie außerdem meist nicht besonders scheu ist, kann sie von jedermann gut beobachtet und fotografiert werden.
Wie alle Möwen sind sie Allesfresser, die an Müllplätzen, in den Müllbehältern der Städte sowie in Fischereihäfen nach Fischabfällen suchen. Sie laufen auch zwischen den Badegästen herum und nehmen hingeworfenes Futter auf. Auffälligstes Merkmal der Mittelmeermöwe sind die gelben Beine gegenüber der ähnlichen Silbermöwe an der Nordsee mit fleischfarbenen Beinen. Sie hat auch eine etwas tiefere Stimme und einen graueren Rücken. Ein Experte kann sie allein schon daran unterscheiden. Die Mittelmeermöwe brütet an vielen Stellen der unzugänglich zerklüfteten Steilküste und stellenweise auf schwer erreichbaren, hohen Gebäudekomplexen der Algarve.
Im Winterhalbjahr findet man sie häufig in gemischten Gruppen mit der nordischen Heringsmöwe, die einen schieferschwarzen Rücken hat. Sie sind leicht im Arade-Ästuar und im Naturschutzgebiet Ria Formosa oder, je nach Gezeiten, auf den freien Wattflächen rastend zu sehen. Auch auf dem künstlich angelegten See São Lourenço in Quinta do Lago und in Lagoa dos Salgados landen regelmäßig viele sogenannte Großmöwen zum Trinken und Baden auf dem Süßwasser.
Die jungen Vögel aller dieser Möwenarten sind zunächst graubraun gesprenkelt und erst im Laufe von drei bis vier Jahren, wobei sie jedes Jahr ein wenig heller werden, haben sie die Pubertätszeit hinter sich und gelten dann als erwachsen. Die Eier und Jungen der drei erwähnten Großmöwen sind selbst vom Fachmann nur schwierig zu unterscheiden.
Verhaltensforscher haben bei allen Großmöwen der Welt rund 25 verschiedene Rufe und Gesten analysiert, mit denen sie sich verständigen können. Eine auffällige Verhaltensweise bei ihnen allen ist das sogenannte „Jauchzen“, wobei der Kopf zunächst weit in den Nacken gelegt und dann langsam unter fortwährendem Rufen drohend nach vorn gestreckt wird.
Die Beringung von Möwen hat interessante Einzelheiten aufgedeckt. Es war vorher nicht bekannt, dass Mittelmeermöwen im Sommer sogar nach Mitteleuropa fliegen. So entdeckte ich im Sommer 2014 in Mecklenburg-Vorpommern auf einem See einige Möwen, die sich erst beim Auffliegen durch die gelben Beine zu erkennen gaben.

Text und Foto: Dr. Manfred Temme
In ESA 02/16

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