Die Mehlschwalbe

Den Menschen gegenüber ist dieser Vogel sehr zutraulich. Er hat aber mit einem Problem zu kämpfen: Viele Personen stört der herunterfallende Kot und sie entfernen deshalb die Nester von den Wänden

Als Brutvogel besiedelt die Mehlschwalbe ganz Europa und einen schmalen Streifen von Nordafrika. In Portugal, besonders in der Algarve, ist der Koloniebrü­ter Mehlschwalbe recht zahlreich. Selbst in­mitten größerer Städte sieht man an Was­sertürmen, an niedrigen sowohl auch hohen Häusern die vielen nebeneinander aus Lehm gebauten Nester. Als Zugvogel legt sie oft weite Strecken zurück und wird selbst in Südafrika gesehen. Während die Mehlschwalbe in Deutschland meist erst gegen Ende April zurückkehrt, beginnt sie in der Algarve oft schon im Februar die teilweise abgebröckelten Nester zu reparieren. Manche Haussperlinge haben bereits die offeneren Nester besetzt um selbst darin zu brüten. Die Schwalbenart ist leicht durch den weißen Bürzelfleck und dem kurzen gegabelten Schwanz von der Rauchschwalbe zu unterscheiden; die einen dunklen Rücken und zwei lange Schwanzspieße hat. Die Nester sind auch recht verschieden, denn die Mehlschwalbe brütet außen unter Dachvorsprüngen in einem halbkugeligen Nest mit einem engen Eingangsloch. Somit können keine fremden Vogelarten eindringen. Die Rauchschwalbe dagegen baut ihr halbschaliges Nest meist unter Arkaden, innerhalb von Ställen oder in Vieh­unterständen . In Deutschland werden der Mehlschwal­be oft künstliche Höhlen aus Holzbeton angeboten (s. Foto). Diese haben den Vorteil der Haltbarkeit, denn so finden die im Frühjahr zurückkehrenden Vögel gleich die fertigen Nester vor. Der teilwei­se noch vorhandene Nestbautrieb wird durch zusätz­lich angeklebte Lehmklümpchen abreagiert. Diese „Sympathie-Vogelart“ hat mit Problemen zu kämpfen, denn viele Menschen stören sich an dem von den Jungen produzierten Kot und kratzen deshalb die Nester von den Wänden. Es gibt aber Schmutzbrettchen, die zum Kotabfangen unterhalb der Nester an die Wand geschraubt werden könnten. Kotproben sind für mich ein wertvolles Material für meine europaweit nebenamtlich durchgeführten Forschungsarbeiten. Fachkollegen senden mir Proben aus Schottland, England, Tschechien, Schweiz und verschiedenen Stellen Deutschlands. Für weitere Vergleiche sammle ich selbst auf der Insel Norderney und in der Algarve. Im krassen Gegensatz zur Insektennahrung der Rauchschwalbe verfüttern Mehlschwalben keine Bienendrohnen aber bis zu 12 Marienkäferarten. Darunter befindet sich zunehmend der vom Menschen ausgesetzte Asiatische Marienkäfer, der verschiedene chemische Abwehrmechanismen hat und bei massenhafter Verfütterung den Mehlschwalbenjungen gefährlich werden könnte. Durch diese Forschungsarbeit kann gleichzeitig die zunehmende Ausbreitung des Fremdlings dokumentiert werden, der zur Zeit wohl noch nicht die Algarve erreicht hat. Sämtliche dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse sind neu und werden fortgeführt.

Dr. Manfred Temme
ESA 7/13

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