Der Zilpzalp

Phyplloscopus collybita – Felosa comum (pt.) – Chiffchaff (engl.)
Der kleine grünlichgelbe Zilpzalp, der in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas als Brutvogel vorkommt,
gilt als ein Mittelstreckenzugvogel und überwintert bereits im Süden der Iberischen Halbinsel, im Mittelmeerbereich und in Nordafrika

Die Algarve ist für viele Weidenlaubsänger – wie die Vogelart auch genannt wird – schon die Endstation des Zuges. Trotzdem ist die zurückgelegte Strecke von 2.000 bis 3.000 km für den kleinen Vogel eine beachtliche Leistung. Durch das milde Klima hier in der Algarve bedingt, sind bei seiner Ankunft noch viele Sträucher und Bäume grün und stehen vielfach noch in voller Blütenpracht. Diese bieten nicht nur den Insekten noch Nahrung, sondern auch dem Zilpzalp, denn Insekten sind seine Hauptnahrung.
Neben der Insektennahrung stellt er sich im Winterquartier auf weitere Nahrungsquellen um und wandelt sich zum „Nektarvogel“. So trinkt der Zilpzalp beispielsweise Nektar aus den roten Blüten der aus Afrika stammenden Baumaloe (Aloe arborescens) und dem aus Australien stammenden Flaschenputzerbaumes (Callistemon rigidus). Auch die weißen Blüten des Eukalyptusbaumes (Eucalyptus globulus) und der Japanischen Mispel (Eriobotrya japonica) werden von ihm besucht. Obwohl die Vögel in erster Linie von roten Blüten angelockt werden, sah ich kürzlich erstmals einen Zilpzalp die gelbe Blüte der Hottentottenfeige (Carpobrotus edulis) aufsuchen. Nach dieser flüchtigen Feststellung sind eingehendere Beobachtungen dieses Verhaltens von Bedeutung.
Zusätzlich legt der Vogel in seinem hiesigen Winterquartier ein ganz anderes Verhalten an den Tag als im Brutgebiet. Im Gegensatz zu diesem zeigt er sich in der Algarve viel mehr und überall, in bewohnten Bereichen und in offenem Gelände, und ist daher leicht zu beobachten. Vor allem mit niedrigen Büschen, Binsen, Schilf und Rohr bewachsene Teichufer scheinen eine besonders große Anziehungskraft auf den Zilpzalp auszuüben, denn er ist dort – wohl wegen der Insektenreichhaltigkeit – besonders oft zu sehen.

Text und Fotos: Dr. Manfred Temme
ESA 01/15

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