Der Star

Sturnus vulgaris – Estorninho-malhado (pt.) Starling (engl.)

Es ist weniger bekannt, dass einige der in Ost- und Mitteleuropa beheimateten Stare im Winter auch bis zur Algarve fliegen und sogar einen schmalen nordwestlichen Streifen Afrikas erreichen. Da er hier nicht in großen Schwärmen auftritt, ist er auch nicht leicht zu entdecken. Je nach Wohnort in der Algarve ist es aber möglich, dass intensiven Naturbeobachtern dieser Star schon mal aufgefallen ist

Der hauptsächlich auf der Iberischen Halbinsel beheimatete, nah verwandte Einfarbstar wurde den Lesern bereits in der ESA 12/14 vorgestellt und mit dem mitteleuropäischen Star verglichen. Da es kaum möglich ist, die gesamte Algarve nach einzelnen, sich sehr ähnelnden Vogelarten abzusuchen, gelang es mir erst jetzt, nach über zwanzig Jahren Winteraufenthalten, in der Nähe von Carvoeiro bei Sonnenaufgang kurzfristig eine Gruppe von zwölf Individuen in einer hohen Araukarie zu entdecken. Wegen des Gegenlichts waren die größeren weißen Federspitzen selbst mit einem Fernglas nicht leicht zu erkennen, denn auch einige Einfarbstare zeigen im Winter sehr feine weiße Federspitzen. Erst viele Belegaufnahmen, mit einem starken Teleobjektiv und danach am Computer vergrößert, machten eine genaue Bestimmung möglich. Kürzlich hielt sich ein größerer Trupp Stare bei Lagoa dos Salgados unter einem einzelnen Olivenbaum auf, wo sie an den überreifen, heruntergefallenen Früchten pickten.
Beide Arten unterscheiden sich aber auch akustisch, denn der „Mitteleuropäer“ hat ein etwas reicheres „Gezwitscher-Repertoire“, aber beide lassen die abfallenden Flötentöne hören.
Bevor der mitteleuropäische Star als Kurz- und Mittelstrecken-Zugvogel auf die Reise geht, -reichert er im Spätsommer zunächst Körperfett als Kraftreserve an. Dafür werden neben Insekten jetzt häufig Zusatz-Aufbaustoffe wie Holunder- und Vogelbeeren verzehrt, die der Vogel manchmal erst durch halsbrecherisch anmutende Verrenkungen erreichen kann.
Bis zum Frühjahr, zur Brutzeit, bekommt der Star durch Abnutzung der weißen Federspitzen ein schwarzes schillerndes Gefieder, wodurch er dann mehr dem Einfarbstar ähnelt.

Text und Foto: Dr. Manfred Temme
In ESA 01/16

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