Der Grünschenkel

Der Grünschenkel ist ein Fernwanderer aus Nordskandinavien, dem schottischen Hochland und große Gebiete der Tundren-Zone und zieht durch Mitteleuropa bis in das südliche Afrika. Somit macht er auf dem Durchzuge auch in Portugal Rast; einige überwintern und können in der Algarve beobachtet werden 

Der Grünschenkel ist ein attraktiver Vogel, etwas größer als sein naher Verwandter, der Rotschenkel (s. ESA 03/06). Der Köper hat etwa Amselgröße aber durch seinen längeren Hals, leicht aufgebogenen spitzen Schnabel und die graugrünlichen Beine wirkt dieser Vogel größer. Nach der Brutzeit erscheinen sie im gesamten Wattenmeer der Nordsee und die Zahlen steigen im Laufe des Juli und August stetig an. Es beginnt bei den Altvögeln die Flügelmauser, denn der Nahrungsreichtum an kleinen Meerestieren ist jetzt am größten, sodass dieser kräftezehrende Prozess hier gut erledigt werden kann. Schließlich müssen die Flügel intakt sein, wenn noch Tausende von Kilometern nach dem südlichen Winterquartier bewältigt werden sollen. Verzehrt werden kleinste Krebse, Fische, Würmer und ähnliches, die mit dem pinzettenähnlichen Schnabel aus dem Wasser gefischt werden.In der Algarve trifft man Grünschenkel auf Sand- und Schlickflächen, zum Beispiel im Naturpark Ria Formosa, an der Lagune „Lagoa dos Salgados“, und an manchen Fluss-Ästuarien an. Allerdings ist er nicht immer leicht zu beobachten. Er fällt von weitem nicht gleich auf und kommt in diesen Bereichen meist auch nur in kleiner Anzahl vor. Eher nimmt man ihn war, wenn man mit seiner Stimme vertraut ist. Es ist ein lautes „jück, kjück, jück“, das vor allem bei Störungen und folgendem Abflug zu hören ist, bei dem sein heller Rücken besonders auffällt. Im April traf ich Grünschenkel auf einer dreiwöchigen Safari durch Namibia auch nur an, weil die mir vertraute Stimme einzelner Grünschenkel zu hören war. Selbst nach jahrzehntelanger Praxis als Ornithologe war ich kürzlich begeistert, einen großen Trupp Grünschenkel relativ nahe vor die Kamera zu bekommen und ihn den ESA-Lesern nun zeigen zu können. Ich musste  längere Zeit in einem engen Beobachtungsversteck ausharren bis die über 100 Vögel nach längerem Kreisen nahe genug zur Landung ansetzten.

Tringa nebularia
Port.: Perna-verde; Eng.: Greenshank

Dr. Manfred Temme
ESA 9/13

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