Der Flußregenpfeifer

(Charadrius dubius · Port.: Borrelho-pequeno-de-coleira · Engl.: Little Ringed Plover)

Der hübsche Flußregenpfeifer ist wahrscheinlich vielen Residenten und Touristen in der Algarve kaum bekannt, denn um ihn beobachten zu können, muss schon intensiv in der Natur gesucht werden. Der Flußregenpfeifer ist einer der drei kleinen Regenpfeiferarten und nur etwas größer als ein Sperling. Am zierlichen Vogel fällt ein schwarzes Brustband, die schwarzweiße Kopfzeichnung, vor allem aber ein gelber Lidring auf. Sie können gut fliegen und schnell auf ausgedehnten flachen Sandstränden oder Kiesufern laufen. Sie ziehen Süßwasserbereiche den Salzwasserufern vor, und deshalb trifft man den Flußregenpfeifer, dem Namen entsprechend, hauptsächlich an Flüssen an. Diese existieren im Bereich der Algarve, je nach Regenmengen, oft nur als Rinnsale, die aber breite, sandige oder aus Kies bestehende Ufer oder Inseln aufweisen. Der Brutbeginn fällt in den April und das unscheinbare Nest befindet sich dort wo die Anforderungen an den Brutplatz erfüllt sind. So habe ich beispielsweise eine Nestgründung in einer Kiesgrube beobachten können. Sogar während ein Bagger dort noch arbeitete, wurde eine einfache flache Mulde in den Boden aus Sand und Kies gekratzt. Beide Partner wechseln sich beim Bebrüten der relativ großen – meist vier – Eier ab, die in der Umgebung von Kies bestens getarnt sind. Auch werden bei der Brutablösung immer noch kleine Steinchen in Richtung Nest befördert. Die Jungen sind Nestflüchter und können gleich nach dem Schlüpfen den Eltern an die Wasserränder folgen. Sollten Fuchs, Hund, Katze oder ein anderer Feind sich dem Nest nähern wird „verleitet“. Die Elternvögel stellen sich krank und laufen auffällig in geduckter Haltung und flügelflatternd (s. Foto) davon. Der Feind wittert eine leichte Beute, folgt dem scheinbar kranken Vogel und läuft, ohne es zu bemerken am Nest oder den Jungen vorbei. Der Altvogel kann bei Annäherung der Gefahr dann plötzlich wieder bestens fliegen. Flußregenpfeifer sind hauptsächlich im Sommerhalbjahr in der Algarve zu sehen. Bis auf wenige Zurückbleibende, überwintern die meisten in Afrika.

Dr. Manfred Temme
ESA 12/13

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