Das Purpurhuhn

Porphyrio porphyrio – Caimão-comum (pt.) – Purple Swamphen (engl.)

Noch vor vier Jahrzehnten galt das Purpurhuhn in Portugal als fast ausgestorben. Das hing einerseits mit der versteckten Lebensweise dieser faszinierenden Vogelart in dichter Ufervegetation zusammen, andererseits gab es nicht so viele Vogelbeobachter. Inzwischen hat sich die Situation geändert

Das Purpurhuhn ist mit zahlreichen in der Natur leicht unterscheidbaren Rassen inselartig über die gesamte Welt verbreitet. Früher besiedelte Gebiete in Europa wie Italien, Griechenland und die 
Türkei gelten inzwischen als verwaist. Purpurhühner sind keine Hühner, sondern gehören zur Gruppe der Rallen, und diese Art ist die größte von allen. Jedoch sollte der historische Name Bestandsschutz behalten. Der imposante Vogel ist an der purpur-blauen Färbung und am kräftigen roten Schnabel mit der Stirnplatte leicht zu erkennen. Die nächst kleineren Verwandten, das Blässhuhn und das Teichhuhn, wurden bereits in der ESA 4/14 und 10/14 beschrieben.
Da diese auffällige, eindrucksvolle Vogel-art nicht besonders scheu ist, kann sie mit Sicher-heit in zwei Feuchtgebieten der Algarve beobachtet werden; mit einigem Glück sogar aus der Nähe. Geeignete Plätze der Beobachtung sind der künstlich geschaffenen See São Lourenço bei Quinta do Lago und das Gebiet der besonders schützenswerten Lagune Lagoa dos Salgados. Um die seltene Art in der Algarve zu schützen und zu erhalten, dürfen die restlichen wertvollen Feuchtgebiete nicht weiter mit Beton zugebaut werden.

Besonders erwähnenswert ist, dass das 
Purpurhuhn als Nahrung Teile von Wasserpflanzen ab- oder ausreißt und sie – ähnlich wie Papageien – mit den langen Zehen umfasst 
und den Fuß damit zum kräftigen Schnabel führt. Wenn möglich werden auch kleine 
Wassertiere wie Libellenlarven und Fischchen erbeutet. Diese große Ralle fliegt etwas schwerfällig, kann aber gut schwimmen und mit den langen Zehen rasch über niederliegende Pflanzenstängel in den Verlandungsgürteln laufen.
Bei territorialer Verteidigung und Drohungen – gegen eingedrungene Artgenossen – macht der Vogel sich noch größer: Er stellt die Flügel über dem Rücken dachartig hoch und klappt die Schwanzfedern nach vorn, damit die weißen „Unterschwanzdecken“ gut sichtbar werden.
Die kleinen Jungen ähneln noch nicht den Eltern, denn sie sind zunächst mit schwarzem Federflaum bedeckt. Die Jungenaufzucht ist nicht leicht zu beobachten, weil die Familien sich zu der Zeit sehr versteckt in der Ufervegetation aufhalten. Viele Einzelheiten über die Biologie dieser Ralle sind noch nicht 
genügend erforscht worden.
Text: Dr. Temme
ESA 09/15

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