Aus dem Leben der Singdrossel

Turdus philomelos – Tordo pinto (pt.) – Song thrush (engl.)

In Mitteleuropa dürfte die Singdrossel vielen Menschen zumindest durch ihren auffälligen und schönen flötenhaften Gesang im Frühjahr bekannt sein. Als Wintergast hält sie sich regelmäßig in der Algarve auf

Die Singdrossel ist mit der häufig vorkommen-den Amsel nah verwandt, ist aber etwas kleiner. Der Gesang der Singdrossel ist sehr abwechslungsreich mit wohlklingenden reinen Flötentönen, aber auch rauen Motiven, die charakteristisch zwei bis vier Mal wiederholt werden. Sie werden in Fachbüchern phonetisch mit „tülip tülip tülip – driü driü driü – didi didi didi“ umschrieben. Zwischen diese Reihen werden auch einzelne, nicht wiederholte, kurze Roller oder Triller eingestreut. Dabei ist die Körperhaltung mehr aufgerichtet als bei anderen verwandten Drosseln. Wenn die Singdrossel dem Betrachter die Brust zuwendet, ist sie wegen der vielen dunklen Tupfer recht auffällig, dreht sie sich jedoch um, verschwindet sie wegen ihres unscheinbaren bräunlichen Rückens leicht im Blättergewirr.

Die Singdrossel war ursprünglich ein reiner Waldvogel, jedoch begann zu Anfang des 20. Jahrhunderts ein Verstädterungsprozess. So ist sie heute in größeren Gärten, auf Dächern und in kleineren Waldstücken anzutreffen. Ihre Brutheimat ist ganz Mitteleuropa bis zum Nordrand der Pyrenäen und bis in den Westen Sibiriens. Die nördlichen Populationen sind ausgesprochene Zugvögel, die im Süden der Iberischen Halbinsel und Nordafrika überwintern. In der letzten Septemberwoche erscheinen sie in der Algarve und gegen Anfang März verlassen die Singdrosseln wieder unsere südliche portugiesische Provinz.
Somit sind hier in den Wintermonaten zahlreiche Singdrosseln anzutreffen. Weil man in dieser Zeit den charakteristischen Gesang nicht hört, fallen sie aber kaum auf und sind auch durch ihr sonst unauffälliges Verhalten nicht leicht zu finden.
Kurz vor dem Dunkelwerden ist es jedoch möglich, an geeigneten Plätzen mehrere Singdrosseln zu sehen, vor allem wenn sie einem gemeinsamen Schlafplatz in dichten Bäumen zustreben. Gelegentlich konnte ich sogar bis zu sechzig Individuen zählen. Dabei wird der Flugruf, ein kurzes, hohes „zip“ geäußert, der dem Zusammenhalt des Vogeltrupps, aber auch dem Auffinden der Vögel durch den Menschen dient.

Text: Dr. Temme
ESA 10/16

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