Aus dem Leben der Papageitaucher

Fratercula arctica – Fradinho (pt.) – Atlantic Puffin (engl.)

Im Winterhalbjahr ist der Papageitaucher als Hochseevogel über den ganzen mittleren Atlantik, auch vor der portugiesischen Küste, weit verteilt. Deshalb ist er selten direkt zu beobachten, aber es könnten Strandfunde erfolgen

Der etwa taubengroße Papageitaucher erinnert, ähnlich wie der Tordalk (s. ESA 9/16), durch seine aufrechte Haltung ein wenig an einen Pinguin, jedoch ist diese zur Brutzeit recht farbenprächtige Art flugfähig. Allerdings müssen Papageitaucher die geringe Größe ihrer Flügel durch äußerst schnelle Flügelschläge ausgleichen. Trotzdem werden im Winterhalbjahr die gesamten großflächigen atlantischen Gewässer im Bereich der Iberischen Halbinsel und sogar bis in das Mittelmeer hinein aufgesucht, wo dieser Vogelart ein günstiger Fischfang möglich ist. Doch da sie sich über diese riesige Ozeanfläche verteilen, werden sie wenig beobachtet.
Die Vögel erreichen dieses Überwinterungsgebiet meist im Laufe des Monats Oktober. Weil dann einige der roten Hornplatten am Schnabel abgefallen sind, wirkt er schmaler und dunkler. Bei den Jungvögeln ist alles noch wesentlich unscheinbarer. Deshalb wäre es für Vogelbeobachter und ESA-Leser eine interessante Herausforderung, bei Spaziergängen an den Stränden auf tote Vögel zu achten. Und falls ein Papageitaucher dabei sein sollte, wäre es sehr hilfreich, ihn als Beitrag zur hiesigen Vogelforschung zu fotografieren und das Foto der ESA zuzusenden.
Die Vögel verlassen die Gewässer vor der Algarve im Februar/März wieder in Richtung der nordischen Brutplätze, die sich oberhalb der felsigen und oft unzugänglichen Steilküsten in Irland, Schottland, Island und an vielen Stellen Nord-Skandinaviens befinden. In die meist selbst gegrabenen Erdhöhlen wird nur ein Ei gelegt. Diese geringe Vermehrungsrate reicht zur Erhaltung der Art aus, weil Feinde, die den Jungen gefährlich werden könnten, in diesem extremen Lebensraum kaum vorkommen.

Sehr auffällig für diese Vogelart ist außerdem, dass die Altvögel zur Fütterung des Jungen meist zwischen sechs und neun kleine Fischchen im Schnabel tragen. Jeder zuvor gefangene Fisch (meist Sandaale) wird mit der Zunge festgehalten, damit der Schnabel für den nächsten Fang wieder geöffnet werden kann.
In Schottland und Island konnte ich mich davon überzeugen, wie intensiv diese bunten und beliebten Vögel als Werbung für den Tourismus eingesetzt werden. Viele Geschäfte führen sie dort zu Hunderten als Stofftierchen in allen Größen, vom Schlüsselanhänger bis zum großen Plüschtier.

Text: Dr. Temme
ESA 12/16

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