Aus dem Leben der Lachmöwe

Chroicocephalus (Larus) ridibundus – Guincho-comum (pt.) Black-headed gull (engl.)

Im Sommer sind viele Lachmöwen als Brutvögel nach Mitteleuropa heimgezogen. Trotzdem verbleiben hier zahlreiche noch nicht geschlechtsreife jüngere Tiere und sogenannte Nichtbrüter, die das ganze Jahr über in der Algarve häufig beobachtet werden können

Jahrzehnte lang haben Ornithologen den Gattungsnamen Larus für die Lachmöwe benutzt. Seit einiger Zeit haben Systematiker, nach internationalen Vereinbarungen, für alle dunkelköpfigen Möwen das „Wortungetüm“ Chroicocephalus gewählt.

Nur für die Brutzeit bekommen im Laufe des Februars die erwachsenen Möwen ihre braunen Köpfe. Diese unterstützen die Partner bei der Werbung und der Abwehr von Nebenbuhlern. Dazu gibt es ein vielfältiges Verhaltens-Repertoire, das intensiv untersucht wurde. Die bekanntesten sind das „Vorwärtsdrohen“, das „Flügeldrohen“ und das „Wegsehen“. Fotos davon werden als „die hohe Schule der Tierfotografie“ bezeichnet, weil sie sehr mühsam und aufwendig zu machen sind. Auch hier muss auf ältere Dias zurückgegriffen werden, die aber das Verhalten gut zeigen.
Zu all diesen Verhaltensweisen gehören auch die entsprechenden Rufe. Der deutsche Name dieser kleinen Möwenart kommt nicht von Lachen, denn die Stimme klingt mehr wie ein hohes Krächzen. Er soll wegen der Brutplätze, die sich früher fast ausschließlich im Binnenland an Seen oder Lachen befanden, entstanden sein. Andere Ornithologen halten es für eine Verwechslung mit der amerikanischen „Laughing Gull“, bei der die Stimme eher einem Lachen ähnelt.
Besonders auffällig ist das Vorwärtsdrohen, dem oft das beschwichtigende Wegsehen folgt. Beide Partner zeigen dadurch an, dass sie friedlich gesonnen sind, denn die Vögel zeigen jetzt durch das Abwenden des Gesichts die weiße Nackengegend, während die braune Gesichtsmaske kurzfristig nicht sichtbar ist.
Lachmöwen sind äußerst häufig und brüten in Mitteleuropa oftmals in riesigen Kolonien von über 100 Paaren und oft gehen diese Anzahlen in die Tausende. Im Nordwesten Portugals hat sich inzwischen eine kleine Kolonie etabliert. Lachmöwen sind wie andere Möwen Allesfresser und legen wie alle Arten meist drei gesprenkelte Eier in dicht beieinander befindlichen Nestern. Die bräunlichen Jungen werden als Nest-hocker mit vorverdauter Nahrung großgezogen.
Durch längere Sonneneinwirkung verblassen die Kopfmasken etwas und nach der Brutzeit fallen die braunen Federn aus. Sie werden durch weiße ersetzt, wobei aber kleine dunkle Stellen und ein größerer Fleck in der Ohrgegend verbleiben. Jetzt ähneln die Alt-Vögel in den Wintermonaten wiederum den jüngeren Individuen. In der Wintersaison halten sich Lachmöwen in der Algarve zu Tausenden an Seen, Hafen-anlagen und auch auf großen Weiden auf.

Text und Foto: Dr. Manfred Temme
In ESA 06/16

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