Aus dem Leben der Haubentaucher

Podiceps cristatus – Mergulhao-de-crista (pt.) – Great Crested Grebe (engl.)

Nicht alle Ereignisse während der Beobachtung der Haubentaucher spielen sich in der Nähe des Fotografen ab, doch auch aus größerer Entfernung kann man interessante Einzelheiten aus dem Verhalten dieser Vögel entdecken

Haubentaucher kommen von Südwest-Europa und Nordafrika bis nach Asien vor. Als Fischfresser leben sie normalerweise auf größeren fischreichen Binnenseen. Gebrütet wird auf einem Schwimmnest, das auf einer kleinen Insel aus Pflanzenmaterial angelegt wird. In Deutschland ist auf der Insel Norderney alljährlich ein abweichendes Fütterungsverhalten zu beobachten. Da der größere See so gut wie keine Fische enthält, fliegt das Männchen rund fünfzig Meter weit über den Deich, fängt Fische im Wattenmeer und trägt die glitzernde Nahrung im Schnabel zum Weibchen und zu den Jungen, wodurch ein regelrechter Pendelverkehr entsteht. Sind die Jungen schon größer, werden auch Plattfische wie Schollen gereicht.
Da Haubentaucher im Winter offene Wasserflächen benötigen, werden die Hochnordischen zu Zugvögeln und halten sich in dieser Jahreszeit auch an ruhigen Meeresbuchten vor Portugal auf.
In der Algarve ist der Haubentaucher ein nicht sehr häufig vorkommender Brutvogel, kann aber auf größeren Gewässern wie der Lagoa dos Salgados und dem São Lourenço-See in Quinta do Lago beobachtet werden.
Die Balzhandlungen sind sehr reizvoll anzusehen: Beide Partner lassen durch Kopfschütteln die Haubenfedern schwingen, auch heben sie sich mit aneinander gepressten Bäuchen und kräftig rudernden Füßen aus dem Wasser. Zur Balz gehört ferner ein rasches Parallelschwimmen mit gespreizten Hauben.
Die kleinen Jungen werden zum Schutz gegen Raubfische – etwa große Hechte – eine Zeitlang im Rückengefieder transportiert, können aber schon sehr gut schwimmen und tauchen. Zur Tarnung sind Kopf und Hals auch noch gestreift.
Trotz allem haben es die Haubentaucher während der Aufzucht der zwei bis drei Jungen nicht leicht, denn auch von oben lauern manche Gefahren, was ich im letzten Jahr drastisch miterleben musste. Beide Eltern führten gemeinsam drei Junge. Plötzlich erschienen zwei große Möwen und schnappten sich je eines der kleinen Küken. Beide waren schon verschluckt, ehe die Eltern versuchten die Möwen zu verfolgen. Es blieb dem Paar nur noch ein Junges, das allerdings groß wurde.

Text und Foto: Dr. Manfred Temme
In ESA 05/16

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