Lagoa dos Salgados – Brutplatz

NATURSCHUTZ

Im Sumpf
Ein ausgetrocknetes Feuchtgebiet ist kein Landeplatz für Vögel

Text: HENRIETTA BILAWER Fotos: DR. MANFRED TEMME

Die Lagoa dos Salgados, Brut- und Rastplatz geschützter Vogelarten, geriet landesweit in die Presse, als mitten in der Brutzeit widerrechtlich ein Wasserabfluss gegraben wurde. ESA hat den Ort ein Jahr danach besucht und erlebt, dass der Streit um das Biotop noch lange nicht zu Ende ist
usgelaugt, leer, trocken. Traurig geht Guida Vieira am ökologischen Schutzgebiet Lagoa dos Salgados bei Armação de Pêra spazieren. Sie ist im nahen Patroves aufgewachsen, das Dorf findet man auf kaum einer Landkarte. Die Lagoa dos Salgados hingegen ist weithin bekannt. Manche verbinden den Namen mit Golfspiel, andere mit einem Traumstrand, doch vor allem ist der Ort als Brut- und Rastplatz für Dutzende, teils in ihrem Bestand gefährdete Vogelarten bekannt. Guida fürchtet, das könnte bald Geschichte sein. Vor genau einem Jahr geriet das Gebiet landesweit in die Schlagzeilen: ,,Lagoa dos Salgados entleert” und ,,Eine Wüste entsteht”. Guida Vieira kommentiert das Medienecho mit trauriger Genugtuung: ,,Endlich haben die darüber berichtet, aber das war nicht das erste Öko-Attentat und die Lage hat sich nicht gebessert”. Die Behörde für Regionalentwicklung CCDR-Alg genehmigte im April 2008 eine Abflussrinne zwischen dem Golfplatz Salgados und dem Meer, um den noblen Sportplatz zu entwässern ­ aufgrund schlechter Planung liegt er zu tief, bei anhaltendem Regen versumpft das Green. Die Bagger rückten in der Brutzeit an und mit dem abfließenden Wasser verschwanden tausende Vögel und Nester. ,,Eine ökologische Katastrophe”, bestätigte Umweltminister Francisco Nunes Correia. Die Umweltpolitikerin Alda Macedo wollte klären, wer das Ausbaggern der Rinne beantragt habe. Aus der Behörde hieß es nur, der Verantwortliche sei in Urlaub gewesen. Macedo spricht von finanziellen Interessen. Die Luxus-Wohn- und Ferienanlage Herdade dos Salgados wirbt mit der malerischen Lage im Vogelparadies, der Golfplatz sei aber ,,anscheinend wichtiger und Abpumpen zu teuer”. Seit 2005 fordert der Vogelschutzverband SPEA den Bau eines Siels, denn ,,es ist gesetzlich geregelt, dass die Vögel in diesem Biotop nicht gestört werden dürfen”. Ob sich eine ausgebaggerte Rinne von selbst wieder mit Sand verschließt, hängt von Strömung und Wellen ab; die Natur ist nicht immer behilflich. Die Lagune ist auch jetzt praktisch leer. Bei gutem Wasserstand rasten hier ,,bis zu dreihundert Flamingos, hunderte Enten, Graureiher, Löffler, Stelzenläufer, Uferschnepfen, Purpurhühner und andere seltene Vogelarten, die zum Teil in die höchste Schutzkategorie gehören”, erklärt der Biologe und ESAAutor Dr. Manfred Temme, der als Vogelkundler die Lagoa dos Salgados genau kennt. Zur Trauer über die malträtierte Natur addiert sich nun Wut über das, was ,,uns jetzt wieder zugemutet wird”, schimpft Guida Vieira: Von einer Mückenplage sei die Rede. Carlos Saraiva vom Verwaltungsrat der Herdade dos Salgados sagt, die ,,alte Kläranlage von Pêra versagt und verunreinigt die Lagune”, Mücken fänden ideale Brutstätten. Der Klärwerkbetreiber Águas do Algarve hat bis 2010 Verbesserungen versprochen. Dazu gehört der Bau einer Ableitung durch einen Tunnel unter der Lagune hindurch. Die Amigos de Lagoa dos Salgados vermuten indessen einen erneuten Angriff auf die Lagune: ,,Die Investoren hier hätten leichteres Arbeiten, wenn die Lagune verschwinden würde. Nördlich an den Golfplatz angrenzend gebe es ,,Tümpel mit unsauber wirkendem Wasser voller Algen und Müll, das könnte eine Brutstätte für Stechmücken sein. Darauf sollten die Verantwortlichen vom Golfplatz ihr Augenmerk richten.” Biologe Temme stimmt zu und betont die Bedeutung der Vögel auch hierbei: ,,Sollten Mückenlarven vorhanden sein, würden der Sanderling und andere Strandläuferarten sie in Schach halten. Auch in den kleinen Zierteichen auf den Greens dürften Mückenlarven zu finden sein”, meint Temme. Bei Mückenschwärmen, die ,,in Wassernähe in der Luft tanzen, handelt es sich um die harmlose Büschelmücke, die nicht sticht.” Temme mahnt: ,,Ohne genaue Prüfung können solche Stechmücken-Geschichten nicht einfach in die Welt gesetzt und akzeptiert werden.” Unterdessen plant das Unternehmen Finalgarve an der Westseite der Lagoa dos Salgados eine Hotelanlage. Hier stehe bevor, was schon bei der Ausschachtung für das Hotel bei Golfe dos Salgados geschah: Gewaltige Mengen Grundwasser wurden hochgepumpt, die das Land überschwemmen und für dessen Abfluss ,,wieder die Lagune beschädigt werden wird”, fürchten Anwohner. Doch vielleicht erledige sich das Problem ja von selbst. Finalgarve gehört zu den Aktiva der gerade verstaatlichten Pleite-Bank BPN. Über deren ursprüngliche Investmentpläne ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

 

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