Brachvogel

Numenius arquata

Großer Brachvogel

Große Brachvögel brüten an Feuchtwiesen und Mooren, aber auch in offenen Marschen. Im Winter halten sie sich an den Küsten und im Watt auf, im Binnenland auf Feldern und Feuchtwiesen. Ihr Hauptverbreitungsgebiet sind Nord- und Mitteleuropa, als Zugvögel leben sie auch an den Küsten West- und Südeuropas

Text: DR. MANFRED TEMME

Der Große Brachvogel, englisch: Curlew und portugiesisch Maçarico-real genannt, ist fast so groß wie ein Huhn und deshalb in Europa der größte Schnepfenvogel. Mit seinem langen, nach unten gebogenem Schnabel, dem langen Hals und hohen graublauen Beinen ist er auch eine recht imposante Erscheinung. Er brütet in großer Anzahl in Mittelund Nordeuropa. Besonders häufig kommt er zur Brutzeit in den riesigen Mooren in Finnland und Schottland vor. In Portugal und in der südlichen Provinz Algarve ist der Brachvogel vor allem während der Wintermonate als Gastvogel in großer Zahl anwesend. Brachvögel stellen sich leicht auf Salzwasserbereiche um und sind im Naturpark Ria Formosa, an der Meeresküste und vor allem in Flußdelten auf Nahrungssuche. Sie halten sich bei Niedrigwasser auch auf den großen trockengefallenen Wattflächen des Aradeflusses auf. Am Brutplatz vernimmt man den schönen 60 melodischen Flötentriller des etwas kleineren Männchens, den es während eines auffälligen Balzfluges vorträgt. Bei der Brut dagegen macht das braun gestrichelte und gefleckte und dadurch unscheinbare Gefieder den großen Vogel im Heidekraut oder anderer dichter Bodenvegetation so gut wie unsichtbar. Bei sich nähender Gefahr drückt er sich zur weiteren Tarnung flach auf das Nest, verschwindet somit völlig in der Vegetation und wird von den meisten Störenfrieden oder Feinden übersehen. Da in Mitteleuropa die meisten Moore zerstört und zu Ackerland umgewandelt wurden, verloren die Brachvögel zunächst ihre Lebensräume und gingen im Bestand stark zurück. Mittlerweile haben die Vögel sich etwas angepasst und brüten auch auf großen feuchten Wiesen oder Weiden, und so nimmt der Bestand stellenweise wieder etwas zu. Auch auf den Nordseeinseln bieten ihnen die Dünenpflanzen, beispielsweise der Strandhafter, einen Ersatzlebensraum. Die vier großen olivgrünlichen Eier werden von beiden Eltern fast vier Wochen lang bebrütet. Die niedlichen und zunächst kurzschnabeligen Jungen sind sofort Nestflüchter und werden von den sehr besorgten Eltern an Nahrungsstellen geführt. Zunächst werden kleine Insekten gefressen. Später, dann vor allem außerhalb der Brutzeit, werden besonders verschiedene Wurmarten und andere Weichtiere aus den nassen Böden und dem Schlick des Wattenmeeres gezogen. Der lange Schnabel ist hierfür ein besonderes Werkzeug, denn an der Spitze befindet sich ein Tastorgan. Ohne zu schauen, kann der Vogel damit sogar nachts Würmer ertasten, schmecken und verzehren. Aufgrund seiner Größe und dem langen nach unten gebogenem Schnabel, ist er beim Stochern von weitem gut mit dem Fernglas zu beobachten. Ist er nicht zu sehen, fällt er dem Naturfreund und Kenner auch durch seinen äußerst wohltönenden nach oben gezogenen Flötenruf auf, durch den er seine Anwesenheit mitteilt.

 

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