Säbelschnäbler

In der Algarve sind feinsedimentreiche Buchten, Lagunen und Flussmündungen der bevorzugte Aufenthaltsort des kontrastreich schwarz und weiß gefiederten Watvogels, der auch vom Menschen geschaffene Orte wie Salinen oder Fischteiche mag
Der nach oben gebogene, dünne Schnabel ist nicht nur kennzeichnend für den Säbelschnäbler, sondern auch eine feine Pinzette, mit der kleinste Lebewesen aus flachem Wasser gefischt werden

Recurvirostra avosetta

Der Säbelschnäbler

Der auffällige weißschwarze Säbelschnäbler, auf Deutsch auch verkürzend Säbler genannt (auf Englisch Avocet und in Portugiesisch Alfaiate), ist eine hübsche und zierliche Stelzvogelart. Der Säbler ist zwar nur so groß wie eine Taube, aber aufgrund der langen blaugrauen Beine, des biegsamen Halses und des dünnen, aufwärts gebogenen Schnabels wirkt er etwas größer. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Säbler an mehreren Stellen an Zahl wieder zugenommen und heute hat er seine Hauptverbreitung an den Küsten Europas, also auch an der Nordsee, der Biskaya, am Mittelmeer und selbst in Teilen Afrikas. Portugal war wohl lange Zeit kaum vom Säbelschnäbler besiedelt. Noch Anfang der siebziger Jahre schrieb ein damals in Carvoeiro lebender englischer Vogelbeobachter in seinem Buch nichts über ein Brüten dieser grazilen Vogelart im Bereich der Algarve. Er erwähnte lediglich größere Trupps von Durchzüglern oder Wintergästen, die sich in den Salzpfannen oder anderen Flachwassergebieten bei Faro, im heutigen Naturschutzgebiet Ria Formosa, aufgehalten hatten. Vereinzelte Vögel hatte der Ornithologe auch im Mündungsgebiet des Arade festgestellt. Heute ist der Säbelschnäbler hier nicht nur als Wintergast, sondern auch als gelegentlicher Brutvogel anzutreffen. Allein im Bereich des Flachwassergebietes Lagoa dos Salgados, östlich von Armação de Pêra, hat es in den letzten Jahren über zwanzig Brutpaare gegeben. Die Hauptbrutverbreitung befindet sich allerdings östlich von Faro bis hin nach Tavira, wo die Art wohl das ganze Jahr über regelmäßig beobachtet werden kann. Zum Brüten brauchen Säbler einen passenden Lebensraum. Dabei ist es nicht von Bedeutung ob es sich um Süß- oder Salzwasser handelt. Es müssen aber Flachwassergebiete mit zwischen zehn und zwanzig Zentimetern schwankenden Wasserständen sein. Auch sollten darin reichlich Kleinlebewesen wie Krebschen, auch Salinenkrebschen, Würmer oder Insektenlarven und Ähnliches vorkommen. Das Nest wird auf einer kleinen, meist schlammigen Erhöhung angelegt. Wichtig ist, dass dort der Wasserstand während der Brutperiode nicht zu weit sinkt. Andernfalls könnten das Nest und somit die vier hellen, wie dunkel bekritzelt wirkenden Eier oder auch die zunächst noch hilflosen Jungen von menschlichen wie tierischen Feinden leicht erreicht werden. Im Falle einer Bedrohung setzen sich die Eltern beinahe unter Lebensgefahr für ihre niedlichen Küken ein. Sie lenken den Feind ab, indem sie kurz vor ihm landen, sich wie verletzt auf den Boden legen oder wie mit gebrochen gehaltenen Flügeln geduckt weiterlaufen. Unerfahrene Feinde nehmen an, der Altvogel sei eine leichte Beute, verfolgen ihn, übersehen die sich duckenden Jungen, bis sich die Eltern wieder beschwingt in die Lüfte begeben. Dieses Verhalten, auch Verleiten genannt, ist von mehreren Bodenvogelarten bekannt. Die Jungen sind so genannte Nestflüchter und folgen nach dem Schlüpfen gleich den Eltern. Anfangs sind sie noch kurzbeinig aber der kleine Schnabel ist schon etwas aufgebogen. Diesen benutzen sie, wie auch für den erwachsenen Säbelschnäbler typisch, mit raschen seitlichen und ,,mähenden” Bewegungen, womit kleine Wassertiere aus dem Flachwasser gefischt werden können.

Text: DR. MANFRED TEMME

 

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