Austernfischer

Haematopus ostralegus

Austernfischer

Der Austernfischer ist in der Algarve ganzjährig anzutreffen. Er ist etwa taubengroß und hat eine harte Schnabelspitze, die sich selbst zum Öffnen von Miesmuscheln eignet

Obwohl der auffällige Austernfischer in der Algarve seit Jahrzehnten ein ganzjähriger Gastvogel ist, haben ihn hier bisher wohl nur wenige Menschen gesehen. Dieser zu den Schnepfen gehörende Küstenvogel ist auch nur an wenigen Stellen zu beobachten, an einigen breiten, sandigen und ruhigen Buchten. In der West-Algarve befindet sich der mir bekannteste Rastplatz im Bereich der Dünen bei Alvor. Dort sind im Winterhalbjahr meist bis zu 50 Vögel anzutreffen, selbst im Sommer verbleiben immerhin bis zu 25 noch nicht brutreife Jungvögel in diesem Revier. An einigen Sandstränden, ebenfalls an der Westküste der Algarve, ist es möglich, kleinere Rasttrupps zu entdecken. Das große Brutgebiet des Austernfischers liegt hauptsächlich an den steinigen und sandigen Küsten Mittel- und Nordeuropas. Die südlichsten Brutbereiche befinden sich auf der iberischen Halbinsel am Kantabrischen Küstenstreifen. In den Niederlanden und an der Nordseeküste ist allerdings seit Jahrzehnten ein Ausbreitungstrend in Richtung Binnenland zu beobachten, wo der Vogel zunehmend auf Rinderweiden brütet. Nach wie vor bleiben aber die Meeresküsten sein Hauptverbreitungsgebiet. Hier errichtet der Austernfischer seine Nester an Sandstränden, auf den Salzwiesen der Wattränder, an Deichen und sogar teilweise auf Flachdächern von Häusern. Meist werden drei hellbraun gesprenkelte Eier gelegt und über 30 Tage bebrütet. Die zierlichen Jungen werden als Nestflüchter sofort von den Eltern in die Nahrungsgebiete geführt. Aufgrund ihrer vortrefflichen Tarnfärbung werden sie meist übersehen, da sie sich bei Gefahr ,,drücken”. So bezeichnen Ornithologen das Verhalten von Nestflüchtervögeln, wenn diese sich bei Gefahr durch Annäherung von Feinden zwischen Grashalmen, Steinen oder Antreibsel verbergen. Die Austernfischer gehören an der Nordseeküste und der Inselkette zu den Charaktervögeln und das auffällige schwarzweiße Gefieder, die roten Beine und Schnäbel sind dort nicht wegzudenken. Ebenso ist es mit den lauten Trillerrufen, die ständig zu hören sind. Meist wird der charakteristische Ruf im Brutrevier bei Grenzstreitigkeiten eingesetzt. Gegen Ende der Brutzeit gibt es auch so genannte Trillerspiele, die im Fluge ausgeführt werden. Wie am Boden, werden von mehreren Kontrahenten die Schnäbel eigenartig steif nach unten gehalten und mit dem Körper rasche, ruckartige seitliche Bewegungen aufgeführt. Die meiste Zeit seines Lebens ist der Austernfischer dem Wechselspiel von Ebbe und Flut unterworfen. Bei ablaufendem Wasser verteilen sich die Vögel in den Sand- und Schlickwatten und suchen nach Nahrung. Das sind vor allem Wattwürmer oder kleine Krebschen, aber auch Muscheln. Mithilfe seines kräftigen Schnabels kann der Austernfischer nämlich kleinere Exemplare aufhacken. Der Vogel hat seinen althergebrachten Namen Austernfischer, übrigens ebenso im Englischen (Oystercatcher) und im Portugiesischen (Ostraceiro), von der Europäischen Auster, die vermutlich einst zu einem wichtigen Bestandteil seiner Nahrung gehört hat. Die Europäische Auster ist heutzutage fast verschwunden, so hält der Vogel sich nun mehr an Miesmuscheln. Während in der Algarve nur kleinere Austernfischertrupps vorkommen, existieren an der Nordseeküste Tausende. So habe ich beispielweise allein auf der Insel Norderney im Herbst über zwanzigtausend Vögel gezählt beziehungsweise geschätzt. Folgt ein harter Frostwinter, überleben oft viele Hundert Vögel an den Küsten diese Extremwitterung nicht.

Text: DR. MANFRED TEMME

 

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