Löffler

Der Löffler

Der Löffler ist nun zunehmend in der Algarve anzutreffen. Wenn er im flachen Wasser mit seitlichen Schnabelbewegungen Garnelen aufscheucht, gesellen sich manchmal Seidenreiher zu ihnen und nehmen an den Beutezügen teil

Platalea leucorodia

Text: DR. MANFRED TEMME

Die Entwicklung des Löffler-Bestandes in Europa zeichnet eine wahre Erfolgsgeschichte

Der fast reinweiße Löffler ist zusätzlich durch seine ausgeprägte, löffelartig verbreiterte Schnabelspitze eine imponierende Vogelgestalt. Diese Besonderheit hat dem Vogel in vielen Sprachen den Namen gegeben: Englisch Spoonbill, Niederländisch Lepelaar, Portugiesisch Colhereiro. Obwohl er einem Reiher ähnlich sieht, gehört er nicht zu dieser Vogelgruppe; er wird zu den Ibissen gezählt. Während manche Vogelart in unserer zivilisierten Welt unter den oftmals drastischen Veränderungen von Naturräumen und Verfolgung leidet, entweder stark abnimmt oder sogar an den Rand des Aussterbens gerät, erleben andere, wie der Löffler, unglaubliche Erfolgsgeschichten. Bereits in den vergangenen Jahrhunderten gab es in Europa einige weit auseinander liegende Brutkolonien, so im südwestlichen Spanien, in Ungarn, Österreich und vor allem in der Ukraine. Und nun hat sich in Portugal im Mündungsbereich des Tejo eine kleine Brutkolonie etabliert. Nachdem vor einigen Jahrzehnten die Bruten in der einzigen größeren Kolonie der Nordsee bei Amsterdam von Füchsen vernichtet worden war, siedelten die Vögel auf die nahen Nordseeinseln um. Dort konnten sie sich, wegen des Fehlens von Bodenfeinden, wieder vermehren. Von knapp dreihundert Paaren stieg die Zahl mittlerweile auf über zweitausend Brutpaare an. Vor gut fünf Jahren siedelten sich die Löffler sogar erstmals in Deutschland auf den meisten der Ostfriesischen Inseln an. Auf Norderney konnten 2006 bereits siebzehn Paare festgestellt werden. Der Besuch einer Brutkolonie ist ein großartiges Erlebnis, überall liegen in den zirka 50 Zentimetern aufgetürmten hohen Bodennestern Eier oder geschlüpfte, unterschiedlich große schmutzigweiße Junge. Diese zeigen einen leicht gebogenen gelblichen Ibis-Schnabel, ohne die typische löffelartige Verbreiterung; sie entwickelt sich erst später.

Wenn immer möglich, werden mit starken Ferngläsern (Spektiven) die Buchstaben, Zahlenund Farbkombinationen der großen Plastikringe oberhalb der Beingelenke der Altvögel abgelesen. Elf der beringten Vögel stammen demnach aus holländischen Kolonien und sind zwischen sieben und neun Jahre alt. Mehrere Norderneyer Brutvögel wurden zuvor während des Durchzuges an der Biskaya in Frankreich, als Wintergäste im afrikanischen Senegal und auch mehrmals in Schutzgebieten in Südwest-Spanien bei Huelva gesichtet. Über fünfzig Löffler überwintern zunehmend in der Algarve. Sie können in den letzten Jahren im Mündungsbereich des Arade, vereinzelt an anderen Flußdelten und vor allem regelmäßig im Feuchtgebiet Lagoa dos Salgados, östlich von Armação de Pêra, entdeckt werden. Seit vielen Jahren werden die Ringe der Vögel in mehreren Rastgebieten von Deutschland über Holland, Frankreich, Spanien und Portugal bis in den Senegal abgelesen. Dadurch sind inzwischen von vielen Individuen Alter und Aufenthaltsplätze während des anstrengenden Durchzuges bekannt. Einige der in der Algarve überwinternden Löffler sind in den Niederlanden und in Spanien gekennzeichnet worden. Mit dem Löffelschnabel können kleine Meerestiere, Krebschen, Garnelen, gelegentlich auch kleine Fische aus dem Wasser geschöpft werden. Zur Brutzeit ist das überwiegend weiße Aussehen besonders prächtig. Der glänzend-schwarze, geriffelte und löffelartig geformte Schnabel zeigt eine gelbe Spitze. An der Brust zeigt sich ebenfalls ein gelbliches Federband und vom Hinterkopf wedelt ein langer Federschopf im Wind. Dies fehlt bei den ein- bis zweijährigen Jungvögeln, die überwiegend in der Algarve anzutreffen sind. Dafür sind die flüggen Jungen im Flug an ihren schwarzen Flügelspitzen zu erkennen, die wiederum bei den Altvögeln fehlen.

 

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