Graureiher

Der Graureiher

Text: DR. MANFRED TEMME

Ardea cinerea

Der Graureiher ist ein etwa storchengroßer Vogel, der über Jahrhunderte von Fischern als vermeintlicher Konkurrent gejagt wurde. Nachdem er vor rund dreißig Jahren unter Schutz gestellt wurde, hat die Population deutlich zugenommen und Graureiher sind auch in der Algarve anzutreffen

Der Graureiher hat einen kräftigen scharfkantigen Schnabel, um glitschige Beute halten zu können. Außerdem ist der reihertypische Knick im Hals gut zu erkennen. Dieser ermöglicht ein blitzschnelles Vorstoßen des Kopfes und Schnabels.

Der Graureiher ist Europas größte Reiherart, und sicher ist dieser auffällige, überwiegend graue Vogel beim Abflug mit seinen großen, breiten Schwingen und dem rauen ,,rraah”-Ruf jedem Naturfreund schon einmal begegnet. Der Graureiher ist in ganz Europa und in Teilen Nordafrikas verbreitet. Obwohl er seine Hauptbrutverbreitung in Mitteleuropa hat, kommen auch im mittleren Portugal zirka sieben Brutkolonien vor. In der Algarve fehlt die Art als Brutvogel, jedoch wurde schon von einem gelegentlichen Brüten im Schutzgebiet Ria Formosa bei Ludo berichtet. Trotzdem kann in der Algarve eine Beobachtung von Graureihern stattfinden. Besonders jüngere, noch nicht brütende Vögel halten sich das ganze Jahr über an verschiedenen Stellen auf, die dem Vogel zusagen. Graureiher sind nicht sehr wählerisch, solange der Lebensraum groß genug ist, Ruhe bietet und Nahrung zur Verfügung stellt. So sind sie an breiteren, Wasser führenden, verschilften Gräben, an Stauseen, an Flussbuchten, in ungestörten größeren Fluss- und Salzmarschen, an Fischteichen, im Schutzgebiet Ria Formosa, im Mündungsbereich des Arade und anderen Estuarien, sowie im Feuchtgebiet Lagoa dos Salgados, östlich von Armação de Pêra, ständig zu sehen. In mehreren dieser Gebiete stehen tagsüber, zwar etwas versteckt, fünfzehn bis fünfundzwanzig Graureiher in höherer Vegetation, schlafen viel oder dösen den Tag über vor sich hin. Hin und wieder putzen sie sich auch das Gefieder.

Ganz früh morgens und am Abend gehen Graureiher auf Nahrungssuche. Die Engländer nennen den Vogel Grey Heron, die Portugiesen Garça real; früher wurde der Graureiher in Deutschland auch als Fischreiher bezeichnet. Von dieser diskriminierenden Bezeichnung wird heute Abstand genommen, denn es werden neben Fischen auch viele andere Wassertiere wie Libellenlarven, unwirtschaftliche kleine Krebse und vor allem Feldmäuse verzehrt. Gelegentlich kämpft der Graureiher für längere Zeit auch mit einem größeren Aal, der sich um den Hals des Reihers schlängelt, bis er endlich überwältigt und hinuntergeschluckt werden kann. Der Knick im Hals, der sich bei allen echten Reihern findet, unterstützt das blitzschnelle Zustoßen bei der Jagd. Fischer und Fischteichbesitzer sehen im Graureiher trotz unterschiedlich zusammen gesetzter Nahrung einen unbeliebten, vermeintlichen Konkurrenten. Sicherlich, wenn einem Vogel in einem künstlichen Fischteich reichlich Nahrung geboten wird, nutzt er die günstige Gelegenheit. Dazu ist zu sagen, dass nur der Mensch durch industrielle, raubbauartige Fangmethoden in der Lage ist Fischarten an den Rand des Aussterbens zu bringen; eine Vogelart schafft das nicht. In den Brutkolonien der Graureiher geht es ab Februar und März recht lebhaft zu. Meist in sicheren Höhen, in Bäumen, manchmal zusammen mit anderen Reiherarten und Kormoranen, werden zunächst die Balzspiele ausgetragen. Ist man sich einig geworden, holt das Männchen das Baumaterial heran: Äste, Zweige und danach weichere Auspolsterung und das Weibchen baut anschließend alles ein. Auf den vier bis fünf leicht bläulichen Eiern brüten beide Partner abwechselnd fast vier Wochen lang. Dann dauert es noch bis zu sieben Wochen, bis die Jungen fliegen können. Während der Aufzuchtzeit herrscht ein ständiges Kommen und Gehen der stark beschäftigten Eltern und die anhaltenden rauen Bettelrufe der Jungen sind nicht zu überhören.

 

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